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Karl Lauterbach : Krankmachen war auch mal einfacher

Lauterbachs Pläne sorgen für Kritik. Bild: dpa

Wie kommt Karl Lauterbach mit Corona klar? Medizinisch hat er alles im Griff, politisch schweift er ab. Man muss die Isolation schließlich zu Nutzen wissen.

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          Karl Lauterbach macht krank. Als Krankfeiern will er das allerdings nicht verstanden wissen. Deshalb arbeitet der Minister in der Isolation weiter. Sein auf Kante genähtes Gesundheitssystem toleriert weitere Personalausfälle nicht. Nach Feststellung seiner Covid-19-Erkrankung hat das Bundesgesundheitsministerium klargestellt, dass Lauterbachs Symptome erstens noch milde seien und zweitens nicht genügten, den Minister von seinen Amtsgeschäften abzuhalten. Das klang schon in der Ankündigung wie eine behördliche Richtigstellung: Seht her, eine Krankschreibung ist kein Ticket für den Freizeitpark Deutschland. Joe Biden, der zweimal hintereinander mit Omikron infizierte amerikanische Präsident, wollte ebenfalls jeden Eindruck von Bettlägerigkeit verhindern. Wollte? Nein, er musste.

          Wehrhaft bleiben ist oberste Demokratiepflicht. Auch die kleinste Erosion der Macht, so ist nun einmal Politik, wird heute öffentlich als Schwäche verhandelt. Deshalb twittert auch Lauterbach in der Isolation weiter gegen „Hass und Niedertracht“ an und gibt Interviews. Seinem „Freund“ Tedros zum Beispiel, dem WHO-Chef Ghebreyesus, übermittelte er inzwischen ein Genesungsgruß-Dankesschreiben, dem Hausärzteverbandschef Uli Weigelt gratulierte er zu dessen „klaren Worten“ für eine vierte Impfdosis und kündigt eine Herbst-Impfkampagne an, die Verurteilung einer oberbayerischen Ärztin, die falsche Maskenatteste ausgestellt hatte, lobt er als gerecht. Auf den Vorwurf, mit den Details über seine persönlichen Corona-Maßnahmen mache er unbotmäßig Schleichwerbung für ein Pfizer-Mittel, stellt er sich allerdings lieber krank und schweigt. Die Isolation muss man auch zu nutzen wissen. Lange währt sie allerdings nicht. Der Verband der Notfall- und Akutmediziner hat nach einer Blitzumfrage zum Wochenende mitgeteilt, dass vom eklatanten chronischen Personalmangel in den Kliniken inzwischen nicht nur die Intensivbetten, sondern auch die Normalstationen und schon die Notaufnahmen massiv betroffen seien.

          Das Gesundheitssystem, im personellen Kern schon lange morbide, wankt immer mehr. Noch mehr Corona-Ausfälle kann sich das Land nicht leisten. Aber Kranke, die arbeiten? Nicht für alle hat eine Krankschreibung einen tieferen Sinn.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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