https://www.faz.net/-gqz-6m1bc
 

Kurioses im Netz : Index fürs Gefasel

  • -Aktualisiert am

Im „BlaBlaMeter“ kann jeder in Texten nach inhaltsfreiem Gelaber suchen. Der „Bullshit-Index“ bewertet auf einer Skala von 0 bis 1. Wie wohl Thilo Sarrazin, das FDP-Parteiprogramm, Karl-Theodor zu Guttenberg und die Bibel abschneiden?

          1 Min.

          Der Trend geht hin zu immer mehr Blabla: Immer mehr Nominalstil, immer weniger konkret, immer weiter um den heißen Brei herum. Wäre es da nicht phantastisch, schon vor dem Lesen zu wissen, ob sich der nachfolgende Artikel lohnt? Bernd Wurm aus Frankfurt hat die Lösung: den „BlaBlaMeter“. Wahrlich ein wunderbares Spielzeug. Auf der Internetseite kann jeder in Texten nach inhaltsfreiem Gelaber suchen. Bewertet wird vom „Bullshit-Index“ auf einer Skala von 0 bis 1. „Hochwertige journalistische Texte liegen in der Regel zwischen 0,1 und 0,3“, schreibt der Entwickler.

          Und gleich beim ersten Test wird klar: Unsere Kindheit ist (mal wieder) an allem schuld. Mit Indexziffer 0,66 fällt das Urteil für den Lehrplan des Fachs Deutsch vernichtend aus. Da kann ja dann nichts Gutes draus werden. Eine Leseprobe aus Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ schneidet hingegen mit 0,27 gut ab.

          Immerhin besser als das FDP-Programm, aber noch immer blamabel niedrig

          Die große Enttäuschung folgt bei der Prüfung des neuen Wahlkampfslogans der CDU in Mecklenburg-Vorpommern „C wie Zukunft“: „Der Text ist leider nicht geeignet für eine Analyse.“ Könnte es daran liegen, dass selbst der „BlaBlaMeter“ vor so viel Unsinn zurückschreckt? Nein, das Minimum für eine Analyse sind zwanzig Wörter? Bei der FPD sieht’s da ganz anders aus. Schon in der Präambel des Parteiprogramms zur Bundestagswahl 2009 zirkuliert laut Bewertung ganz viel heiße Luft: Index 0,49. „Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken.“ Und weiter: „Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies noch ein akzeptabler Wert (leider).“ Apropos! Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit: Das Vorwort – eine der wenigen Passagen, die Guttenberg tatsächlich selbst geschrieben hat – bekommt die Note 0,45. Immerhin besser als das FDP-Programm, aber noch immer blamabel niedrig.

          Zu guter Letzt der Test mit dem Urtext unserer Zivilisation: der Bibel. Das Johannes-Evangelium erhält mit 0,2 eine Bestnote. Kein Wunder, steht da doch schließlich schwarz auf weiß: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Und was ist mit dem Text, den Sie gerade gelesen haben? So viel nützliches Halbwissen belohnt der „BlablaMeter“ mit 0,14: „Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.“ Merci!

          Weitere Themen

          Kinder der Freiheit

          Sommerfilm „Kokon“ : Kinder der Freiheit

          Leonie Krippendorff erzählt in „Kokon“ von einer Verpuppung und einer großen Liebe – in einem utopischen, niemals kitschigen Berliner Sommer.

          Hoch das Horn!

          Salzburger Festspiele : Hoch das Horn!

          Von mitteilungsfreudigen Komponisten und Klangereignissen im pianissimo: Bei den Festspielkonzerten „Fragmente – Stille“ klingt nicht alles groß. Dafür gibt es Ohrwurm-Potential.

          Topmeldungen

          Proteste in Belarus : Sie umarmen die Soldaten

          Die Bilder der friedlichen Proteste am Freitag dürften viele Belarussen motivieren, am Wochenende gegen Lukaschenka auf die Straße zu gehen. Selbst die einflussreiche Russische Orthodoxe Kirche ruft das Regime auf, auf Gewalt zu verzichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.