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Kunstvereine : Kunst als Grenzüberschreitung

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Yilmaz Dziewior in Hamburg Bild: Yilmaz Dziewior

Kunstvereine breiten sich aus wie Moos. Immer mehr Sammler und Liebhaber engagieren sich in den Labors der zeitgenössischen Kunst. Wir fragen warum.

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          Yilmaz Dziewior hatte fast ein ganzes Jahr Zeit, um sich auf die neue Aufgabe als Leiter des Hamburgischen Kunstvereins einzustimmen. Entsprechend sicher gelingt sein Einstieg mit der ersten eigenen Ausstellung, die bereits am 2. März eröffnet wird. Ein dänischer und ein afrikanischer Künstler aus unterschiedlichen Generationen stellen parallel Architekturkonzepte aus zwei Kontinenten vor.

          Dziewior hat in Köln gelernt

          Seit über zehn Jahren profiliert sich der über Mies van der Rohe promovierte Kunsthistoriker auch als Kritiker und Kurator. Der aus einer türkisch-polnischen Familie stammende Dziewior hat in den frühen 90er Jahren am Museum Ludwig in Köln als studentische Hilfskraft angefangen. Zuletzt war der heute 36-Jährige zuständig für den zeitgenössischen Part in der Milleniumsausstellung „Kunst-Welten im Dialog" im Jahr 2000.

          Seit zwei Monaten weht Dziewior nun die frische Luft zwischen Elbe und Alster entgegen. Er steuert ein Team mit einem Assistenten, einer Halbtagskraft für die Buchhaltung und einem Hausmeister. Das ist nicht viel für einen Betrieb, der mit etwa acht bis zehn Ausstellungen im Jahr brillieren möchte.

          Dziewior muss mit 100.000 Mark Jahresetat auskommen. Gebäude- und Personalkosten übernimmt die Hansestadt. Der Rest muss über Beiträge und privates Sponsoring aus eigener Kraft erwirtschaftet werden. Zwar gibt es Mieteinnahmen aus einem hauseigenen Café, das sich an der Ecke zum Klosterwall auf dem Weg zwischen Deichtorhallen und Kunsthalle seit Jahren großer Beliebtheit erfreut, aber dafür wird in diesem Jahr die Miete für die Ausstellungsräume erhöht. Die Stadt verdient an sich selbst. Nachteile hat nur der Kunstverein.

          Angespannte Finanzsituation

          Erst einmal muss Dziewior mit Altschulden in Höhe von 65.000 Mark zu Recht kommen. Die Lage erscheint angespannt und doch legt er zu seiner ersten Ausstellung gleich einen Katalog vor. Auch kein billiges Vergnügen. Mehrere 10.000 Mark sind da schnell ausgegeben.

          Der reiche Stadtstaat hat für seinen Kunstverein offenbar wenig übrig. Weder aus privaten Mitgliedsbeiträgen, noch städtischen Töpfen reichen die Mittel, um über das Nötigste hinaus gute AUsstellungen organisieren zu können. Bei einer Einwohnerzahl von knapp zwei Millionen Bürgern ist es erstaunlich, dass der Kunstverein nur 1.800 Mitglieder zählt. Kein Zeichen ausgeprägten Kulturbewusstseins unter den kühlen Hanseaten, die lieber Golf und Tennis spielen, statt sich von sinnlichen und intellektuellen Angeboten herausfordern zu lassen. Oder sollte es doch an der Sparsamkeit der Kaufleute liegen, dass der Hamburger Kunstverein so klein da steht?

          International und anspruchsvoll

          Mit Dziewiors Unterstützung klagt das Institut derzeit gegen die unverhältnismäßig hohe Steuerbelastung, mit der ausländische Künstler in Deutschland belegt werden. Für ein Haus wie den Hamburgischen Kunstverein kein unwichtiger Aspekt. Will der neue Leiter doch internationale Tendenzen aufnehmen und diese sogar mitbestimmen. Neben lokalen Künstlern sollen vor allem Kunstschaffende anderer Länder und Kontinente in Hamburg offene Türen einlaufen.

          Noch für dieses Jahr sind Ausstellungen mit Cosima von Bonin, Björn Dahlem (gemeinsam mit dem Freiburger Kunstverein) und Paul McCarthy geplant. Künstlern also, die in den ersten Nationalligen spielen oder bereits international reüssiert haben. Im Ganzen will Dziewior sein Ausstellungsprogramm durch Vorträge und Symposien auf hohem Niveau theoretisch unterfüttern. Die Situation kleinerer Institutionen erscheint ihm in Deutschland insgesamt schwierig.

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