https://www.faz.net/-gqz-6p4kk

Kunstmessen : Nach dem Sturm und Drang

Art Basel: Was ist eigentlich das Konzept einer Kunstmesse? Bild: dpa/dpaweb

Museum auf Zeit oder realistischer Marktsplatz - was ist eigentlich das Konzept einer Kunstmesse? Und was die Formel ihres Prosperierens? Die Art Basel jedenfalls ist seit Jahren durchgängig the place where, und Sam Keller hat nicht nur die Art Basel im Griff, die schweizerische Perfektion faßte auch in Miami Beach Fuß.

          5 Min.

          Es ist inzwischen eine gut eingeführte Redewendung, die großen und starken unter den internationalen Kunstmessen als "Museen auf Zeit" zu bezeichnen. In diese hehre Kategorie fallen, allen voran, die europäischen Super-Messen, nämlich die Art Basel und die European Fine Art Fair (Tefaf) in Maastricht. Freilich geht es da um sehr unterschiedliche temporäre Museen: Während die Tefaf mit Beständen sämtlicher Epochen und Sparten überwältigt - und sich dabei erst in jüngerer Zeit forciert auch der modernen und zeitgenössischen Kunst öffnet -, ist Basel in seiner nun sechsunddreißigjährigen Tradition das mit moderner und zeitgenössischer Kunst bestbestückte Schaufenster.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Hinzu kommen, gewissermaßen als Filiationen, viel jüngere Messen, die sich entwickelten, nachdem die sogenannte "bubble era" des überhitzten internationalen Kunstmarktes - genauer: des Auktionsmarktes - Ende der achtziger Jahre beendet war. Dieser Markt hatte sich eingeschossen auf seine ungesunden Erfolge mit Werken des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, mit Impressionismus und Klassischer Moderne, bis in die zweite Garnitur hinein. Im Rückblick betrachtet, spielte damals der Hype von (damals gerade noch) zeitgenössischer Kunst eher eine Nebenrolle.

          Inzwischen scheint es eine Überlegung wert, ob nicht eigentlich das Zerplatzen dieser Blase den Weg frei gemacht hat für die nächste Generation - auch der Messen neben den etablierten Messen: Nicht annähernd so teuer, mutig und wild entschlossen zum Neuen, so erhob sich nach dem Ende der Hysterie die Zeitgenossenschaft, bei Produzenten wie bei Konsumenten. Für relativ kleines Geld, in froher Erwartung des Durchbruchs, kam die "noch nicht durchgesetzte" Kunst zum Zuge. Es brach die Zeit der Messeneugründungen an und auch der Öffnung der Traditionsmessen hin zur Aktualität; ziemlich viel wurde da experimentiert.

          Der merkantile Gedanke

          Was, so lautet die Frage, ist also überhaupt das Konzept einer Kunstmesse? Das Konzept, so könnte die Antwort heißen, ist denkbar einfach: Eine Kunstmesse ist der Platz, an dem Kunst sich befristet präsentieren kann und zu dem genügend Menschen, die Kunst kaufen wollen und können, aus der Nähe und der Ferne kommen, um den Handel in Gang zu bringen. Alles freundliche Gerede, das interessierte Betrachter dort bewillkommnet, ist für die sprichwörtliche "Galerie" und verschleiert mithin den leitenden, nämlich den merkantilen Gedanken, der dem Wort Messe, gleichbedeutend mit Markt, zugrunde liegt (siehe Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Band 12, Seite 2112).

          Nennen wir Beispiele vom europäischen Kontinent: Da ist zuerst die einst mächtige Art Cologne mit ihrem Hinterland, den katholisch geprägten, sammelseligen Rheinlanden. Sie verfiel in den Taumel schierer Unübersichtlichkeit, als sie vorübergehend in den neunziger Jahren Megalomanie für Angebotsreichtum hielt. Der Katzenjammer blieb nicht aus. Die Art Cologne kam ins Schlingern: Wer will schon an den Wühltisch, wenn es im Kern um Investition geht? Einen solchen Tanker wieder auf Kurs zu bringen, der mit den pekuniären Interessen einer Messegesellschaft befrachtet ist, erfordert Schwerstarbeit. Gerard Goodrow, nun Chef dieses weiland deutschen Flaggschiffs, muß mit der verzögerten Wirkung des Wendemanövers rechnen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Armin Laschet im Wahlkampf : Umarmen reicht nicht

          Armin Laschet führt einen der schwierigsten Wahlkämpfe, die ein Unionspolitiker zu bestehen hat. Aus den eigenen Reihen kommt nicht nur Unterstützung.
          Franziska Giffey Ende August in Berlin

          Wahl zum Abgeordnetenhaus : Wer regiert die Hauptstadt?

          Kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liegt die SPD mit Franziska Giffey vorn. Aber wer mit wem regieren wird, ist längst nicht absehbar. Die Hauptstädter bewegen vor allem zwei große Themen.
          Der Roboter hilft: Blick ins Kölner Ford Motorenwerk

          Bundestagswahl : Es ist nicht egal

          Deutschland benötigt keine romantisierende Erörterung des Nutzens von Lastenfahrrädern. Das Land braucht eine Debatte darüber, wie sich die Innovationskraft seiner Wirtschaft steigern lässt.

          Satire im Fernsehen : Böhmermann meint es ganz ernst

          Satire darf alles, heißt es. Aber soll sie so politisch einseitig und oberlehrerhaft wie beim ZDF sein? Dort will Jan Böhmermann bestimmen, wer diskursfähig ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.