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Zwist im Online-Kunsthandel : Tanker und Schnellboot

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Artnet und Weng Fine Art könnten im Internetgeschäft Synergien bilden, stattdessen liegen sie im Clinch.

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          Mit der Corona-Pandemie wurde im internationalen Kunstmarkt eine Transformation ausgelöst, die diesen krisenerprobten Handel in solcher Rasanz noch nie zuvor erfasst hatte. Galerien, Auktionshäuser und Messen verlagerten ihr Geschäft ins Internet. Teilweise überstürzt, manchmal auch erfolgreich wurden digitale Showrooms, Versteigerungen und Kunstkaufportale aus dem Boden gestampft.

          Der deutsche Kunstmarkt mit seinen kleinteiligen Akteuren war nicht an vorderster Front bei dieser Revolution. Nur wenige Unternehmen – unter ihnen das Nachrichten-, Datenbanken-, und Online-Auktionsportal „Artnet“ aus Berlin und die „Weng Fine Art“, ein Kunstgroßhandel aus dem Rheinland, profitierten wirtschaftlich von der Schubkraft der Digitalisierung. Artnet steigerte seinen Umsatz an Provisionen um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Seitenaufrufe des Nachrichtenportals „Artnet News“ sind seit Beginn des Jahrs 2020 um 67 Prozent gestiegen. Die Weng Fine Art hat ihre Gesamteinnahmen um 62 Prozent auf 7,13 Millionen Euro erhöhen können.

          Übernahmespekulationen

          Eigentlich könnte die Zusammenarbeit der Unternehmen ein erster Schritt sein, die Fragmentierung im deutschen Kunstmarkt zu durchbrechen und Netzwerke zu schaffen, die im globalen Wettbewerb um die Käufer schlagkräftig sind. Doch wie es momentan aussieht, sind die beiden einzigen börsennotierten deutschen Kunsthandelsunternehmen, Artnet und Weng Fine Art, im Zwist. Der Grund dafür sind die Spekulationen über eine geplante feindliche Übernahme des traditionsreichen Datenbank-Unternehmens Artnet durch die kleinere, aber finanzstarke Weng Fine Art AG.

          Dabei prallen nicht nur zwei Geschäftsmodelle aufeinander, sondern mit dem Artnet-Gründer Hans Neuendorf und dem Weng-Fine-Art-Besitzer Rüdiger Weng zwei Führungspersönlichkeiten, die divergierende Visionen vom Geschäft mit Kunst durchsetzen wollen. Hans Neuendorf, Jahrgang 1937, ist seit Jahrzehnten mit eigenen Galerien und Unternehmen am Markt aktiv und gründete 1989 den Online-Branchenriesen mit einer Datenbank für Auktionen. Im Jahr 1999 ging das Unternehmen an die Börse und wuchs durch mehrere Kapitalausweitungen. Neuendorf ist in der Branche gut vernetzt und ein anerkannter Galerist. Rüdiger Weng dagegen ist ein Newcomer in der Kunstwelt und war als Banker tätig, bevor er 1994 die Weng Fine Art AG als Kunstgroßhandel gründete.

          Besonders zu Beginn seines Geschäfts seien die fehlenden Kontakte in die Szene ein Problem gewesen, sagt er dieser Zeitung. Die Weng Fine Art ist neu im Online-Geschäft und spezialisiert auf Editionen und den Großhandel mit Auflagen etwa von Pop-Art-Künstlern wie Roy Lichtenstein oder Andy Warhol. Weng will Gewinne maximieren, fordert straff kaufmännisches Wirtschaften und die Orientierung an der Steigerung des Shareholder-Value. Er hat deshalb Neuendorf öffentlichkeitswirksam für angeblich nicht ausgezahlte Dividenden und fehlende Gewinne kritisiert.

          Neuendorf setzt solchen Vorwürfen seine Prioritäten auf einer nachhaltigen Investitionsstrategie, sozialem Unternehmertum und einem guten Image in der auf Vertrauen basierenden Branche entgegen. Das Wohlbefinden seiner Kunden und Mitarbeiter sei für ihn wichtiger als die Ausrichtung an der Gewinnmaximierung, sagt Neuendorf im Gespräch. Artnet gilt mit seinen Büros in New York, Berlin und London als einer der angesehensten Arbeitgeber im Kunstsektor und ist das reichweitenstärkste Nachrichtenportal für Kunst weltweit. Dennoch macht gerade dieser Geschäftsbereich jährlich einen Verlust von mehr als einer Million Euro, was Weng missfällt. Neuendorf entgegnet jedoch, dass es das Nachrichtenportal sei, das die Marke Artnet auch für die anderen Geschäftsbereiche attraktiv mache. Er wirft Weng vor, das Unternehmen in den Medien schlechtzureden, obwohl er ein Geschäftsinteresse an der Plattform habe.

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