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Zum Tode Roy R. Neubergers : Kunst als Passion

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Er studierte Kunst in Paris, erwirtschaftete als Makler ein Vermögen und gab dann Millionen wieder für Kunst aus. An Weihnachten ist der Mitbegründer von Lehman Brothers Roy R. Neuberger im Alter von 107 Jahren gestorben.

          Am 24. Dezember ist der New Yorker Kunstsammler und Investmentbanker Roy R. Neuberger im Alter von 107 Jahren gestorben. Seine Karriere sei umgekehrt verlaufen wie die von Paul Gauguin, heißt es im Nachruf für ihn in der „ New York Times“: Gauguin war Börsenmakler und kam erst später zur Kunst; Neuberger studierte Kunst, bevor er Börsenmakler wurde.

          Als Sammler konzentrierte er sich auf das zeitgenössische Amerika und trug Hunderte von Werken der Malerei und Bildhauerei zusammen, zum Beispiel von Milton Avery, mit dem er auch eng befreundet war, Jackson Pollock, Willem de Kooning, Stuart Davis, Edward Hopper, Georgia O'Keeffe, Helen Frankenthaler und anderen mehr.

          Die meisten seiner Ankäufe hat Neuberger auf Dutzende von Institutionen in den Vereinigten Staaten verteilt. Das Neuberger Museum of Art, das 1974 am Purchase College der Universität des Staats New York in einem Gebäude von Philip Johnson eingeweiht wurde, ist mit einer Schenkung aus seiner Sammlung gegründet - darunter Edward Hoppers „Barber Shop“ von 1931 und Werke von Romare Bearden, Lyonel Feininger, Mark Tobey, Hans Hofmann, Alexander Calder, Lee Krasner, Mark Rothko und Eva Hesse. Er hat die Institution außerdem mit Spenden in Höhe siebenstelliger Dollarsummen unterstützt. Auch das Metropolitan Museum und das Museum of Modern Art in New York sind in den Genuss seiner Zuwendungen gekommen.

          Geboren am 21. Juli 1903 in Connecticut als Sohn des deutschen Einwanderers Louis Neuberger und Bertha Rothschild aus Chicago, war Roy Neuberger noch ein Kind, als seine Eltern starben. Als junger Mann lebte er für fünf Jahre in Paris, malte, frönte seiner Liebe zum Tennis, begeisterte sich für Van Gogh und unternahm Reisen durch Europa.

          Eine Kunstsammlung als Teil der Unternehmenskultur

          Kurz vor dem Börsenkrach 1929 kehrte er nach New York zurück und nahm einen Job an der Wall Street an. Sein eigenes Vermögen legte er so vorsichtig an, dass er nur fünfzehn Prozent davon einbüßte, während viele um ihn herum alles verloren. Im Jahr 1939 machte er sich einen Namen als einer der beiden Gründer der Investmentbank Neuberger Berman. Die Geschäfte verliefen so erfolgreich, dass Neuberger Jahr um Jahr mehr Geld in Kunst investieren konnte. Dabei betrachtete er Kunst allerdings nicht als Geldanlage: Zeit seines Lebens soll er nie ein Werk verkauft haben.

          Das Sammeln zeitgenössischer Kunst war auch Teil der Firmenkultur von Neuberger Berman. Als im vergangenen September bei Sotheby's in New York Werke aus der Sammlung der insolventen Investmentbank Lehman Brothers versteigert wurden, kam auch Kunst - wie das Spitzenlos von Julie Mehretu - von Neuberger & Berman unter den Hammer; denn Lehman Brothers hatte die Firma im Jahr 2003 für 2,3 Milliarden Dollar akquiriert.

          Seit dem Bankrott von Lehman Brothers ist Neuberger Berman wieder eine eigenständige Firma. Roy Neuberger war von 1932 bis zu ihrem Tod im Jahr 1997 mit Marie Salant verheiratet und hinterlässt drei Kinder, acht Enkel und dreißig Urenkel. Zweimal schrieb er seine Memoiren: 1997 erschien „So Far, So Good - the First 94 Years“ und 2003 „The Passionate Collector: Eighty Years in the World of Art“.

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