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Graf Douglas gestorben : Wo immer die Welt am schönsten war

Der Kunstvermittler Christoph Graf Douglas ist am vergangenen Freitag im Alter von achtundsechzig Jahren gestorben. Bild: Helmut Fricke

Er war ein großer Berater, Vermittler und Händler, sein Erfolg beruhte auf Wissen, Kontaktfreudigkeit und Intuition: Zum Tod des Kunstliebhabers Christoph Graf Douglas.

          Christoph Graf Douglas war ein pragmatischer Träumer. Er dachte in großen Dimensionen und wahrte dabei stets den Blick für das kleinste Detail, sowohl persönlich als auch beruflich, ob er, wie bei den Thurn und Taxis, den Welfen und dem Hause Baden große Auktionen inszenierte oder in geduldigen Verhandlungen mit staatlichen Institutionen, wie beim Verkauf der Humboldt-Tagebücher und den Erinnerungen Casanovas.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Bei Douglas vermengte sich das historische Bewusstsein, das mit den väterlichen Ahnen aus dem alten schottischen Adelsgeschlecht einher ging, von dem Theodor Fontane in seiner romantischen Ballade „Archibald Douglas“ erzählt, mit der bürgerlichen Bodenständigkeit seiner Schweizer Abstammung mütterlicherseits. Diese beiden Stränge bestimmten seine Weltanschauung ebenso wie die tiefe Verbundenheit zu seiner badischen Heimat, die er zu brauchen bekundete, wie der Fisch das Wasser brauche.

          Lust an der menschlichen Komödie

          Sein Urururgroßvater aus dem im Dreißigjährigen Krieg nach Schweden verschlagenen Zweig der Familie Douglas hatte die Tochter des Großherzogs Ludwig von Baden aus dessen morganatischer Ehe mit einer schwarzwäldischen Försterstochter geheiratet. Sie brachte unter anderem das Schloss Langenstein in die Ehe mit, das der 1948 in Konstanz geborene Christoph Douglas mit schönsten Kindheitserinnerungen verband, wie denn überhaupt die liberale Kindheit für ihn ein Paradies war, allerdings kein verlorenes, sondern eines, das für ihn gegenwärtig blieb.

          Bei allem Hingabe zur Vergangenheit, wie sie sich in seiner Wohnkultur und in seinen literarischen und künstlerischen Vorlieben äußerte, war er dem Zeitgenössischen gegenüber stets mit Energie, kritischer Begeisterungsfähigkeit und Lust an der Beobachtung der menschlichen Komödie aufgeschlossen. Aufgrund der Familiengeschichte dachte er auch mit Blick auf die Zukunft in Jahrhunderten, besonders wenn es um seinen badischen Forst ging, wo er von Kindesbeinen an jeden Baum kannte.

          Obwohl Douglas als Berater und Mittler sein Geschäft mit der Kunst machte, war er selbst kein Sammler im klassischen Sinne. Vielmehr spiegelte die harmonische Anordnung eklektischer Elemente, die er in symbiotischer Verflechtung mit seiner Frau, der Innenarchitektin Bergit Douglas aus der Oetker-Dynastie, sowohl im Haus als auch in der Natur schuf, eine Selbstverständlichkeit – verbunden mit einem von tiefen Werten und Empfindungen getragenen Schönheitsbegriff. Douglas haftete etwas vom Dilettanten im besten Sinnes des Wortes an.

          Familienglück

          Er war wie geschaffen für den Kreis von Sammlern, Gelehrten und Bildungsreisenden, die sich im achtzehnten Jahrhundert in London zusammentaten, um im Geist der Aufklärung Geselligkeit mit Kultur zu verbinden. Dieser lebensfreudige Mensch blieb im Wesen ein Privatier, weshalb er sich, der zunehmend amerikanischen Firmenkultur überdrüssig, 1995 von seiner Stelle als Deutschland-Chef und Vorstandsmitglied von Sotheby’s verabschiedete, um wieder selbständig zu agieren, wie in der langen Studienzeit, die er sich mit seiner Silberexpertise als Händler finanziert hatte.

          Sein Erfolg beruhte auf einer Kombination von Wissen, Kontaktfreudigkeit und Intuition, die er mit Humor und diplomatischem Geschick einsetze. Es ist bezeichnend, dass dieser rastlos großzügige Geist ausgerechnet Adalbert Stifters die Verlangsamung der Zeit zelebrierenden „Nachsommer“ zu seinen Lieblingsromanen zählte. Darin fand er die für ihn bestimmenden Lebenselemente wieder: Liebe, Kunst, Natur, Lernen, Bewahren, natürlicher Ordnungssinn, vor allem aber das von Stifters Freiherrn von Risach ersehnte, von Douglas verwirklichte Familienglück. Ein Nachsommer blieb ihm nicht vergönnt. Christoph Douglas ist am gestrigen Freitag im Alter von achtundsechzig Jahren in seinem Hochsommer aus dem Leben gerissen worden.

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