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Zum Geburtstag : Münchner Weltmann

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Ihm war der Platz in der Kunsthändlerdynastie schon vorbestimmt: Konrad O. Bernheimer führte die Familienfirma in vierter Generation. Heute wird er siebzig Jahre alt.

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          Sein Platz in der Kunsthändlerdynastie war Konrad O. Bernheimer vorbestimmt. Schon den Knirps führte der Großvater diesem Ziel entgegen, kaum dass die Familie nach München zurückgekehrt war aus Venezuela, wohin Verfolgung und Enteignung durch die Nationalsozialisten sie gezwungen hatte. Regelmäßig nahm Otto Bernheimer den Kleinen mit ins Museum und ins große Geschäftshaus; das Kind erlebte, wie der Großpapa dieses „Palais Bernheimer“ zurückerkämpft hatte, ebenso die Reste seiner Sammlungen und Warenbestände, und wie er mutig wieder anschob, was wegen seiner jüdischen Herkunft zerstört worden war.

          Der Enkel studierte Betriebswirtschaft und sammelte bei Christie’s in London Berufserfahrung, bevor er 1977 die Familienfirma in vierter Generation übernahm – und alles anders machte. Er gab das Konzept des Allround-Inneneinrichters auf, nach dem die Firma lange Villen in- und ausländischer Prominenz vom Teppich bis zur Renaissancetruhe ausgestattet hatte. Er verkaufte das Palais, zahlte Verwandte aus und sattelte um auf Alte Meister. Im internationalen Handel besetzte Bernheimer Fine Old Masters bald einen führenden Platz, allemal nachdem der Chef 2002 die Londoner Kunsthandlung Colnaghi erwarb. Aber die Schaltzentrale blieb München, wo Bernheimer in den burgunderrot ausgeschlagenen Räumen an der Brienner Straße auch die Keimzelle der Munich-Highlights plazierte, seine Lieblingsmesse neben der Tefaf in Maastricht, auf der er führende Posten bekleidete.

          2015 zog Bernheimer sich mit einem harten Schnitt aus dem Tagesgeschäft zurück: Geschäftsinventar und Familiensammlungen ließ er versteigern, auch seine Burg Marquartstein kam auf den Markt, und Colnaghi verkaufte er den spanischen Händlern Coll & Cortes. Der Münchner Kunsthandel, dem er mit Ideen und Energie, gepaart mit lateinamerikanischem Temperament von mütterlicher Seite, einer grundpositiven Einstellung und weltmännischer Lebensart ein Anführer war, vermisst diesen Kollegen. Der Kunst bleibt Konrad O. Bernheimer dennoch verbunden. Beim Verfassen der Familiengeschichte entdeckte er seine Lust am Schreiben, vor kurzem erschien seine „Gebrauchsanweisung fürs Museum“, ein Kunstkrimi ist angekündigt. Aber seinen siebzigsten Geburtstag wird der Vater von vier Töchtern garantiert nicht am Schreibtisch verbringen.

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