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Zeitgenossen und Moderne : Zwei Nonnen, Pfirsiche und ein Schnurtelefon

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Bei Lempertz in Köln kommen am 3. und 4. Juni moderne und zeitgenössische Kunst und Fotografie unter den Hammer. Ein Blick in die Kataloge

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          Am dunkelgrünen Himmel stapeln sich graue Wolken, ein Unwetter zieht über dem Dorf auf, die einsame Gestalt auf der von Höfen und Koppeln gesäumten Straße sollte sich schnell auf den Heimweg machen. Maurice de Vlaminck malte die düstere Szene „Rue de village“ 1926/27 auf 64 mal achtzig Zentimetern. Jetzt bietet Lempertz sie in seiner Auktion Moderne Kunst am 3. Juni in Köln an; das auf 60 000 bis 80 000 Euro taxierte Gemälde stammt laut Katalog direkt aus dem Nachlass der Sammlung Arno Breker. Mehr als 200 Lose mit einer Gesamterwartung von 4,8 Millionen Euro gehen an den Start. Teuerstes unter ihnen ist Van Goghs „Femme semant“ von 1881, die schwarze Kreidezeichnung auf sepiafarbenem Karton gehört in die Reihe von Van Goghs Feldarbeitern. Das Blatt ist seit 1926 in Privatbesitz und nun auf 800 000 bis 900 000 Euro geschätzt. Ähnlich verschlossen blicken die beiden Nonnen auf Foujitas Gemälde „Les deux religieuses“ von 1920 drein: Im Garten des Klosters, eingepfercht vom Kreuzgang, knien sie, umgeben von winzigen Baumsetzlingen, auf dem spärlichen Rasen; die Mischtechnik auf Papier stammt aus baden-württembergischem Privatbesitz (Taxe 25 000/30 000 Euro). Marktfrisch kommt Erich Heckels Aquarell einer „Badenden“ von 1919 daher. Laut Katalog wurde das 56 mal 38 Zentimeter große Blatt vom Vorbesitzer direkt beim Künstler erworben und befand sich seitdem in einer süddeutschen Privatsammlung (20 000/25 000). Auf 60 000 bis 80 000 Euro wird die lebensgroße Steinfassung der Skulptur „Zorn (Flamme)“ von Georg Kolbe aus dem Jahr 1922/23 geschätzt, die expressionistische Züge ausweist. Bis Januar dieses Jahres stand sie - bislang war nur ihre farbige Holzversion bekannt - im Rosengarten des Sammlerehepaars Willy und Fänn Schniewind im rheinischen Neviges, wo sie auch nach dem Besitzerwechsel des Anwesens in den siebziger Jahren blieb.

          Ebenfalls am 3. Juni wird auch Fotografie bei Lempertz versteigert. Spitzenlos ist die wunderschön sachliche und strukturiert wirkende Makrofotografie einer „Salvia argentea“, eines Silber-Salbeis, von Karl Blossfeldt. Der 29 mal 23 Zentimeter große Vintageabzug entstand 1920/25 und zeigt jedes noch so winzige Härchen auf Stengel und Blüte in vierfacher Vergrößerung (18 000/ 25 000). Für Robert Capas berühmte Aufnahme des „Falling Soldier“ von 1936 werden mindestens 3000 Euro erwartet; der Gelantinesilberabzug im DIN-A4-Format stammt aus den frühen fünfziger Jahren. In der 189 Lose starken Offerte befinden sich 84 Fotografien aus der Sammlung Céline und Heiner Bastian, dem ehemaligen Privatsekretär von Joseph Beuys. Diese Lose bilden unter dem Titel „Das Neue Bauen im Spiegel der Photographie“ eine eigene Sektion mit eigenem Katalog. Es sind ausschließlich schwarzweiße Architekturbilder der zwanziger und dreißiger Jahre aus Deutschland, darunter Arbeiten von Lucia Moholy, von Hugo Schmölz und Albert Renger-Patzsch (Taxen 500 bis 2500 Euro).

          Am folgenden 4. Juni kommen bei den Zeitgenossen knapp 300 Lose zum Aufruf, erwartet werden dafür insgesamt fünf Millionen Euro. Die saftigen Pfirsiche von Karin Kneffel aus dem Jahr 1995 sind dort auf vier Quadratmetern Leinwand nicht nur eines der größten, sondern auch eines der höchstdotierten Werke (150 000/200 000). Die Zero-Künstler stehen weiter hoch im Kurs: Otto Pienes titelloses Holz-Rasterbild samt Feuerspuren von 1958/72 ist auf 200 000 Euro geschätzt; für „Pyramide + Horizont“ von Heinz Mack, eine Dreieckskomposition aus Aluminium auf Hartfaser von 1972, werden 150 000 bis 200 000 Euro erwartet. Endlich huldigt Konrad Klapheck in seiner typischen Manier - sachlich, mit einem Hang zum Bedrohlichen - dem Schnurtelefon: Das Ölgemälde „Gefährliche Liebschaften“ von 1968 misst 125 mal 110 Zentimeter und soll 120 000 bis 150 000 Euro einspielen.

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