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Zeitgenossen in New York : Gegenwart im Milliardenrausch

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New York schien es darauf abgesehen zu haben, Richters Londoner Sensationsrekord von vor einem Monat für „Abstraktes Bild (809-4)“ mit umgerechnet 34,9 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) einer scharfen Korrektur zu unterziehen und Anbieter, die sich nun einen schnellen Gewinn erhofften, zu vergrämen. Polke, auch er erfolgreich bei Sotheby’s, handelte sich mit seinem Acrylbild „Mexiko“ (1,3/2 Millionen) bei Christies’s ebenfalls einen Rückgang ein.

Aber das waren Niederlagen, die das Rekordfieber nicht zu drosseln vermochten. Franz Kline übertraf seinen Rekord vom Abend zuvor gleich zweimal: „Untitled“, ein grandios dynamisiertes Großformat von 1957, wechselte für 36Millionen Dollar (20/30 Millionen) den Besitzer, „De Medici“ für 9,8Millionen (5/7 Millionen). Zu den weiteren Rekordlern der Marathonauktion gehörten Basquiat mit einem „Untitled“ von 1981 für 23,5 Millionen, Richard Diebenkorn mit „Ocean Park#48“ für zwölf Millionen, Richard Serra mit „Schulhof’s Curve“ für 2,5Millionen, George Condo mit „The Manhattan Strip Club“ für 1,1 Millionen und Mark Grotjahn mit einem „Untitled“ von 2008 für 3,65Millionen Dollar.

Gegen eine solche Serie war schwer anzukommen, aber auch am dritten Abend noch hatte Phillips de Pury, wo es dank Simon de Purys franko-amerikanischer Hammertechnik unterhaltsamer als bei der Konkurrenz zugeht, ein paar Highlights zu bieten. Wieder sorgte Warhol für die besten Ergebnisse, mit einem „Mao“ à zwölf Millionen Dollar (12/18 Millionen) und „Nine Jackies“ in Blau, die für elf Millionen (10/15 Millionen) weggingen.

Basquiat kam dreimal zum Zuge, am einträglichsten mit „Humidity“, einer graffitiesk bearbeiteten Leinwand, die jedoch um drei Millionen Dollar den unteren Schätzpreis von zwölf Millionen verfehlte. Richters Abstraktion „Kegel“ schaffte es, versehen mit einer Garantie, auf elf Millionen (12/18 Millionen). Anselm Kiefers düsteres „Selbstporträt“ von 1995 wurde lediglich mit 450000 Dollar (600.000/ 800.000) bedacht, Rosemarie Trockels „Untitled“-Strickleinwand von 1987 mit respekta-blen 170.000 (150.000/250.000).

Nur allzu verständlich die Hochstimmung bei Sotheby’s, Christie’s und Phillips de Pury: Über den Milliardenrausch des globalen Kunstmarkts, wie er sich in New York derart unverhohlen manifestierte, gerieten aber nun auch selbst erfahrene Marktteilnehmer ins Grübeln, ob per Twitter oder auf den Gängen der Auktionshäuser.

Da ging es erwartungsgemäß um die Summen, die Kunst nur noch als Investitionsobjekt, als Spielzeug von Moguln und Magnaten begreifbar machen. Da ging es bisweilen aber auch um die Diskrepanz zwischen der prekären Weltwirtschaft und einer künstlerisch verbrämten Nischenökonomie, die sich ihre eigene, separate Luxusrealität geschaffen hat. Der Rest war Jubel.

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