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Zeitgenossen in New York : Gegenwart im Milliardenrausch

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Wäre so auch zu erklären, wie ein Anleger, womöglich ein unerfahrener Sammler, sich dazu inspirieren lässt, für Mark Rothkos „No.1 (Royal Red and Blue)“ 67 Millionen Dollar - mit Aufgeld schwindelerregende 75,1225 Millionen - hinzublättern. Immerhin blieb dieser Rothko, als Spitzenlos unangefochten und sicherlich ein Klassiker des Abstrakten Expressionismus, unter dem bisherigen Rekord von fast 87 Millionen Dollar, bezahlt im Mai für sein „Orange, Red, Yellow“. So gesehen, hat sich der anonyme Bieter ein Schnäppchen ersteigert.

Dass auch die alten Auktionshasen kräftig mitsteigerten, führte der Unternehmer, Verleger und Warhol-Gefährte Peter Brant vor, der seine Warhol-Sammlung um „Green Disaster (Green DisasterTwice)“ aufstockte und für die grausige Unfallszene 13,5 Millionen Dollar (Taxe um 12 Millionen) lockermachte. Den Ton aber gaben die Heroen der amerikanischen Nachkriegskunst an, unter denen nur Clyfford Stills „1948-H“, auf fünfzehn bis zwanzig Millionen geschätzt, mit einem Hammerpreis von 8,75 Millionen Dollar enttäuschte. Mithalten konnte Francis

Bacon, der mit seinem „Unitled (Pope)“, einem seiner ikonischen Päpste, auf 26,5 Millionen (18/25 Millionen) kam, und auch Gerhard Richter ist auf den vorderen Plätzen zu finden, erzielte jedoch mit den 15,5 Millionen für ein „Abstraktes Bild“ nicht ganz den Schätzpreis, der als „oberhalb von sechzehn Millionen Dollar“ angegeben war. Für 3,9 Millionen (3/4 Millionen) fanden Richters „Split“ und die beiden Rückenporträts seiner damaligen Frau Isa Genzken für jeweils drei Millionen (3/4Millionen) ihre Käufer. „Ohne Titel (Silberbild)“, eine großformatige Abstraktion in Goldtönen von Sigmar Polke, stieg mit 3,6 Millionen Dollar weit über die erwarteten 800.000 bis 1,2 Millionen.

Der Herausforderung, die Sotheby’s mit seiner Rekordauktion bot, zeigte sich Christie’s mehr als gewachsen: Am Ende des Abends war die Traumsumme von 412,2531 Millionen Dollar erreicht - soviel, wie noch nie für Gegenwartskunst in einer einzigen Auktion zusammenkam. Der Markt, versicherte auch Christie’s, begrenze sich nicht auf einige Länder und Regionen, er sei nun endgültig global.

So fiel der Hammer für einen heißbegehrten Hit wie Warhols multiple, ein bisschen dreidimensional schimmernde „Statue of Liberty“ erst bei 39 Millionen Dollar, und „Marlon“, seine Glorifizierung des lederbejackten Marlon Brando, war dem Kunsthändlerclan um David Nahmad nicht nur 21,5 Millionen Dollar wert, denn Nahmad hätte, wie er nachher sagte, auch vierzig Millionen bezahlt. Jeff Koons - und die Norddeutsche Landesbank, die seine „Tulips“ eingeliefert hatte - durften sich über dreißig Millionen Dollar für die bunte Monumentalplastik freuen: und damit über einen neuen Auktionsrekord für Koons, der damit Gerhard Richter fast vom Thron des teuersten lebenden Künstlers gestoßen hätte.

Richter, bei Sotheby’s noch bis auf 15,5 Millionen gestiegen, stürzte bei Christie’s zweimal unter großem Geraune im Saal ab: Für „Prag 1883“ war bei 8,8Millionen Dollar Schluss, für „Große Teyde-Landschaft“ bei neun Millionen, beides nicht genug für den Zuschlag. Sein „Abstraktes Bild (779-2)“ brachte dann wieder 13,6 Millionen (12/18 Millionen), seine „Cythera Skizze“ 2,45 Millionen (2/3 Millionen).

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