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Zeitgenössische Kunst : Stars bleiben Stars

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Nach dem historischen Ergebnis von Impressionismus und Moderne haben die New Yorker Veranstaltungen mit zeitgenössischer Kunst die Herbstauktionen offiziell zu einem Milliardengeschäft gemacht. Sotheby's, Christie's und Phillips, de Pury & Company erzielten gute Resultate.

          Nach dem historischen Ergebnis von Impressionismus und Moderne haben die New Yorker Veranstaltungen mit zeitgenössischer Kunst die Herbstauktionen offiziell zu einem Milliardengeschäft gemacht. Erst vergangenes Jahr überschritt Christie's in der Abteilung „Postwar and Contemporary“ zum ersten Mal die Hundert-Millionen-Dollar-Marke - jetzt wird der Umsatz innerhalb von zwei Stunden für 81 Lose mit fast 240 Millionen Dollar beziffert. Sotheby's hinkt in dieser Saison mit rund 125 Millionen Dollar für 83 Lose hinterher, obwohl die Auktion hausintern als zweitbeste der Kategorie gilt. Die kleinere Firma Phillips, de Pury & Company kam mit fast dreißig Millionen Dollar für 68 Lose ebenfalls auf ein erfreuliches Resultat.

          Die grüne Krawatte des Auktionators Tobias Meyer traf bei Sotheby's genau den Ton der grünen Schleife, die neben dem Auktionspult Jeff Koons' Schweinchen aus der „Banality“-Serie um den Hals trug. Es erzielte später 3,6 Millionen Dollar (Taxe 3,2/3,8 Millionen), doppelt soviel wie vor fünf Jahren am selben Ort. Schon die ersten acht Lose aus der Sammlung des belgischen Möbelhändlers Roger Vanthournout bescherten sechs Rekorde, darunter für Niki de Saint Phalles fast drei Meter hohe Skulptur „Ana Lena en Grece“, die sich die New Yorker Kunsthändlerin Dominique Levy für eine Million Dollar (500.000/700.000) sicherte, und Piero Manzonis weißes „Achrome“, das seine Schätzung mit 2,3 Millionen Dollar gut verdoppelte.

          Kampf um abstrakte Alabasterskulptur

          Aus derselben Sammlung kam Gerhard Richters Abstraktion „Maria (544-4)“, das der Kunsthändler Tony Meier aus Los Angeles für 2,2 Millionen Dollar (2,5/3,5 Millionen) ergatterte. Ein spannendes Gefecht entbrannte um eine abstrakte Alabasterskulptur von Anish Kapoor: Vier Bieter im Saal konkurrierten um sie und trieben den Preis von ausgerufenen 180.000 bis auf zwei Millionen Dollar, ein neuer Rekord für den indischen Künstler. Zum Spitzenlos der Vanthournout Collection und des gesamten Abends wurde Francis Bacons gequälter Akt „Version No. 2 of Lying Figure With Hypodermic Syringe“ von 1968, der erst bei 13,4 Millionen Dollar, ebenfalls ein Rekord, an ein Telefon zugeschlagen wurde.

          Derselbe anonyme Bieter ersteigerte gegen den Händler Larry Gagosian und vier weitere Konkurrenten auch das zweitteuerste Bild des Abends, Willem de Koonings „Untitled XXX“ von 1977 für 9,5 Millionen Dollar (7,5/9,5 Millionen). Der schmerzhafteste Rückgang des Abends war Roy Lichtensteins „Head - Yellow and Black“, von dem Insider wissen wollen, daß es der New Yorker Händler James Goodman gegen eine Garantiesumme von rund acht Millionen Dollar bei Sotheby's einlieferte; ohne die notwendige Marktfrische motivierte die knallgelbe Leinwand kein Gebot über 7,6 Millionen (8/10 Millionen).

          Rekordhagel für jüngere Semester

          Andy Warhol brachte gemischte Ergebnisse: Auf seine „Flowers“ durfte auch der höchstens zehnjährige Sohn des Bauunternehmers Aby Rosen im Saal bieten, ehe sie telefonisch für 6,1 Millionen Dollar (4/6 Millionen) zugeschlagen wurden. Warhols attraktiver „Cagney“ war dem kalifornischen Filmproduzenten Stavros Merjos mit 2,2 Millionen Dollar die doppelte Taxe wert. Der Titel des Katalogs, Warhols Selbstporträt auf rotem Grund von 1964, wurde von Jean-Christophe Castelli, dem Sohn des legendären Pop-Art-Galeristen, eingeliefert: Der in der ersten Reihe sitzende Medienmogul Peter Brant zeigte laues Interesse, wollte sich aber nicht gegen den New Yorker Händler Alberto Mugrabi durchsetzen, der es für 3,3 Millionen Dollar (3,5/4,5 Millionen) bekam.

          Als gegen Ende die jüngeren Semester aufgerufen wurden, hagelte es wieder Rekorde: wie für Jenny Savilles erschreckendes Riesenporträt „Still“ bei 900.000 (untere Taxe) und Glenn Browns abstraktem Kopf „Bertrand Russell at the BBC“ bei 600.000 Dollar (300.000/400.000). Während Daniel Richters „Spiel Azad“ für die obere Taxe von 300.000 Dollar an den New Yorker Händler David Nisinson ging, motivierte Martin Eders trauriges Playmate „Bonjour Tristesse“ sogar sechs Bieter und konnte mit einem telefonischen Gebot von 450.000 Dollar seine obere Taxe verdreifachen. Jonathan Meeses Triptychon „Alex de Large in seinem geliebten Mädchenzimmer“ verdreifachte seine untere Taxe und erzielte mit 210.000 Dollar einen Meese-Rekord.

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