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Zeitgenössische Kunst : Bunte Pillen für Millionen

  • -Aktualisiert am

Der Londoner Markt bleibt in Rekordlaune: Lucian Freud, gerade bei Christie's zum teuersten lebenden Gegenwartskünstler gekürt, verlor seinen Titel wenig später an Damien Hirst, dessen „Lullaby Spring“ bei Sotheby's 8,6 Millionen Pfund erzielte.

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          Bei den Abendauktionen für Nachkriegskunst und Gegenwartskunst lieferten sich Christie's und Sotheby's in London - wie bei den Moderne-Auktionen zuvor - ein enges Rennen um die spektakulärsten Rekorde und höchsten Umsätze. Auch Phillips de Pury profitierte von der Marktstärke zeitgenössischer Kunst, besonders jener aus China. Und nicht nur die anonymen Sammler an den Telefonen der Spezialisten spielten in London ihre Karten aus, sondern auch einflussreiche amerikanische und europäische Galeristen und Berater kamen zum Zug.

          Die Abendauktion bei Christie's gab einen Vorgeschmack auf das anstehende Marathon mit insgesamt 1031 Losen, verteilt auf die evening sales und day sales der drei Häuser: Mehr als zwei Stunden lang schwang Jussi Pylkkänen bei Christie's den Hammer, und neunzig der angebotenen 101 Lose fanden einen neuen Besitzer. Das Ergebnis? Wieder ein europäischer Auktionsrekord für zeitgenössische Kunst, mit einem Umsatz von 75,8 Millionen Pfund. Nach der Benefiz-Versteigerung der Cap Collection - hier wurde ein neuer Rekord für Thomas Schütte aufgestellt mit einer Million Pfund (Taxe 200.000/400.000) für die beiden überlebensgroßen Aluminium-Plastiken „Große Geister Nr. 9 und No. 14“ - kamen acht Spitzenwerke aus der Kölner Sammlung Delil zum Aufruf. Der Erfolg dieser monochromen Arbeiten - des Blaus von Yves Klein und des Weiß von Fontana und Manzoni - war auch auf die konservativen Schätzungen zurückzuführen.

          Mit einer gefältelten Leinwand, einem „Achrome“ von 1958/59, fiel ein neuer Auktionsrekord für Piero Manzoni: Ein in England lebender Sammler zahlte dafür 1,9 Millionen Pfund (500 .000/700.000) am Telefon des Spezialisten Brett Gorvy und stach so den New Yorker Galeristen Nick McLean aus. Zusammen mit weiteren 59 Werken der Delil-Sammlung, die am folgenden Tag verkauft wurden, konnten umgerechnet siebzehn Millionen Euro einem Kinderhospiz in Olpe gestiftet werden.

          Neuer Rekord für Lucian Freud

          Christie's stellte allein in der Abendauktion vierzehn neue Rekorde auf. Neben Rosemarie Trockel und R. B. Kitaj erzielte auch Paula Rego mit „Moth“ aus der Merian-Sammlung bei 320.000 Pfund (250.000/350.000) ihren bisher höchsten Zuschlag. Aus dieser Sammlung stammte auch das Spitzenlos bei Christie's, das Lucian Freud für einen Tag zum in einer Auktion höchstbezahlten lebenden europäischen Maler machte (Kunstmarkt vom 23. Juni): „Bruce Bernard“ fand mit sieben Millionen Pfund (4,5/5,5 Millionen) die erhoffte Beachtung und überholte den bestehenden Freud-Rekord von 4,15 Millionen Pfund (mit Aufschlag) für „Red Haired Man on a Chair“ von 1962/63. Der ungenannte Käufer hatte zuvor auch Peter Doigs „Figures in Trees“ für 950.000 Pfund, innerhalb der Taxe, erworben.

          Die meisten der 21 Werke aus der Merian-Kollektion erzielten Hammerpreise im Bereich der Schätzungen, einige blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück: Für Bacons „Two Men Working in a Field“ bot ein Herr im Saal 4,5 Millionen, bei geschätzten fünf bis sieben Millionen - Rang drei des Abends. Überraschend war der Rückgang von Frank Auerbachs großem „Tree in Mornington Crescent“ (1/1,5 Millionen); dennoch kein Ende der Auerbach-Renaissance: Kleinere Formate von Auerbach, wie das farbige „Primrose Hill Study - Autumn Evening“, für das die Züricher Galeristin Doris Ammann 750.000 Pfund bewilligte, und „Head of J.Y.M“, das für 720.000 Pfund nach Asien ging, überstiegen die obere Taxe um etwa 200.000 Pfund.

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