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Kunstmessen in Paris : Endlich wieder ein Fest für die Zeichnung

  • -Aktualisiert am

Bei Arnoldie-Livie (München): Pablo Picassos „Femme nue et deux personnages“, 1967, Tinte und braune Waschung, 37 mal 52.4 Zentimeter, um 450.000 Euro. Bild: ARNOLDI-LIVIE

Menschen, Tiere, Inventionen: An der Seine zeigen sich die Messen Salon du Dessin und Drawing Now in alter Stärke. Ein Blick auf die Highlights.

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          Die beiden wichtigsten Messen für Zeichnungen sind wieder in alter Stärke da: Nachdem der Salon du Dessin und Drawing Now in Paris wegen der Pandemie erst aussetzen mussten, dann in deutlich reduzierter Form stattfanden, feiert der ehrwürdige Salon du Dessin mit Zeichnungen der Alten Meister bis zur späten Moderne nun seinen dreißigsten Geburtstag. Die jüngere Messe für zeitgenössische Blätter Drawing Now zeigt unterdessen, dass sie sich in mittlerweile fünfzehn Ausgaben stetig qualitativ verbessern und als Avantgarde-Pendant zum Salon positionieren konnte.

          Zum jährlich stattfindenden Salon du Dessin im Palais Brongniart bringen 39 Händler die besten Werke ihrer jeweiligen Spezialbereiche mit. Gut die Hälfte der Galerien sind französische, die übrigen Händler kommen aus den umliegenden Ländern, den Vereinigten Staaten und Japan. Fünf Aussteller sind zum ersten Mal dabei, darunter Ambroise Duchemin (Paris). Am Stand sticht ein subtil mit Aquarell gezeichneter Puma des auf Tiermalerei spezialisierten französischen Künstlers Nicolas Huet der Jüngere ins Auge. Man meint bei seinem Anblick das samtige Fell zu spüren. Das 1811 entstandene Blatt war einst Teil der Sammlung des sächsischen Königs Friedrich August II. Auch Martin Moeller (Hamburg) widmet eine Wand seines Stands der Tiermalerei, eine weitere der deutschen Moderne. Zwischen Ludwig von Hofmann, Max Beckmann und dem weniger bekannten Gottfried Brockmann prangt ein Meisterblatt von Emil Nolde. Das ausdrucksvolle Aquarell-Porträt einer „jungen Frau mit dunklem Haar“ kostet um 230.000 Euro.

          Meer im Kopf: Ruth Marten, „Mariner“, 2019, Gouache auf Archivdruck, 83,4 mal 55,8 Zentimeter, 7300 Euro bei der Galerie Van der Grinten aus Köln. Bilderstrecke
          Die Kunst der Zeichnung : Salon du Dessin und Drawing Now in Paris

          Arnoldi-Livie (München) zeigt Alte Meister bis zur Moderne. Hier fällt – neben Pablo Picassos Tuschzeichnung „Nu avec deux personnages“ (um 450.000 Euro) – eine Kreidezeichnung von Joachim von Sandrart zur „Verleugnung Pe­tri“ auf (18.000 Euro). Nur selten sieht man Blätter dieses Frankfurter Malers aus dem 17. Jahrhundert. Bei Onno van Seggelen (Rotterdam) lässt eine grazile, rot-weiß geflammte Tulpe an die niederländische Tulpenmanie denken. Pieter Holsteyn der Jüngere malte sie um 1645 für einen Blumenkatalog (22.000 Euro). Maurizo Nobile (Bologna/Paris) bietet als Paar zwei Landschaften im klassischen Stil des wenig bekannten französischen Malers Jean-Pierre Péquignot an, die eine arkadisch mit dem Dichter Homer, die andere nordisch mit der Dichterfigur Ossian (90.000 Euro). Rosenberg & Co (New York) widmet fast den gesamten Stand fünf entdeckenswerten Künstlerinnen der Moderne: darunter die dem Kubismus nahestehende französische Malerin Marguerite Louppe (ein Gouacheblatt um 18.000 Euro) und die englische Surrealistin Eileen Agar (25.000 Euro für eine große Figur-Landschaft).

          Auf der zeitgenössischen Messe Drawing Now stellen in diesem Jahr 72 Galerien aus, zwei Drittel sind französisch. Bei Catherine Issert (Paris) überraschen die frischen, wie von Cézanne inspirierten Aquarell-Landschaften oder -Stillleben von Gérard Traquandi, der bislang eher für seine abstrakten Explorationen der Textur von Farbe bekannt war (1900 bis 7000 Euro). Suzanne Tarasiève (Paris) stellt zum ersten Mal die britische Künstlerin Nina Mae Fowler aus, die in hyperrealistischen Bleistift- oder Kohlezeichnungen Hollywoodstars in ihrem Glanz, aber auch Elend zeichnet (2500 bis 22.000 Euro). Die Galerie Eric Mouchet (Paris) zeigt die französisch-schweizerische Künstlerin Christine Creuzat. Sie lässt durch scherenschnittartige Überlagerungen von Transparentpapier auf schwarzen oder roten Farbfeldern abstrakte und dennoch haptische Silhouetten entstehen, die – als Hommage an Matisse oder Gozzoli – wie Porträt-Landschaften wirken (1500 bis 3200 Euro). Werner Klein (Köln) stellt in einem Solo die deutsche Künstlerin Christiane Löhr vor, die in ihren Bleistift-, Tusche- oder Ölpastell-Zeichnungen mit reduzierten, organischen Linien den Blattraum sanft und sinnlich erobert (3050 bis 21.200 Euro).

          Salon du Dessin, Palais Brongniart, bis 23. Mai; Eintritt 15 Euro; Drawing Now, Carreau du Temple, bis 22. Mai, Eintritt 16 Euro

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