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ZADIK : Kunstmarkt und Lehre

Am Ziel: Seit Jahren arbeitete Zadik-Leiter Günter Herzog darauf hin, „die Geschichte des Kunsthandels in die allgemeine Kunstgeschichte zu integrieren“ Bild: Picture-Alliance

Dauerhaft abgesichert: Das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung wird Institut der Universität Köln.

          3 Min.

          Das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung (Zadik) – gegründet 1992 vom „Bundesverband deutscher Galerien“ als weltweit erstes Spezialarchiv zur Geschichte des Kunsthandels – wird als selbständiges wissenschaftliches Institut in die Universität Köln eingegliedert. Initiiert wurde dieser Schritt zur dauerhaften Absicherung des Zadik vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Unterstützt wird das Archiv auch weiterhin vom Ministerium und der Stadt Köln. Durch die Eingliederung in die Universität eröffne sich eine solide und langfristige Sicherheit für die international wirksame Arbeit des Archivs, so die NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Pönsgen: „Zugleich entstehen durch die akademische Institutionalisierung wertvolle Synergien und neue Anknüpfpunkte für die kunsthistorische Forschung und die Provenienzforschung.“

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das Sammlungsprofil des Zadik als Forschungs- und Lehrarchiv beruht auf den ihm anvertrauten Archiven von Akteuren des Kunstmarkts wie Künstlern, Sammlern, Kunsthändlern, Galeristen und Kunstkritikern. Das Zadik spielt durch seine Veröffentlichungen, Ausstellungen und Ausleihen eine maßgebliche Rolle im noch jungen wachsenden Gebiet der Kunstmarktforschung und in der Provenienzforschung. Günter Herzog, der verdienstvolle Leiter des Zadik seit 2002, sieht nun das von ihm seit Jahren verfolgte Ziel verwirklicht, „die Geschichte des Kunsthandels in die allgemeine Kunstgeschichte zu integrieren“. Auch seitens des Kunsthistorischen Instituts der Universität Köln wird die Intensivierung der bereits bestehenden engen Verknüpfung mit dem Schwerpunkt Kunstmarkt begrüßt, um gemeinsam weitere neue Forschungsfelder zu erschließen und zu lehren.

          Karrierestart in deutschen Galerien

          Günter Herzog, der das alles angebahnt hat, wird die Eingliederung des Zadik in die Universität begleiten, ehe er am 1. Oktober dieses Jahres in Pension geht. Er nennt gegenüber dieser Zeitung die konkrete, bereits laufende Zusammenarbeit mit internationalen Kunstarchiven im gemeinsamen Archivportal „European Art Net“ und die vom Zadik organisierte jährliche Konferenz „State of the Art Archives“ oder die Kooperation mit der „Guggenheim Foundation“ als zentrale Aufgaben. Hinzu kommt der Austausch mit den Künstler-Stiftungen und Nachlässen amerikanischer Künstler, besonders jener der Pop Art, Conceptual und Minimal Art, zur Erstellung von Werkverzeichnissen. Viele dieser Künstler hatten ihren Karrierestart in den sechziger und frühen siebziger Jahren in europäischen, vor allem auch deutschen Galerien.

          Man erwarte hauptsächlich Studierende der Kunstgeschichte, sagt Herzog weiter, aber zunehmend auch aus der Soziologie und der Geschichts-, Betriebs-, Volkswirtschafts- und Rechtswissenschaft. Die weiteren interdisziplinären Perspektiven, bis hin zur Ethnologie, liegen auf der Hand. Viele Studierende haben ein starkes Interesse an der zeitgenössischen Kunstentwicklung und anwendungsbezogenen Studien, die ihnen helfen könnten, ein Teil dieser Szene zu werden: „Deshalb interessieren sich viele für den Kunstmarkt“, so Herzog, „von dem sie aber häufig eine ins Glamouröse tendierende Vorstellung haben.“ Auch díesbezüglich, so lässt sich anfügen, könnte das Zadik-Institut aufklärende Wirkung entfalten.

          In dem Ein-Fach-Master-Studiengang Kunstgeschichte gibt es seit dem Wintersemester 2012/13 am Kölner Kunsthistorischen Institut ein Schwerpunktmodul Kunstmarkt unter insgesamt sechs, wie zum Beispiel Denkmalpflege und historische Bauforschung oder Fotografie und Kunstgeschichte als Mediengeschichte. Das Zadik beteiligt sich mit vier Wochenstunden pro Semester an der Lehre des Instituts; das können Vorlesungen, Hauptseminare, Übungen oder auch Exkursionen sein.

          Das Themenfeld ist weit gefasst: Es reicht von Quellenkunde zur Kunst der Moderne und Archivkunde – als Grundlagenwissen für jeden Studierenden der Kunstgeschichte – bis hin zu Theorien und Methoden der Kunstmarktforschung und der Geschichte des Kunstmarkts, seiner Akteure, dazu Kunstpolitik und Provenienzforschung. Im Ganzen geht es um Grundlagenforschung zur Geschichte und Theorie des Kunstmarkts – mithin um die Entwicklung von Theorie und Methodik der noch relativ neuen Kunstmarktforschung überhaupt. „Das Zadik bleibt dabei auch an der Universität in erster Linie ein Archiv“, sagt Günter Herzog, „mit dessen Beständen geforscht und gelehrt werden soll.“

          Wie solche Recherche – im Detail, auf das es dabei ankommt – aussieht, wissen die Leser dieser Zeitung seit Begründung unserer losen Reihe „Aus dem Zentralarchiv“ im Januar 1999. Deren vorerst letzter Beitrag erschien im August 2019 als „Nummer 54“. Es geht dort um die Geschicke des Hamburger Auktionshauses Hauswedell & Nolte, das nach mehr als fünfzig Jahren den Betrieb einstellte und wo 1985 der erste Zuschlag oberhalb einer Million Mark nach 1945 in Deutschland erfolgt war.

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