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William Anastasi : Früh dran

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In den frühen Sechzigern agierte er am Puls der Zeit. Potentiell alles sollte sein Werk sein: William Anastasi bei Thomas Rehbein in Köln.

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          Wenn William Anastasi früher in New York seinen Künstlerfreund John Cage besuchte, steckte er Stift und Papier ein, um unterwegs zu zeichnen, zum Beispiel in der Subway. Zeichnen – das bedeutete für den 1933 in Philadelphia geborenen Anastasi, das Blatt auf einer festen Unterlage in den Schoß und beide Hände mit Stiften daraufzulegen, um das Ruckeln der U-Bahn durch die Arme hindurchgehen zu lassen und wie ein Seismograph auf dem Papier zu dokumentieren. Für diese ephemeren Arbeiten benutzte er Blei- und Buntstift, so dass sich graue oder farbige Linien knäueln und als Energieströme auf dem weißen Grund einschreiben. Man kann sich tatsächlich vertiefen in diese Art Zeichnung. Zusätzlich zu seinen „Subway Drawings“ entwickelte Anastasi später Techniken, im Gehen zu zeichnen, auch das ein Automatismus eigener Prägung. Solche Blätter bot Thomas Rehbein auf der Art Cologne zu Preisen von bis 18.000 Dollar an. Eine Auswahl mit Arbeiten des New Yorkers versammelt er nun in einer dritten Einzelausstellung seiner Galerie.

          Zwei spröde Balken aus Tannenzholz

          Zu sehen, überhaupt zu entdecken, ist ein Künstler, der in den frühen Sechzigern am Puls der Zeit agierte, als sich Minimal und Conceptual Art gerade herauskristallisierten. Potentiell alles sollte nun Werk sein können, nicht nur, was in den üblichen Kategorien von Malerei, Skulptur, Fotografie entsteht. So schlug Anastasi 1966 den Putz von der Wand und legte das Mauerwerk als schlanke Senkrechte frei, die sich auf dem Fußboden in Gestalt der abgeklopften Reste zu einem „L“ formt. Er stapelte 112 Ziegelsteine 1964 zu einem selbstgenügsamen spröden Block. Oder er hängte 1965 ein Magnetband mit Beethovens 5. Sinfonie in heillosem Gewirr an die Wand: schon im Stil dessen, was Robert Morris einige Jahre später als Anti-Form bezeichnet. Schließlich sind da zwei spröde Balken aus Tannenholz, mit denen Anastasi, ebenfalls 1965, ein denkbar einfaches „Prop-Piece“ schuf: Indem der untere Balken diagonal an der Wand lehnt, stützt er den oberen, der sich ihr anschmiegt. Wer sich für Skulptur interessiert, denkt an Richard Serra: allerdings auch da an Werke, die später entstanden als diese Setzungen, mit denen Anastasi erstaunlich früh dran war.

          Sind also die Daten der Werke verlässlich? Wie sind sie dokumentiert? Vor allem durch Fotos aus den entsprechenden Ausstellungen in New Yorker Galerien, aber auch durch Skizzen, so Thomas Rehbein. Mit den Preisen von bis zu 250000 Dollar (Auflageje3) pocht der Künstler auf die Bedeutung seiner frühen Arbeiten, mit denen er ebenso wenig weithin bekannt wurde wie etwa Henry Flynt, der 1962 den Terminus „Conceptual Art“ in die Welt setzte. (Bis 22. Juni.)

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