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Wiener Ergebnisse : Der Anschluss an die Gegenwart ist geschafft

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Ein Resümee der Auktionen zum Abschluss des Frühjahrs in Wien zeigt das Dorotheum vorn mit beachtlichen Zuschlägen. Die Bilanz bei der Konkurrenz Im Kinsky fällt nicht ganz so rosig aus.

          Die Aufbauarbeit hat sich gelohnt. Schon länger bemüht sich das Wiener Traditionshaus Dorotheum, seine Anbindung an die Gegenwartskunst zu intensivieren, und hat zu diesem Zweck sogar die jährliche „Vienna Art Week“ ins Leben gerufen. Das Angebot der Sparte zeitgenössische Kunst wurde deutlich attraktiver und fand bei der Auktionswoche des Frühjahrs besonders viel Anklang. Die Veranstaltung, bei der so gut wie alle Toplose den Besitzer wechselten, eröffnete mit einer Serie sechsstelliger Zuschläge.

          In der bis dato erfolgreichsten Gegenwartskunst-Auktion des Hauses brillierte ein konkav gewölbtes Edelstahlobjekt von Anish Kapoor, für dessen verspiegeltes Nachtblau 650.000 Euro bewilligt wurden. Im Jahr seines Todes 1968 schlitzte Lucio Fontana ein rosafarbenes „Concetto spaziale“ gleich zweimal auf; der Zuschlag fiel dafür bei 500.000 Euro, erwartungsgemäß. Das große Park-Gemälde mit Lichtbox, das Ilja Kabakov als Werk seiner fiktiven Künstlerpersönlichkeit Charles Rosenthal geschaffen hat, blieb mit 260.000 Euro knapp unter den Erwartungen.

          Ein Reliefbild von Agostino Bonalumi

          Dafür überrundete Robert Indianas Schriftbild „Decade: Autoportrait 1969“ seine obere Taxe, als die Dorotheumsklingel erst bei 260.000 Euro ertönte. Warhols glamouröses Blondinenporträt der Kamerafrau Linda Cossey von 1980 enttäuschte mit einem Zuschlag bei 210.000 Euro ebenso wenig wie sein schriller Siebdruck „Marilyn“ aus einer Auflage von 250 Stück, der mit 95.000 Euro beinahe das Vierfache seiner unteren Taxe einbrachte. Keith Harings originell bemalte Schwingtüren reüssierten bei 75.000 Euro (Taxe 38.000/ 48.000).

          Aus der italienischen Kunst übertraf die expressive Mischtechnik „Torneo“, die Afro Basaldella 1965 malte, mit 190.000 Euro die untere Schätzung. Agostino Bonalumis abstraktes Reliefbild „Bianco“ von 1981 kam auf gute 85.000 Euro. Unter den österreichischen Künstlern war vor allem Hermann Nitsch gefragt: Sein großes Schüttbild von 1984 sowie sein Wandstück „Grablegung“ aus Schloss Prinzendorf, dem Aufführungsort des „Orgien-Mysterien-Theaters“, sausten auf unerhoffte 80.000 Euro.

          Über großen Andrang und Bieterinteresse konnte sich das Dorotheum auch bei der Klassischen Moderne freuen. Dort stellte das Titellos alles in den Schatten: Am Ende konnte sich ein deutscher Telefonbieter bei Max Ernsts dynamischem Ölbild „Les jeunes et les jeux twistent“ durchsetzen und den abstrakten Tanz für die erwarteten 520.000 Euro heimtragen. Aus dem Spätwerk seines Surrealistenkollegen Victor Brauner reüssierte die Komposition „Interconnaissance“ mit nächtlichen Fabelwesen, die mit 140.000 Euro den unteren Schätzwert traf. Ein stattliches Ergebnis schaffte mit 340.000 Euro Egon Schieles von oben herab festgehaltener „Sitzender weiblicher Akt“, der 1912 mit Gouache, Aquarell und Bleistift entstand.

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