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Wiener Auktionen : Im Herbst mancher Rekord

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In der österreichischen Hauptstadt freuen sich die Auktionshäuser Dorotheum und Im Kinsky über sensationelle Ergebnisse. Besonders aber überraschte eine Frau.

          Die Wiener Auktionshäuser haben zu Jahresende ein beeindruckendes Finale hingelegt. Dank herausragender Werke stellten Dorotheum und Kinsky neue Künstlerrekorde auf. An die Spitze der letzten Tranche 2014 setzte sich ein wunderbares Blumenstillleben von Jan Brueghel d. Ä., das seine Taxe von 350.000 bis 700.000 Euro bei weitem überflügelte: Ein europäischer Privatsammler sicherte sich das marktfrische Bouquet beim Gebot von 1,85 Millionen Euro und bescherte dem Kinsky so einen Auktionsweltrekord.

          Das Dorotheum triumphierte dagegen bei den Zeitgenossen. Gerade hatte die Konkurrenz bei ihrer Zeitgenossen-Auktion einen neuen Rekord für die Kärntner Malerin Maria Lassnig ausgerufen, da wurde sie noch am selben Tag vom Dorotheum getoppt: Im Kinsky war das selbstironische Bildnis „Brettl vor dem Kopf“ von 1967 auf 330.000 Euro (Taxe 150.000/250.000) geklettert - und hatte damit den hauseigenen Höchstpreis aus dem Jahr 2007 von 230.000 Euro für „Mit einem Tiger schlafen“ überrundet. Da schaffte das Dorotheum abermals einen Sprung nach vorne: Für Lassnigs Gemälde „Der Wald“ wurden 400.000 Euro (220.000/320.000) bewilligt, und auch ihr „Stillleben mit rotem Selbstporträt“ war nicht unter 340.000 Euro (140.000/ 200.000) zu haben. Die Bieter taten recht daran, jetzt zuzugreifen, kommen doch Werke Lassnigs dieser Qualität selten auf den Markt. Die jetzigen Rekordbilder stammten aus der Sammlung der Möbelkette Kika/Leiner. Die Preise für die unterbewertete Malerei der jüngst gestorbenen Künstlerin, deren Nachlass in eine Stiftung eingebracht wird, werden steigen.

          Diese aktuelle Auktion mit Gegenwartskunst stellte die umsatzstärkste in der Geschichte des Dorotheums dar, bei der gleich drei Werke über eine halbe Million Euro stiegen. Spitzenreiter wurde die zehnteilige Serie von Aluminiumzahlen, „Numbers One through Zero“, von Robert Indiana, die mit dem Zuschlag von 750.000 Euro (750.000/900.000) die untere Erwartung einlöste. Ein Bietgefecht löste hingegen Kippenbergers Ölbild aus der Serie „Fred the Frog“ aus, das mit 720.000 Euro (280.000/350.000) die höchste Steigerung des Abends erlebte. Sigmar Polkes Gouache auf Karton löste ihre untere Taxe von 450.000 Euro ein, und Jörg Immendorffs Großformat „Staat/Formel“ wechselte für 150.000 Euro (120.000/180.000) den Besitzer. Ilya Kabakovs Konzeptbild „Nikolai Petrowitsch“ blieb allerdings liegen.

          Bei den Italienern dominierte wieder Fontana, diesmal mit einem viermal geschlitzten Querformat von 1965/66: Das knallgelbe „Concetto spaziale“ ging für 630.000 Euro (450.000/650.000) weg. Für eine Überraschung sorgte das Objektbild „Cementoarmato“ des Bildhauers Giuseppe Uncini. Die 1961 durch Eisenstäbe strukturierte Zementfläche erzielte mit 240.000 Euro (80.000/120.000) einen Rekord für den 2008 gestorbenen Künstler. Enrico Castellanis strukturierte Leinwände reichten mit 280.000 und 210.000 Euro an die oberen Taxen heran, während Agostino Bonalumis „Rosso“ sogar 240.000 Euro (150.000/200.000) erlöste. In Knallrot überzeugte auch Paolo Scheggis „Zone riflesse“ bei 370.000 Euro (200.000/ 300.000). Bei der Klassischen Moderne kam eine Kohlezeichnung Schieles aus italienischem Privatbesitz zum Aufruf, die sich einst im Nachlass seiner Schwester befand; der Frauenakt wurde auf 330.000 Euro (140.000/220.000) hinaufgekämpft. Titellos war die Skulptur „Head“ von Alexander Archipenko, ebenfalls aus Italien; die 1913 entworfene Bronze ging für 230 000 Euro (180.000/ 250.000) weg.

          Das Kinsky konnte sich bei seiner Offerte Klassischer Moderne über eine Absatzquote von neunzig Prozent freuen. Alfons Waldes Naturburschen am „Bauernsonntag“ stiegen dort auf gute 270.000 Euro (100.000/200.000); auch eine kleinere Version des Sujets brachte noch 220.000 Euro (80.000/160.000). Rudolf Wackers herrliches „Stillleben mit Engel“ von 1933 war einem Bieter 180.000 Euro (50.000/180.000) wert. Von Carl Molls Pendants „Najadenbrunnen in Schönbrunn“ war die Rückseite bei 120.000 Euro noch gefragter als die Vorderseite, die nur 80.000 Euro (35.000/70.000) einspielte.

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