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Wiener Auktionen : Die Verlockungen der Heiligen zum Kauf

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Schöne Wiener Ergebnisse: Das Dorotheum und Im Kinsky konnten mit ihren Auktionen zu Alten Meistern und 19. Jahrhundert auftrumpfen

          Bei den Frühjahrsversteigerungen der Wiener Auktionshäuser waren Raritäten aus der sakralen Kunst gefragt. Zunächst freute sich das Kinsky, das zwei Tafeln des Meisters des Florian-WinklerEpitaphs wieder in seine ursprüngliche Heimat verkaufen konnte: Das Niederösterreichische Landesmuseum in St. Pölten, das die Außenseiten des Flügelaltars besitzt, erwarb jetzt die Innenseiten mit Darstellungen der Enthauptung des Johannes und der Taufe Christi, für je 55 000 Euro (Taxe je 35 000/ 70 000). Im Dorotheum bildete ein niederländisches Andachtsbild das Toplos der Altmeister-Auktion; man trumpfte mit einem Altarbild von „Hans Memling Werkstatt“auf: Die farbschöne und marktfrische Tafel „Die Geburt Christi“ punktete nicht zuletzt mit einwandfreiem Zustand und adliger Provenienz. Der Zuschlag von 1,1 Millionen Euro war ein beachtlicher Erfolg für ein Werkstattbild, auch etwas unter der hohen Schätzung von 1,2 bis 1,8 Millionen Euro.

          Ähnlich erging es etlichen Bildern der insgesamt sehr erfolgreichen Auktion im Dorotheum. So scheiterte Pieter Brueghels Winteransicht „Die Vogelfalle“ an den hohen Erwartungen von 700 000 bis 900 000 Euro, und auch die Kupfertafel „Minerva zu Besuch bei den neun Musen“ von Hendrik van Balen I. und Jan Brueghel d. Ä. wurde erst im Nachverkauf veräußert, deutlich unter der Taxe von 300 000 bis 500 000 Euro. Dafür rauschten andere Lose in unerhoffte Höhen: Das ausgewogen komponierte Ölbild „Die Heilige Familie mit der heiligen Anna“ des Antwerpeners Huybrecht Bueckeleer wurde bis auf 320 000 Euro (150 000/ 200 000) gekämpft, und das der Rubens-Werkstatt zugeschriebene „Parisurteil“ war nicht unter 650 000 Euro (400 000/ 600 000) zu haben. Mit der Zuschreibung „Werkstatt Caravaggio“ ging eine „Heilige Familie mit dem Johannesknaben“ ins Rennen, die ihre obere Taxe auf 240 000 Euro verdoppelte. Ein Rekord wurde für ein Prunkstillleben des wenig bekannten François Habert erzielt, der um 1650 in Frankreich tätig war: Das aus einer bayerischen Privatsammlung eingelieferte Früchte- und Blumenarrangement überraschte mit dem siegreichen Gebot von 200 000 Euro (30 000/ 40 000).

          Keine Spur von mangelndem Interesse

          Die Kupfertafel „Der kreuztragende Christus“ stellt eine Neuentdeckung im Werk von Guido Reni dar und wurde mit 400 000 Euro, der unteren Taxe, honoriert (400 000/ 600 000). Gut schnitt das von Andrea Vaccaro signierte Bild „Susanna und die beiden Alten“ ab, für das der Hammer erst bei 220 000 Euro (150 000/ 200 000) fiel. Jacopo di Arcangelos Tondo „Die Heilige Familie mit dem Johannesknaben“ spielte seine untere Taxe von 180 000 Euro ein. Bei den Niederländern sorgten Joos de Momper und Jan Brueghel d. Ä. mit dem Ölbild „Frühlingslandschaft mit einer eleganten Gesellschaft“ für 180 000 Euro (120 000/ 160 .000). Das Wiener Belvedere schlug bei einem Porträt des Prinzen Eugen von Savoyen zu, das der Hofmaler Johann Gottfried Auerbach um 1725/30 fertigte: Das für 70 000 Euro (70 000/ 100 000) ersteigerte Bildnis vor dem Heereszelt wird bald im einstigen Winterpalais des Prinzen hängen.

          Auch vom mangelnden Interesse am 19. Jahrhundert kann im Dorotheum nicht die Rede sein. Zwei Drittel der mehr als 200 Lose wurden abgesetzt, wobei das Mondlichtbild „Nachtfest auf der Via Eugenia“ des Italieners Ippolito Caffi mit 130 000 Euro (40 000/ 60 000) den Spitzenpreis lieferte. Eine rasant kutschierende „Bauernhochzeit“ stammt von Alfred von Wierusz-Kowalski, einem polnischen Maler der Münchner Schule; sie wechselte für 110 000 Euro (70 000/ 90 000) den Besitzer. Die Notre-Dame-Ansicht aus Reims vom Münchner Maler Domenico Quaglio, der als Romantiker bevorzugt gotische Bauten malte, wurde von den Bietern auf 105 000 Euro (20 000/ 30 000) gehoben.

          Im Kinsky reüssierte bei den jüngeren Meistern ein Gemälde des österreichischen Stimmungsimpressionisten Robert Russ: Über das für 110 000 Euro versteigerte Ölbild „Gartenpartie aus dem Etschtal“ wurden jedoch nach der Auktion Zweifel publik, ob das Werk 2006 an die richtigen Erben restituiert wurde. Bei 70 000 Euro (50 000/ 100 000) konnte sich ein Bieter das Tierporträt „Jagdhund des Grafen Esterházy“ von Ferdinand Waldmüller sichern. Vom Münchner Affenliebhaber Gabriel von Max gingen satirische „Affen als Kunstrichter“ für 38 000 Euro (15 000/ 30 000) weg.

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