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Altmeisterauktionen in Wien : Mit Tizians schöner Büßerin

  • -Aktualisiert am

Bestechend noble Provenienz: Tizians Ölbild „Die büßende Magdalena“ verdreifachte seinen Schätzwert. Bild: Dorotheum

Eine wiederentdeckte Maria Magdalena von der Hand Tizians führt die Auktionen Alter Meister im Dorotheum an. Doch auch weitere herausragende Werke des Barock kommen zum Aufruf.

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          Im Wiener Kunsthistorischen Museum erlebten Tizians Frauenbilder 2021 einen großen Auftritt. Ein Jahr später und nur einen Katzensprung vom Museum entfernt, gelangt am 11. Mai eine solche Grazie zur Auktion. Der Altmeisterexperte des Dorotheums Alexander MacDonnell stieß in einer englischen Privatsammlung auf eine „Büßende Magdalena“ mit der Handschrift des venezianischen Meisters. Tizian-Spezialist Paul Joannides bestätigte die Zuschreibung; die Durchleuchtung der Leinwand förderte Änderungen kompositorischer Details zutage, die eine Eigenhändigkeit Tizians nahelegen.

          Die reuige Sünderin, deren Pose an die antike Darstellung der Venus pudica erinnert, zählte zu Tizians Bestsellern. Das Gemälde wurde zuletzt 1859 schriftlich erwähnt, als es in London um 66 Guinees unter den Hammer kam. Sein späterer Verbleib war bis dato unbekannt. Dokumentiert sind hingegen seine royalen Vorbesitzer: Im 17. Jahrhundert war das Werk im Besitz der Königin Christina von Schweden. In den hohen Norden dürfte die Magdalena aus der Prager Burg entführt worden sein: Schwedische Truppen plünderten 1648 den Kunstschatz von Kaiser Rudolf II. Herrscherin Christina, die früh abdankte und danach als zum Katholizismus konvertierte Kunstmäzenin in Rom lebte, vermachte ihre Gemäldesammlung einem Kardinal; 1721 gelangte das Bild aus dem Handel an Herzog Philipp II. von Orléans. Angesichts dieser Provenienz wirkt die Taxe von einer bis eineinhalb Millionen Euro moderat.

          Abraham Mignon, „Pfirsiche, Trauben, eine Melone und Klatschmohn mit weiteren Blumen in einer Steinnische“, Öl auf Holz, 38,4 mal 30,2 Zentimeter, Taxe 250.000 bis 350.000 Euro
          Abraham Mignon, „Pfirsiche, Trauben, eine Melone und Klatschmohn mit weiteren Blumen in einer Steinnische“, Öl auf Holz, 38,4 mal 30,2 Zentimeter, Taxe 250.000 bis 350.000 Euro : Bild: Dorotheum

          Blau leuchtet der Mantel des knienden Propheten auf dem Gemälde „Abraham und die drei Engel“ von Artemisia Gentileschi und Onofrio Palumbo. Das 144 mal 200 Zentimeter große Ölbild dürfte um 1640 in Neapel entstanden sein, als Palumbo der Künstlerin assistierte. Die Taxe liegt bei 250.000 bis 300.000 Euro. Aus dem Umkreis Raffaels liegt eine „Madonna dell’Impannata“ vor, die im 16. Jahrhundert zur Sammlung der Florentiner Familie Altoviti gehört haben könnte (Taxe 150.000 bis 200.000 Euro). Im Produktionsbetrieb von Perugino entstand das Altarbild „Thronende Madonna mit Kind und den Heiligen Sebastian, Johannes dem Täufer, Rochus und Petrus“ (150.000/200.000). Die lebendige Szene „Venus und Adonis“, in welcher das Inkarnat der Liebesgöttin die Blicke auf sich zieht, wird Tintoretto und Werkstatt zugerechnet (50.000/ 70.000).

          Artemisia Gentileschi und Onofrio Palumbo, „Abraham und die drei Engel“, Öl auf Leinwand, 144,5 mal 200,8 Zentimeter, Taxe 250.000 bis 300.000 Euro
          Artemisia Gentileschi und Onofrio Palumbo, „Abraham und die drei Engel“, Öl auf Leinwand, 144,5 mal 200,8 Zentimeter, Taxe 250.000 bis 300.000 Euro : Bild: Dorotheum

          In der flämischen Kunst ist bei der Auktion die Ernte an Stillleben auf Steingrund besonders reich. In Utrecht schuf der in Frankfurt geborene Abraham Mignon seine Nature Morte, so auch das Tafelbild „Pfirsiche, Trauben, eine Melone, und Klatschmohn mit weiteren Blumen in einer Steinnische“. Für das 38 mal 30 Zentimeter große Bild werden 250.000 bis 350.000 Euro erwartet. Ambrosius Bosschaert II trat in die Fußstapfen seines Vaters, der das flämische Blumenstillleben als eigene Gattung etablierte. Sein Tableau „Früchtekorb, Muscheln, eine Eidechse und Insekten auf einer steinernen Tischplatte“ spiegelt mit den ozeanischen Meeresfrüchten auch den Kolonialhandel der Niederlande wider. Seine Signatur und das Entstehungsjahr 1630 „gravierte“ der Künstler in die Steinplatte (200.000/300.000).

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