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Symposium und Sachbuch : Wie Hitler sich als Kunstmäzen aufführte

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Die Künstler bestimmten ihre Preise selbst, mussten sie allerdings von einem „Beauftragten des Führers“ genehmigen lassen und auf Geheiß nach unten korrigieren. Jene neunzig Prozent, die an die Künstler flossen, muten heute ungewöhnlich großzügig an, bewegten sich aber, so Brantl, im damals üblichen Rahmen. Mit der Vielzahl an Verkäufen habe sich ein Markt für deutsche Kunst im „Dritten Reich“ etabliert, doch, gibt die Archivarin zu bedenken, sei Deutschland ansonsten „vom internationalen Handel völlig isoliert“ gewesen: „Die jüdischen Auktionshäuser und Galerien waren liquidiert, verkauft werden konnte nur Kunst, die durch das NS-Regime abgesegnet war.“ Schließlich aber galt auch diese Kunst als wertbeständig; je länger der Krieg dauerte, desto höher stiegen die Preise. Auch Privatleute investierten deshalb in Bilder: „1943 wollte niemand mehr sein Geld in Schatzbriefen anlegen, es gab auch immer weniger Güter zu kaufen – aber Kunst war ja da.“

Auch der Publikumszulauf blieb nach Ausbruch des Kriegs 1939 mit jährlich rund 600 000 Besuchern stabil – wobei nicht alle freiwillig kamen. Die Malerin Maria Lassnig erinnerte sich später, wie sie mit einer Exkursion unter der Devise „Kraft durch Freude“ von Wien aus „nach München hinwaggoniert“ wurde.

Ein persönlicher Günstling Hitlers

Es überrascht nicht wirklich, dass mancher Teilnehmer der „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ sein öffentliches Wirken nach 1945 fortsetzte – nicht nur in prominenten Fällen wie dem des Bildhauers Arno Breker, der noch in den achtziger Jahren repräsentative – private – Aufträge erhielt. Brantl nennt den Maler der Reichsautobahnen, Carl Theodor Protzen, der 1949 die „Ausstellungsleitung e.V.“ im Haus der Kunst mitbegründete und sich sogleich auch in die Teilnehmerliste der „Großen Münchner Kunstausstellung“ eintrug. Der Münchner Akademieprofessor für Monumentalmalerei Hermann Kaspar, der maßgeblich an den Festzügen zu „2000 Jahre deutscher Kultur“ beteiligt war, wurde 1945 aus dem Dienst entlassen, 1957 aber gegen Widerstände wieder eingestellt; an seiner Person entzündeten sich 1968 heftige Studentenproteste.

Sie finde es noch immer „unglaublich“, so Brantl, „dass man eine Person, die mitten im Zentrum gestanden hatte, wieder einstellte. Und wenn man darauf schaut, wer da wen wieder einstellte, werden Netzwerke sichtbar. Erst als diese Netzwerke alterten, änderte sich etwas.“ Nach dem österreichischen Bildhauer Josef Thorak, einem persönlichen Günstling Hitlers, wurde in Salzburg noch 1963 eine Straße benannt. Thorak erregte vor wenigen Jahren hierzulande noch einmal Aufsehen, als sich ein bronzenes Pferd auf einem Schulhof in Ising im Chiemgau als Werk von seiner Hand herausstellte. 1939 hatte es im Zentrum der dritten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ gestanden; die Witwe des Bildhauers hatte 1961, nach seinem Tod, damit das Schulgeld für den Sohn bezahlt.

Die eher seltene Gelegenheit, eine repräsentative Auswahl all der chauvinistischen Allegorien, Akte, Idyllen und Frontbilder aus den „Großen Kunstausstellungen“ einmal im Original zu sehen, bietet eine Wanderausstellung zu „Kunst und Politik im Nationalsozialismus“, die in der Bochumer „Situation Kunst“ konzipiert wurde und von diesem Wochenende an im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg geöffnet ist. Mehrere Bilder waren von Hitler angekauft worden, wie das „Im Kampfgebiet des Atlantik“ des Marinemalers Claus Bergen von 1941, die „Arbeitsmaiden, vom Felde heimkehrend“ von Leopold Schmutzler, das „Urteil des Paris“ von Ivo Saliger oder die „Straßen des Führers“ von Carl Theodor Protzen. Als Korrektiv zeigt die Regensburger Ausstellung Werke jener Künstler, die als „entartet“ diffamiert worden waren. „Modernism is now verboten“, bemerkte die „New York Times“ am 25. Juli 1937. Warum die Bäume vor der martialischen Architektur verschwinden sollen, um deren Urzustand wieder aufleben zu lassen, erschließt sich vor dem Hintergrund der Historie nicht.

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