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Art Cologne : Wer sucht, der findet auch die besonderen Werke

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In den Hallen im Erdgeschoss erläutert uns der aktuelle Documenta-Teilnehmer Daniel Knorr ausführlich seine Methode, Abdrücke von urbanem Terrain, wie etwa einem Parkplatz, zu nehmen und daraus farbige, gerasterte Bildobjekte zu machen; ein solches Werk bietet die Wiener Galerie Nächst St.Stephan für 24 000 Euro an. Von Anne Imhof, der Künstlerin des Deutschen Pavillons bei der anstehenden Biennale in Venedig und eigentlich als Performance-Größe eingeführt, stammen große, schwarz lackierte Tafeln mit tiefen Kratzern; solches Neo-Informel kostet an den Wänden von Daniel Buchholz (Köln/Berlin) 36 000 bis 48 000 Euro. In der Nachbarschaft trumpft der Neuzugang Gagosian Gallery mit einem durchkuratierten Stand auf, der Chris Burdens Spätwerk „Buddha’s Fingers“ gewidmet ist. Die Galerie von David Kordansky (Los Angeles) zeigt gestische Abstraktionen des Kaliforniers Jon Pestoni für je 38 000 Dollar. Die New York School der fünfziger und sechziger Jahre bildet das Angebot von Hollis Taggart: Der Galerist aus dem Big Apple stellt in Europa weniger bekannte Größen des Abstrakten Expressionismus vor, wie Norman Bluhm und Paul Jenkins (48 000 bis 75 000 Dollar); für „Das Ventil“, ein frühes Bild von Roy Lichtenstein aus dem Jahr 1954, verlangt die Galerie 150 000 Dollar.

Eleni Koroneou aus Athen bietet Bild-Assemblagen des diesjährigen Biennale-Teilnehmers Yorgos Sapountzis für je 8000 Euro an: Er sei der einzige griechische Künstler in der von Christine Macel kuratierten Schau „Viva Arte Viva“ in Venedig, heißt es. Mit White Cube (London), Hauser&Wirth, SprüthMagers oder David Zwirner (New York) setzen zugkräftige Galerien Schwerpunkte. Es müssen aber nicht immer kapitale Bildwerke sein, die das Sammlerinteresse verdienen – und andererseits ist nicht alles, was zu Millionenpreisen angeboten wird, in der Qualität über jeden Zweifel erhaben, wie einige frühe Abstraktionen Gerhard Richters um 1980 auf der Messe belegen. Lorenzelli Arte aus Mailand dagegen hat eine überzeugende Auswahl an Malerei im Angebot, mit Arbeiten von Giorgio Griffa (24 000 Euro) bis zu Max Bill (180 000 Euro).

Wer ein bisschen sucht – was streckenweise wirklich vonnöten ist –, wird fündig. Rarissima in Form von Künstlerpostkarten der Klassischen Moderne, die mit Briefmarke und Poststempel tatsächlich versandt wurden (was ihren Wert steigert), hat Thole Rotermund (Hamburg) im Angebot: Mit 80 000 Euro schlägt eine Karte von Max Pechstein „Im Tanzcafé“ zu Buche, adressiert an die Fotografin Minya Diez-Dührkoop. Die Galerie Yves Zlotowski möchte mit Merz-Collagen und Reliefs von Kurt Schwitters ein deutsches Publikum erreichen (15 000 bis 380 000 Euro), zudem hängen dort Collagen von Le Corbusier aus den dreißiger Jahren (45 000 bis 130 000 Euro): Wie Thole Rotermund berichtet auch der Pariser Galerist von Verkäufen und neuen Kontakten.

Anders als Berlin, so das Fazit, braucht die Art Cologne das Messe-ABC nicht neu erlernen. Man darf gespannt sein, wie sie im Herbst die Hauptstadt kolonialisieren wird.

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