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Weniger Steuern auf Kunst : Schwierige Zeiten erfordern einfache Lösungen

Der deutsche Kunsthandel ächzt unter dem vollen Mehrwertsteuersatz von neunzehn Prozent beim gewerblichen Verkauf von Kunstwerken. Bild: Daniel Vogl

Der deutsche Kunsthandel kämpft um eine Mehrwertsteuersenkung für seine Waren. Eine kluge Initiative: Das Zauberwort heißt „pauschale Margenbesteuerung“.

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          Seit sechseinhalb Jahren ächzt der deutsche Kunsthandel unter dem vollen Mehrwertsteuersatz von neunzehn Prozent beim gewerblichen Verkauf von Kunstwerken. Und nicht erst seit Covid-19 fordern die deutschen Kunsthandelsverbände die Wiedereinführung des bis Ende 2013 geltenden ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent. Aufgrund einer Systemrichtlinie der EU – und eines von der Europäischen Kommission eingeleiteten Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland – musste damals diese Ermäßigung von der Regierung kassiert werden, um eine Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof zu vermeiden.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das hatte deutliche Einnahmeverluste hierzulande zur Folge, zumal für kleinere Galerien und Kunsthandlungen. Unter dem Druck der Pandemie stellte zuletzt der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V. (BVDG) Mitte Juni unter dem Titel „Ein Recovery-Plan zur Stabilisierung und Förderung des deutschen Kunstmarktes“ ein „Maßnahmenpaket“ vor. Dort formulierte er auch vollmundig die Mehrwertsteuer betreffende Forderungen an die Politik, wenngleich ohne konstruktiven Plan zu ihrer Durchführung. Nun haben sich die Inhaber von sechs renommierten Galerien, darunter Klaus Gerrit Friese, Esther Schipper und Monika Sprüth, mit einem Schreiben zur „wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit des deutschen Kunsthandels“ an den Bundesminister für Finanzen, Olaf Scholz, gewandt, das dieser Zeitung vorliegt. Entscheidend ist dabei: Sie unterbreiten einen konkreten Vorschlag zur Lösung des Problems. Da die Rückkehr zur früheren Mehrwertsteuerermäßigung aufgrund der EU-Gesetzgebung absehbar nicht möglich scheint, schlagen sie vor, für den deutschen Kunsthandel das Modell der pauschalen Margenbesteuerung anzuwenden.

          Es handelt sich dabei um einen innerhalb der Mehrwertsteuergesetzgebung festgeschriebenen Ausnahmetatbestand, auf den sich der deutsche Kunsthandel, im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften, gern beziehen würde, um die volle Belastung durch die aktuelle Mehrwertsteuer zu mindern. Beim Einkauf von Konvoluten, zum Beispiel an Graphikblättern, deren einzelne Preise nicht zu bestimmen sind, wird die pauschale Marge ohnehin angewandt. Dass Kunstwerke generell nicht einen „Festpreis“ haben, sondern in ihrer pekuniären Bewertung starken Schwankungen unterworfen sein können, ist bekannt. Die Unterzeichner des Briefs können zudem anführen, dass dieses Modell in Frankreich „erfolgreich und unbestritten praktiziert wird“, ohne dabei mit EU-Recht in Konflikt zu kommen.

          Eine Differenz von Belang

          Um den komplizierten Begriff in einem Beispiel anschaulich zu machen: Bei einem Verkaufspreis für ein Kunstwerk von zehntausend Euro (und einem Einkaufspreis von fünftausend Euro) bleiben für die Galerie – bei derzeit neunzehn Prozent Mehrwertsteuer – rund 3730 Euro. Beim auf sieben Prozent abgesenkten Mehrwertsteuersatz, also bis 2014, waren das noch rund 4670 Euro – eine Differenz von Belang. Die pauschale Marge nun bezieht sich auf dreißig Prozent des Verkaufspreises, zum geltenden Steuersatz von neunzehn Prozent; siebzig Prozent sind von der Steuer unberührt. Bei diesem Modell würde für die Galerie kaum weniger bleiben als bei den sieben Prozent der ermäßigten Mehrwertsteuer. Die pauschale Marge könnte die Belastungen des Regelsteuersatzes also sehr abmildern.

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