https://www.faz.net/-gqz-6w65c

Was es 2011 auch noch gab : So eine Überraschung

  • -Aktualisiert am

Die zehn teuersten Kunstwerke des Auktionsjahrs sind das eine, doch unterhalb der Grenze von 740.000 Euro tummeln sich bemerkenswerte Werke mit erstaunlichen Zuschlägen.

          Die aktuelle Liste der zehn teuersten Lose auf Auktionen in Deutschland endet mit einem Hammerpreis von 740.000 Euro. Doch auch unterhalb dieser Grenze - im vergangenen Jahr lag sie übrigens etwas niedriger, bei 540.000 Euro für ein typisches Dekostoff-Werk von Sigmar Polke - löste so manches Los Begeisterung in den Sälen aus. Welchen Rhythmus sich Kurt Schwitters zu seinem um die eigene Achse wirbelnden „Tänzer“ im Jahr 1943 erdachte, bleibt ein Geheimnis: Bei Lempertz in Köln jedenfalls erklang der Schlag des Hammers erst bei einer halben Million Euro, was einen Auktionsrekord für eine Plastik des Künstlers bedeutet. So konnte diese Rarität die Erwartung von 200.000 bis 250.000 Euro mehr als bestätigen.

          Eine exorbitante Überraschung - mit einer Wertsteigerung um mehr als das 37fache, von taxierten 12.000 auf 450.000 Euro - hielt eine kolorierte Kohlezeichnung von Jan Toorop für Bassenge in Berlin bereit. Der Niederländer schuf das „Bildnis eines alten Bauern vor einer Kathedrale“ 1904, kurz vor seiner Konversion zum Katholizismus. Auch das Bieten auf ein Kunstwerk kann zur Glaubensfrage werden, wenn es mit dem verheißungsvollen Attribut „zugeschrieben“ versehen ist: So steigerte sich, ebenfalls bei Bassenge, das „Bildnis einer jungen Frau“ im weißen Gewand, vielleicht vom russischen Porträtmaler Wladimir Lukitsch Borowikowski, von 12.000 auf stolze 92.000 Euro.

          Die Hoffnung auf die Hand eines Meisters trieb gewiss auch die Bieter bei Neumeister in München an, die beim „Stillleben mit Zuckerwerk, gebratenem Huhn, Brötchen, Austern, Oliven und Zitrone“ begierig wurden: Es könnte schließlich vom flämischen Maler David Rijckaert aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen; bei harmlosen 15.000 bis 18.000 Euro lag die Schätzung - auf 110.000 Euro korrigierte sich der Wert. Es ist nunmal nicht alles vorhersehbar, das würde gewiss auch das Auktionshaus Ruef in München bestätigen.

          Denn dort schnellte ein gotischer Bronzemörser des 15. Jahrhunderts von taxierten 1200 Euro auf 19.000 Euro hoch, ein silberner Brautbecher aus der Zeit um 1720 machte einen Schub von 1500 Euro auf 16.000 Euro, und eine silberne türkische Kanne mit Schale aus dem 19. Jahrhundert hebelte sich von 2400 auf respekteinflößende 42.000 Euro. Eine Besonderheit gab es noch, deren Wert bei Quittenbaum in München tendenziell schon richtig eingeschätzt worden war: Es ist die balusterförmige „Primavera“-Vase aus Muranoglas, die nur aufgrund ihres Dekors so aussieht, als wäre sie im Inneren gesplittert. Gerne hätte die Manufaktur Vetreria Artistica Barivier 1929/30 mehr davon produziert, doch das Rezept ging verloren. So erreichte die Seltenheit nicht bloß ihre geschätzten 60.000 bis 70.000, sondern ganze 94.000 Euro.

          Weitere Themen

          Trostlos an der Grenze

          „Polizeiruf“ aus Brandenburg : Trostlos an der Grenze

          Hier wird nicht nur das Thema verspielt: Der „Polizeiruf 110: Heimatliebe“ präsentiert dem Publikum Verlierer und Verlorene, nur auf das große Schauspiel wartet man vergebens.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.