https://www.faz.net/-gqz-8jmp9

Münchner Ergebnisse II : Waldweben auf Kissen

  • -Aktualisiert am

Die Frühjahrsauktionen bei Karl & Faber liefen ordentlich - nur die Klassische Moderne schwächelte. Dafür punkteten die Zeitgenossen und Kunst des 19. Jahrhunderts.

          2 Min.

          Max Beckmanns Bronze „Kriechende Frau“ stieß bei Karl & Faber auf gebührenden Erfolg: Erfreulicherweise gelang es der Hamburger Kunsthalle, die 1935 modellierte, postum gegossene und mit Quappi-Beckmann-Provenienz veredelte Aktfigur für 200 000 Euro (Taxe 180 000/220 000) unter ihr Dach zu holen. Allerdings konnte dieser Erfolg nicht bemänteln, dass eine derzeitige Marktflaute der Klassischen Moderne auch in dieser Auktion Spuren hinterließ, in Form von Rückgängen. Sogar die Selbstläuferin Gabriele Münter blieb diesmal mit dem Ölbild „Am Hügel (Staffelsee)“ als Vorbehalt hängen. Punkten konnte sie jedoch mit dem Aquarell „Weg ins Gebirge bei Murnau“ mit 30 000 Euro (18 000/20 000). Ein sattes Plus verbuchte auch Georg Schrimpfs Oberbayern-Großformat „Staffelsee“ mit 170 000 Euro, der mehr als dreifachen Untertaxe. Für Georg Tapperts „Weibliches Doppelbildnis“ einer Dame in durchsichtiger Bluse stimmte die untere Schätzung von 50 000 Euro.

          Als Publikumsliebling schnitt Kunst seit 1945 ab: Gute Zahlen brachte Konkretes wie Fruhtrunks „Bildkonstruierende Kraft“ grün-schwarzer Diagonalen von 1966 mit 40 000 Euro (30 000/40 000) oder Imi Knoebels Sechser-Set in Acryl auf Hartfaser gemalter Farbblock-Arrangements, zugeschlagen für 23 000 Euro (10 000/12 000). Auch die roten Nagelfelder vom Zero-Mann Bernard Aubertin bestätigten mit Summen bis 14 000 Euro anhaltende Nachfrage. Als umworbener Star leuchtete dann Gotthard Graubners grün-violettes Kissenbild, das er laut dem Nebentitel „Waldweben“ mit Richard Wagners „Siegfried“ in Beziehung setzte; für 110 000 Euro (70 000/90 000) wechselte es in deutschen Privatbesitz. Die hohe Taxe von 40 000 bis 60 000 Euro machte potentiellen Bietern auf Peter Doigs Bleistiftzeichnung „Jetty“ offenkundig den Garaus, Neo Rauchs kleine Collage „Ausschnitte II“ schwamm dafür mit ihrem Floßfahrer auf 30 000 Euro (20 000/30 000). Solides Interesse begleitete die Sonderauktion zu Vintage-Fotografien der Nasa aus der Sammlung Siebert mit Aufnahmen von den Fünfzigern bis zu Farbbildern im All flottierender Astronauten aus den Achtzigern. Das mit 6500 Euro (1500) teuerste Foto schoss Neil Armstrong, der sich darauf im Visier des erstmals auf dem Mond spazierenden Edwin Aldrin spiegelt.

          Aus weißem Ahorn und gelber Seide

          Im gutbesuchten Saal läutete Karl & Faber die Frühjahrssaison mit Kunst Alter Meister und des 19. Jahrhunderts ein. Einem italienischen Anonymus gelang da ein hübscher Preissprung mit seinem „Traum des Scipio“, wo dem Schläfer sein Großvater Scipio Africanus als prächtiger Ritter vorschwebt. Ein italienisch sprechender Telefonbieter hielt vom Aufruf bei 3000 Euro durch bis zum Zuschlag bei 32 000 Euro. Ein unbekannter Nachfolger nahm sich Joseph Heintz’ d. Ä. Darstellung von „Diana und Aktäon“ für seine zwei Meter breite Wiederholung zum Vorbild, deren Qualität ihrem Käufer 14 000 Euro (7000/9000) wert war.

          Wie auf Münchner Auktionen schon fast die Regel, landete Spitzweg inmitten gut aufgenommener Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts ganz oben, als sein „Adlerjäger“ - eigentlich die Nebenfigur auf einer ausgezeichneten kleinen Felsnaturschilderung - erwartete 60 000 Euro erzielte. Absehbarer Erfolg war auch Johann Georg von Dillis beschieden, dessen bezauberndes, 1795 in Grottaferrata angelegtes Aquarell einer Mutter mit drei Kindern von 7000 auf 11 000 Euro kletterte. 44 000 Euro (30 000/35 000) bewilligte ein amerikanischer Sammler für Joseph Maria Olbrichs aus Besitz seiner Nachfahren eingelieferten Entwurf für das Schlafzimmer seiner Frau Claire in der gemeinsamen Villa auf der Mathildenhöhe, einen Traumraum in weißem Ahorn und gelber Seide.

          Zur teuersten Altmeisterzeichnung schließlich machte eine italienische Händlerin im Saal Pompeo Girolamo Batonis Rötelstudie fliegender Engelchen, als sie die Vorarbeit zu einem Gemälde im Toledo Museum of Art auf 17 000 Euro (2500) hob.

          Weitere Themen

          Ewiges Heu auf alten Gräbern

          Gartenschule : Ewiges Heu auf alten Gräbern

          Efeu ist der einzige mitteleuropäische Wurzelkletterer. Neben seinem Ruf als Friedhofpflanze ist er durch seine anschmiegsame Art auch Symbol der Treue.

          Topmeldungen

          Rückzug von Prinz Andrew : Vorzeitiger Ruhestand

          In der langen Geschichte des britischen Königshauses ist so etwas wohl noch nicht passiert: Ein Prinz legt alle öffentlichen Aufgaben nieder. Prinz Andrew holt jetzt nach, was er in seinem missglückten Interview unterlassen hatte.
          Martina Merz geht voran, Aufgaben warten viele.

          Verheerende Bilanz : Die Lage ist bedrohlich

          Was wird aus Thyssen-Krupp? Der deutsche Traditionskonzern hat eine steinige Strecke vor sich. Gefordert sind jetzt harte Entscheidungen, die auch die Mitarbeiter treffen werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.