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Auktion : Herbstleuchten

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Das Schloss Ahlden versteigert in seiner Herbstauktion am 3., 4. und 10. September neben Alter Kunst, 19. Jahrhundert und Moderne auch Silber und Kunsthandwerk: Eine Vorschau

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          Feriengrüße von der Ostsee schickt Max Pechstein mit seinen „Fischerbooten in Leba“ in die Spätsommerauktion von Schloss Ahlden am 3. und 4. September. Er hatte mehr als zwanzig Jahre lang im pommerschen Fischerdorfidyll nach „unverfälschtem Leben in unverfälschter Natur“ gesucht, die auch im Sommer 1930, als die Gouache entstand, nicht mehr überall in Deutschland zu finden war (Taxe 34 000 Euro). Carl Spitzweg ist mit einer ungewohnt virtuos lockeren und pastos gemalten Waldlandschaft vertreten, die ihn als Vorreiter des Impressionismus ausweist. Nach seiner Reise nach Barbizon 1851 begann sein Pinselduktus sich zu lockern, atmosphärischer zu werden. Die biedermeierlichen Kabinettbilder der charakteristischen Käuze wichen einem gelassenen Naturempfinden: Der attraktiv leuchtende, 21,5 mal 18,5 Zentimeter kleine Herbstwald ist auf 17 000 Euro geschätzt.

          Ein „Kleines Moorbild“ von Otto Modersohn, ebenfalls von herbstlichem Charme, entstand 1924 und erinnert an seine frühen Teufelsmoor-Bilder, in denen er „das wahre Zauberland“ dieser weltabgewandten Landschaft für sich entdeckte (14 500). Gleich vier Gemälde des 1930 in Leningrad geborenen Ilya Glazunov, Gründer der Russischen Akademie für Malerei, Bildhauerei und Baukunst in Moskau und einer der begehrtesten zeitgenössischen Künstler Russlands, sind beachtenswert, darunter das „Winter“ genannte Profilbild eines Mädchens mit Kopftuch vor weiter verschneiter Landschaft (12 500).

          Unendlich viel prächtiger ließ sich Ludwig Ernst Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel um 1750 vom „Kasseler Tischbein“ Johann Heinrich Tischbeind.Ä. verewigen, als Feldherr in Kürass und mit wehendem hermelinbesetzten Mantel vor einer Festung und dramatischem Himmel (28 000). Im Auftrag der Londoner Tate fertigte Roy Lichtenstein 1967 eine zweiteilige Farboffsetlithographie nach dem Gemälde-Diptychon an, das die Galerie vier Jahre zuvor von ihm erworben hatte: „Whaam!“ heißt die im Comic-Stil erdachte Farbexplosion und liegt in einem Exemplar der ersten Auflage vor (8500). Eines der teuersten Lose der Auktion ist ein Frühwerk des später Blut-und-Boden-nahen Arno Breker: „Der Flehende“ entstand 1929 während seiner Pariser Jahre, als ihn Maillols und Rodins Arbeiten nachhaltig beeindruckten. Die mit 187 Zentimetern lebensgroße Bronze mit schöner Patina soll 95 000 Euro kosten.

          Museales findet sich auch in der üppigen Silber-Abteilung am 10. September, darunter eine seltene Prunkkanne des Augsburger Meisters Johann Erhard Steiger, um 1670, teilvergoldet und mit Reliefporträts römischer Kaiser und vollplastischen Figuren eines Knaben und der Kriegsgöttin Bellona (36 000).

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