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Auktionen bei Koller : Die Anmut der Frauen

  • -Aktualisiert am

Koller in Zürich versteigert am 29. und 30. Juni Schweizer Kunst sowie Werke aus Moderne und Gegenwart und Grafiken. Darunter finden sich einige Schätze. Ein Blick auf das Angebot.

          Die Leserin lehnt anmutig auf der Seite, vertieft in die Lektüre des Buchs, das aufgeschlagen vor ihr liegt, während die Sonne ihren Körper bescheint. Der weibliche Akt „La lettrice“ ist das zweite von insgesamt drei Werken Giovanni Giacomettis, die eine lesende Frau zum Motiv haben. Das Ölgemälde aus dem Jahr 1912 ist mit einer Erwartung von 250.000 bis 350.000 Franken das teuerste Los in der Auktion mit Schweizer Kunst am 29.Juni bei Koller in Zürich. Ähnlich farbenfroh und verträumt wie Giacomettis Leserin ist sein Bild „Fienagione (Heuernte)“, das 1932 entstand (Taxe 120.000/180.000 Franken).

          Albert Anker ist unter anderem mit einem „Mädchenbildnis“ von 1862 vertreten, dem die tragische Geschichte eines Schulmädchens zugrunde liegt, das sich durch eine Verletzung an einem Dorn eine Blutvergiftung zuzog und noch im Kindesalter starb (200.000/300.000). Heiterer wird es bei Willy Guggenheim alias Varlin, der 1958 den „Hund auf dem Sessel“ malte; die Rückseite ziert ein „Mädchen auf dem Schaukelpferd“ (50.000/80.000).

          Neben der Schweizer Kunst kommen bei Koller am selben Tag auch Werke des Impressionismus und der Moderne unter den Hammer. Spitzenlos dort ist – mit der Erwartung einer Taxe von einer bis zwei Millionen Franken – das farbstarke Ölgemälde „Rouge et Jaune (L’Égyptienne)“: Die Schönheit der Ägypterin, die Kees van Dongen 1910/11 auf die Leinwand bannte, scheint den Betrachter geradezu in das Bild hineinzuziehen.

          Im folgenden Jahr 1912 malt Van Dongen für „L’Ânier (L’Ânier de Scheveningen)“ einen Mann und ein Mädchen, die auf Eseln am Strand entlangreiten. Das Mädchen ist vermutlich seine eigene Tochter Dolly, die der Künstler häufig porträtiert hat (400.000/ 600.000). Ernst Ludwig Kirchner ist unter anderem mit den zwei zusammengefügten Holzreliefs „Tanz zwischen den Frauen. Alpaufzug auf die Stafelalp“ von 1919 (250.000/450.000) vertreten und mit der rotbemalten Holzplastik „ObstschaleII“ von 1910 (100.000/200.000).

          Am 30. Juni dann versteigert Koller zeitgenössische Kunst, darunter die pastellfarbene Plastik „Kiss#14“, die John Chamberlain 1979 aus bemaltem Stahl geschaffen hat (250.000/350.000). In warmen Tönen gehalten sind Mark Tobeys „Western Pagodas“, die er 1953 mit Temperafarben auf Karton brachte (150.000/250.000). Ein ausgesprochen komplexes Werk ist „Double Human Figure“ von Xia Xiaowan: Auf vierzehn getönten Glasscheiben, die hintereinandergestellt sind und so die Illusion der Dreidimensionalität erzeugen, hat der chinesische Künstler 2009 mit Bleistift die atemberaubend raumgreifende Darstellung mehrerer ineinander verschlungener Körper gezeichnet (80.000/140.000).

          Ebenfalls am 30.Juni kommen Graphiken und Multiples zum Aufruf. Teuerstes Los ist Franz Gertschs eindrucksvoller Holzschnitt „Dominique“ (120.000/ 180.000), gefolgt von einigen Lithographien Picassos, darunter die hübsche „Femme au corsage à fleurs“ von 1958 (70.000/90.000). Neben Picasso ist Keith Haring mit acht Losen am häufigsten vertreten, zu denen seine Farbserigraphie „Statue of Liberty“ von 1986 gehört (30.000/40.000).

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