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Vorschau Van Ham : Der Dom auf Wawaholz

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Vorschau auf Moderne und Gegenwart bei Van Ham in Köln.

          2 Min.

          Beschwingter Rhythmus und die Harmonie austarierter Stimmlagen: in konzertanter Manier komponierte Ernst Wilhelm Nay 1960 sein Gemälde „Chorisch Grau“ in Öl auf Leinwand. Es steht am Ende seiner „Scheibenbilder“ und kommt jetzt aus der Sammlung des 2013 gestorbenen Kölner Kunsthändlers, Sammlers und Verlegers Gerhard F. Reinz; die Erwartung liegt bei 300.000 bis 500.000 Euro. Mit der Sammlung des Mitbegründers des Kölner Kunstmarkts und Art-Basel-Teilnehmers der ersten Stunde kommt bei Van Ham am 29. Mai ein Stück Kölner Kunstgeschichte zum Aufruf. Ein Lieblingsstück von Reinz war George Rickeys bis zu 315 Zentimeter hohe filigrane Edelstahlskulptur „Four open rectangles diagonal jointed III“ von 1988 (Taxe 60.000/80.000 Euro). Reinz’ Vorliebe galt Papierarbeiten und der Zusammenarbeit mit dem unnahbaren Salvador Dalí. Davon zeugt die 1963 entstandene Suite von 98 Farbxylographien zu Dantes „La divine comédie“, für die Dalí jedes Blatt mit Farbstift signierte (Auflage 3; 30.000/40.000).

          Mit den 42 Farblithographien von „Daphnis et Chloé“ und den 23 Blättern von „Le cirque“ kommen zuvor in der Moderne-Auktion zwei Graphik-Werke von Marc Chagall zum Aufruf (Taxe je 100.000/150.000 Euro). Die „Blume im Maerz“, die Paul Klee 1931 in Aquarell und Tusche auf Velin malte, war bis 1938 in der Sammlung Daniel-Henry Kahnweiler, dann unter anderen bei Serge Sabarsky (150.000/200.000). Das frühe Ölgemälde „Kopf eines sitzenden Mädchens, nach links“ zeugt von dem Einfluss, den der Realismus auf Paula Modersohn-Becker noch um 1898 ausübte, als sie sich gerade in der Worpsweder Künstlerkolonie niedergelassen hatte (100.000/150.000). Renoir malte auf 24 mal dreißig Zentimetern Leinwand genialisch seine „Jeune fille assise dans un jardin“ (80.000/120.000). Erotisch aufgeladen steht Kees van Dongens „Femme nue au lierre“ da, die er 1908/10 auf zwanzig Majolikakacheln bannte (70.000/100.000).

          Die Sektion der Kunst nach 1945 wird einmal mehr von den Nagelbildern Günther Ueckers dominiert: Eine „Spirale“ von 2001, die einen orkanartigen Sog entwickelt, hofft auf ein Ergebnis im Bereich von 500.000 bis 700.000 Euro. Für die an eine zerzauste Rasenfläche erinnernde, dicht benagelte Arbeit „Wind“ von 1997 lautet die Taxe 400.000 bis 600.000 Euro. Zur Spitze zählt auch eines der kleinformatigen Ölbilder auf Alucobond aus Gerhard Richters „Fuji“-Serie von 1996 (300.000/500.000). Es folgen in der Preisliste Sean Scullys „Small Union Yellow“ von 1997 (180.000/ 240.000) und Tony Craggs 150 Zentimeter hohe biomorphe Bronze „Eye to Eye“, gegossen 2005 ((180.000/ 240.000). Ein 1987 entstandenes Kissenbild Gotthard Graubners in leuchtendem Orange firmiert mit 100.000 bis 150.000 Euro.

          Bei den Zeitgenossen am selben Tag setzt das Haus diesmal auch auf den boomenden Markt mit Kunst aus China. Ding Yi schafft mit „Ohne Titel (Appearance of Crosses)“ von 2005 (100.000/150.000) eine aktuelle Form der Kreuzverehrung: Im strengen Raster des Kreuzes kartographiert der Künstler aus Schanghai die Oberfläche von Tartanstoff und erweckt Assoziationen an mathematische Formeln und QR-Codes. Bei Lijun Fangs unbetitelter Arbeit von 2002 schwebt ein auf Blüten gebettetes Kleinkind über sich auftürmenden wogenden Wolken (70.000/90.000). Höchstdotiertes Los der Sektion ist ein unbetiteltes Großformat von Karin Kneffel aus dem Jahr 2016 (120.000/180.000). In fotorealistischer Manier führt es in das Franz Marc Museum in Kochel am See. Spiegelungen und Überlagerungen lassen den Ausstellungsraum aber wieder ins Schemenhafte entgleiten. Stefan Balkenhols zwei Meter hohes „Ohne Titel (Kölner Dom)“ von 2004 (60.000/80.000) ist auf Wawaholz gemalt, was ihm seine dreidimensionale Qualität verleiht.

          Die untere Gesamtschätzung aller Auktionen liegt bei rund 8,6 Millionen Euro. Gut eine weitere Million Euro soll die angeschlossene Auktion der SØR-Rusche-Kollektion mit 133 Losen einspielen, angeführt von Neo Rauchs Ölgemälde „Pendel“ von 2009 (70.000/10.000) und mit fünf Arbeiten Norbert Biskys, darunter „Painting“ und „Explorer“, beide von 2008 (Taxe je 30.000/50.000 Euro).

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