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Vorschau Lempertz : Schwarze Säulen, ineinander verschlungen

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Vorschau Moderne und Gegenwartskunst bei Lempertz in Köln.

          Jahr für Jahr zog es Max Liebermann im Sommer aus Berlin in die Niederlande, wo er nicht nur die alten Städte, sondern auch das mondäne Seebad Scheveningen verehrte. Erich Hanke hält dazu 1914 fest, dass die Beziehung des Künstlers zu diesem Land „ebenso rätselhaft, wie von elementarer Kraft“ sei. Davon zeugen zwei Gemälde, die das Kölner Auktionshaus Lempertz in der Auktion mit moderner Kunst am 31.Mai anbietet. Das Freizeitvergnügen junger Frauen um die Jahrhundertwende zeigt das in Pastelltönen gehaltene Gemälde der „Dame in rosa Kleid auf weißem Esel“ von 1901 (Taxe 100.000/120.000 Euro). Liebermanns Augenmerk gilt dem steten Trott des Tieres vor der unruhigen Brandung des Meeres. Acht Jahre später malt er die 125 mal 175 Zentimeter große „Judengasse in Amsterdam“, die Einblick in das geschäftige Treiben des jüdischen Viertels gibt. Versehen mit einer Erwartung von 600.000 bis 800.000 Euro, ist das Bild von 1909 das Hauptlos des Frühjahrs.

          „Das Gustav Finzlerbild“ von Kurt Schwitters, entstanden 1926 bis 1936, wirkt wie die Vorwegnahme der Hard-Edge-Malerei kommender Jahrzehnte. Die Assemblage aus Ölfarbe und Holz spielt mit kubischen Formen und Oberflächenstrukturen (400.000/600.000). Eine Collage Schwitters’ „Ohne Titel (Counterfoil)“ von 1942/45 greift seine Exilerfahrung auf: „Counterfoils“ heißen die Kontrollabschnitte der Post für seine Briefe in die Heimat (300.000/ 500.000). Jawlenskys farbenfroher Mädchenkopf „Helle Erscheinung“ aus dem Jahr 1916 ist auf 300.000 bis 500.000 Euro geschätzt. Zu den höher taxierten Losen gehören auch Picassos Farbkreidezeichnung „Deux Pigeons“ von 1946 aus einer Schweizer Sammlung (180.000/ 220.000), Ernst Wilhelm Nays expressiv innige „Elch und Elchkuh“ von 1935 (160.000/180.000) und Lovis Corinths geradezu wilde „Blumen in Vase“ von 1923 (150.000/200.000).

          Die Zeitgenossen, die, präsentiert in zwei Katalogen, am 1.Juni zum Aufruf kommen, führt Tony Craggs unikate Bronze „Runner“ von 2014 an, beziffert auf 300.000 bis 400.000 Euro: Wie im Rausch verschlingen sich zwei dynamisch aufstrebende, schwarz patinierte Säulen ineinander. Leuchtend rot ist Gerhard Richters gerade 21 mal 29,5 Zentimeter große „Ölskizze“ von 1998 (300.000/350.000); sein noch etwas kleineres Aquarell „7.4.1988“ auf Papier dominieren Gelbtöne (120.000/150.000). Heinz Macks Aluminiumgitter-Arbeit „Silberfächer“ von 1967 scheint die Strahlen des Lichts vielfach zu brechen (200.000/300.000). Von definierten Farbflächen ist Kenneth Nolands Acrylbild aus dem Jahr 1976 beherrscht, auch wenn der Titel des großformatigen Shaped Canvas „Immingle“ (Vermischen) anderes erwarten lässt (180.000/ 220.000). Günther Förg experimentiert auf seinem 420-Zentimeter-Breitformat „Ohne Titel“ 1998 mit der Dynamik sich scheinbar bewegender roter und schwarzer Flächen (250.000/350.000). Auf seinen „Linien Nr.34“ von 1985 lässt Zdeněk Sýkora, der tschechische Hauptvertreter der Konkreten Kunst, farbige Kurven sich bewegen (150.000/200.000).

          Lempertz zielt mit diesen insgesamt 582 Losnummern auf ein Ergebnis von 10,7 Millionen Euro. Daneben werden am 31.Mai 202 Positionen Fotografie offeriert, an der Spitze zwei Abzüge des österreichischen Fotopioniers Heinrich Kühn: das Porträt des nachdenklichen Edward Steichen von 1907 (20.000/30.000) und die Hafenszene „In Bacino di San Marco, Venezia“, als Gummidruck, um 1898 ausgeführt (20.000/30.000).

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