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Vorschau Ketterer : Alles ohne nichts

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Münchner Vorschau: Ketterer erwartet für 775 Lose mit Moderne und Zeitgenossen 21 Millionen Euro.

          3 Min.

          Ketterers Auktion Moderner Kunst geht am 7. und 8.Juni in München mit insgesamt 775 Losen an den Start, die untere Gesamttaxe liegt bei 21 Millionen Euro. Erstmals ist ein „Evening Sale“ für die Hauptlose von Klassischer Moderne bis zur Gegenwartskunst angesetzt, er bringt 97 Werke aufs Pult. Den Spitzenplatz belegt Kandinskys „Treppe zum Schloss (Murnau)“ von 1909. Bis vor kurzem galt das expressive, farbfunkelnde Frühwerk als verschollen; zuletzt war es 1916 auf einer Ausstellungstournee öffentlich zu sehen, die Herward Waldens Galerie „Der Sturm“ veranstaltete. Gekauft hat es dann der niederländische Künstler, Kunstpädagoge und -händler Paul Citroen, später gehörte es dem jüdischen Musiker Paul F.Sanders, der die Nationalsozialisten im Untergrund überlebte, während seine Sammlung von Willem Sandberg, dem Vizedirektor des Amsterdamer Stedelijk Museum, versteckt wurde. Sanders nahm das Treppenbild 1946 mit nach New York: Bis jetzt, wo es mit einer Taxe von 1,5 bis 2,5 Millionen Euro antritt, gehörte es seinen Nachfahren. Zu den Highlights jungen Datums zählt Daniel Richters „Alles oder nichts“ von 2006/07 (Taxe 250.000/350.000 Euro). Der auf drei Meter Breite angelegte Sprung eines Knochenmanns auf eine engelsgleiche Gestalt geschieht vor einer dichten Reihung kleiner Farbfelder, einer klaren Anspielung auf Werke vom Namensvetter Gerhard Richter. Dessen „Portrait Karl-Heinz Hering“ von 1968 versucht sich, nicht mehr ganz marktfrisch, mit einer gestutzten Taxe von 300.000 bis 400.000 Euro.

          Zurück zur Klassischen Moderne: Hier kann Franz Marcs großformatige lavierte Kohlezeichnung „Zwei Pferde“, die einzig erhaltene Vorarbeit zum zerstörten Bild „Streitende Pferde“, mit 300.000 bis 400.000 Euro rechnen. Zur gleichen Schätzung wirbelt Kirchners „Drehende Tänzerin“ um die eigene Achse, in Öl gemalt 1931/32 und übergeben seinem Arzt und Förderer Frédéric Bauer. Mit „Knabe in der Tram“ schuf Erich Heckel 1912, also kurz nach der Dresdner Brücke-Zeit, in Berlin ein ernstes, fast melancholisches Bildnis eines Jungen, das als Leihgabe in Kunstmuseen von Wuppertal und Chemnitz gastierte (150.000/250.000). Jawlenskys „Abstrakter Kopf (Poesie des Morgens)“ befand sich lange in der Ströher-Sammlung (200.000/300.000), und El Lissitzkys wunderbare suprematistische Mappe zu einer „Elektro-mechanischen Schau“ punktet mit Sammlung-Neuerburg-Provenienz und seltener Vollständigkeit (120.000/150.000). Nays großer Auftritt mit fünf Bildern gipfelt im dynamischen „Mit gotischem Rot“ aus der Werkgruppe der „Augenbilder“ (250.000/ 350.000), gefolgt vom vielfarbig aufgemischten „Lob des Grau“ von 1952 (200.000/300.000). Andy Warhol wählte blauen Grund für eine grünäugige Lady, vermutlich eine New Yorkerin, die ihm 1985 Modell saß (400.000/600.000).

          Sechs „Hasensteinen“ von Joseph Beuys, vier der großen und zwei der kleineren Exemplare aus den Gesamtauflagen von je sieben Basaltbrocken, die Beuys mit Hasenmotiven in Goldfarbe besprühte, gilt eine Schätzung von 300.000 bis 400.000 Euro. Weiter gesellt sich zu einer kleinen Skulpturen-Auswahl, darunter Werke von Max Beckmann, Georg Kolbe, Karl Hartung, Jacques Lipchitz, Stephan Balkenhol und Anish Kapoor, Günther Uecker mit einem „Baum“, vulgo Holzklotz, den er 1988 igelartig benagelte (400.000/600.000). Sein Nagelfeld „Ohne Titel“ aus dem Jahr 1965 kommt erstmals auf den Markt (250.000/300.000 Euro). Auch Baselitz fehlt nicht. Seine starke frühe, nämlich 1964 in rot-gelber Palette auf Bütten ausgeführte Mischtechnik zeigt im Vordergrund eine rätselhafte Gruppe liegender Menschen und Stämme (100.000/150.000).

          Sowohl die Partie „Klassische Moderne“ wie die „Kunst nach 1945, Contemporary Art“ bündeln Angebote im fünfstelligen Preisbereich. Vom Katalogtitel der Moderne schaut dandyhaft mit Zigarette Robert von Mendelssohnd.J., ein Spross der bekannten Bankiersfamilie; das eindrückliche Porträt in neusachlichem Stil schuf die ungarische Malerin Ilona Singer 1928 in Berlin. Die bewegte Geschichte des zeitweise vom Jüdischen Museum Prag bewahrten Bildes vermerkt eine gütliche Einigung mit den rechtmäßigen Erben (14.000/ 18.000). Die Nachkriegsjahrzehnte stehen gut da mit Vertreten des Informel wie Hans Hartung oder dem Abstrakten Expressionisten Sam Francis, auch Zero-Kunst kommt wieder nicht zu kurz. Zu beachtlichen Papierarbeiten zählt Klaphecks Vorzeichnung zu „Der verhinderte Apostel“ aus dem Nachlass von Rolf-Gunter Dienst (20.000/30.000) oder Warhols „Love“, eine Farbseriegraphie über Papiercollage (60.000/ 80.000). „Naomi Campbell as Maria Magdalena“ aquarellierte Marlene Dumas (18.000/24.000). Von Thomas Ruff steht das „Porträt (Anna Giese)“, eines seiner zwei Meter hohen Bildnisse, bereit (Auflage 4; 25.000/35.000). Als Vertreter jüngerer Jahrgänge sei der 1973 geborene André Butzer genannt, von ihm gibt es das Ölbild einer drolligen großäugigen Figur mit bunten Masken (30.000/40.000). Und neu im Ketterer-Programm sind die Partie „Limited Editions“ und auch eine Runde für „Young Collectors“, für Einsteiger mit Taxen von 2000 Euro an.

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