https://www.faz.net/-gqz-9njmc

Vorschau Dorotheum : Den Avantgarden treu

  • -Aktualisiert am

Vorschau auf Moderne und Gegenwart im Dorotheum.

          Seit ihrer Rolle in „Der Zauberer von Oz“ 1939 gilt die Schauspielerin Judy Garland als amerikanische Ikone. Für den Liebhaber der Stars Andy Warhol war es ein besonderes Erlebnis, Garland 1965 kennenzulernen. Später befreundete er sich mit ihrer Tochter Liza Minelli, die der Popkünstler im Nachtclub „Studio54“ traf. Warhol fertigte Einzelporträts der Hollywood-Stars an, aber er reproduzierte 1978 auch dreizehn Fotos der beiden in seinem Siebdruck „Judy Garland and Liza Minelli“. Die Zeitgenossen-Auktion im Wiener Dorotheum am 5. Juni führt nun eine Schwarzweißversion dieses in drei Ausführungen bekannten Bildes mit einer Schätzung 280.000 bis 420.000 Euro im Angebot. Aus Übersee gibt es sonst nur wenige Lose, etwa Carl Andres minimalistische Betonskulptur „Lockblox“ (Taxe 150.000/ 200.000 Euro) und Alex Katz’ Strandbild „Saturday4“ (30.000/50.000).

          Generell bleibt das Dorotheum seinem Stammgebiet der europäischen Nachkriegsavantgarden treu. Den Auftakt machen drei Bilder von Jean Dubuffet aus einer Privatsammlung: Spitzenlos dabei ist das Ölbild „Bon espoir (Paysage avec personnages)“, das den grobschlächtigen Art-Brut-Gestus 1955 feiert; das 88 mal 115 Zentimeter große Querformat zeigt Figurensilhouetten wie Spuren im Teer (300.000/400.000). Poetisch hingegen wirkt die Assemblage „Buisson au papillon“, für die Dubuffet Blätter zu Schmetterlingen formte (100.000/150.000). Seine kleine Tintenzeichnung „Tête“ entstand 1960 (70.000/100.000). Kraftvoll und doch präzise hämmerte Günther Uecker 1970 seine „Reihung“; er wollte dem Betrachter damit eine Raumerfahrung „purer objektiver Ästhetik“ verschaffen: Mit der Taxe von 400.000 bis 600.000 Euro ist das charakteristische Nagelbild das teuerste Los. Mit Feuer rückte Otto Piene 1964 einer brandroten Leinwand „Ohne Titel“ zuleibe; für Glanz neben dem rußschwarzen Fleck sorgt eine im unteren Eck applizierte Perle (180.000/ 220.000).

          Unter den Gemälden aus Italien besticht Piero Dorazios Komposition „Turris eburnea“ von 1957, eine blau-weiße Gitterstruktur, die übersetzt „Elfenbeinturm“ heißt (180.000/260.000). Eine Anmutung von Fetisch verströmt Agostino Bonalumis schwarzglänzendes Fiberglas-Wandobjekt „Nero“ von 1969 (80.000/ 120.000). Arnaldo Pomodoros gesockelte Bronze „Disco in forma di rosa del deserto, studioI“ wurde 1993/94 in einer Edition von sechs produziert (200.000/ 300.000). Als „Sailor“ bezeichnete Franz West 1975 eine rotgrundierte Collage mit drei pinkelnden Hutträgern (40.000/ 70.000). Von Hermann Nitsch, dem die Albertina derzeit eine große Schau widmet, stammt ein drei Meter breites „Schüttbild“, das der Aktionist auch in Grün übergossen hat (40.000/60.000).

          Den Katalog der Modernen Kunst schmückt das Bild „Revolving doors II long distance“ von Man Ray. Er schuf die leuchtenden „Drehtüren“ zuerst 1916/17, als eine Serie von Buntpapiercollagen, und malte sie dann 1942 in Öl: Aus den Formen, die an seine Rayographien denken lassen, spricht eine tänzerische Dynamik (140.000/180.000). Die Bewegung im Bild beschäftigte auch den Futuristen Giacomo Balla, von dem das Dorotheum vier sehr unterschiedliche Arbeiten zu bieten hat: Mit dem starken Selbstporträt „Autosmorfia“ von 1900 schreibt sich Balla in eine expressive Tradition nach Courbet ein (80.000/120.000). Wohl um 1918 entstand die mit Öl auf Naturleinwand produzierte Landschaft „Primavera a Villa Borghese“, die figurativen Jugendstil mit biomorphen Formen verbindet (300.000/ 400.000). In der kleinen Komposition „Forze spaziale“ hat Balla 1919 die Gegenständlichkeit hinter sich gelassen (30.000/40.000).

          Mit der höchsten Taxe der Moderne geht ein Aquarell von Paul Cézanne ins Rennen; die in Grau gehaltene „L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan“ von 1890/95 erzeugt mit einfachen Mitteln Tiefenillusion (280.000/350.000). Ins strahlendweiß verschneite Gebirge geleitet Alfons Walde mit seinen „Almen im Schnee“ (120.000/180.000) und dem „Hof am Wilden Kaiser“ (250.000/380.000). Eine Küstenlandschaft samt weiblichen Reizen hat Max Pechstein 1923 mit seinem „Jungen Mädchen am Meer“ in leuchtende Farben gehüllt (180.000/250.000). Auch der Surrealismus hat seinen Auftritt: André Massons rot-schwarzes Ölbild „Le braconnier“ (Der Wilderer) inszeniert einen semiabstrakten Tumult (70.000/ 100.000), während „Enfant effrayé par les ombres de la guerre“ von 1943 graphische Kürzel setzt (50.000/70.000). Unter den Skulpturen berührt Marino Marinis Bronze „Piccolo cavallo“ von 1943, das an frühe chinesische Kunst erinnert (Auflage 5; 120.000/180.000); seinen „Piccolo cavaliere“ schuf er in Keramik (80.000/ 120.000).

          Weitere Themen

          „Ich hatte viel Bekümmernis“ Video-Seite öffnen

          Gaechinger Cantorey : „Ich hatte viel Bekümmernis“

          Die Gaechinger Cantorey führt bei ihrer Bach-Pilgerreise in der Stadtkirche zu Weimar mit dem Schlusschor die Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ BWV 21 von Johann Sebastian Bach auf.

          Das Ende der Metapher

          Amanda Palmers Tour : Das Ende der Metapher

          Amanda Palmer, einst Sängerin der Dresden Dolls, tourt mit einem therapeutischen Sitzkonzert. Es geht um tote Babys und um Mitgefühl. Und alles hat mit Trump zu tun.

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.