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Vorschau: Sotheby’s Christie’s : Christus, Prinzessin und Prinz

Auf einem Christusgemälde traten jüngst einzigartige Spuren Rembrandts zutage. Bei den Auktionen von Alten Meistern in London liegt das Werk unter dem Hammer.

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          Die 25,5 × 20 Zentimeter kleine Ölstudie auf Eichenholz zeigt den Kopf eines jungen Mannes mit gefalteten Händen in der Haltung von Christus im Gebet. Sie gilt als eigenhändiges Werk von Rembrandt und war 2011/12 im Pariser Louvre, in Philadelphia und in Detroit in der Ausstellung „Rembrandt und das Gesicht Jesu“ zu sehen. Vom Oktober 2016 bis zum Juli 2018 hing sie als Leihgabe im Rembrandthuis in Amsterdam.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Jetzt kommt das innige Bildnis am 5. Dezember in London zur Versteigerung, als Spitzenlos der Abendauktion mit Alten Meistern bei Sotheby’s; es trägt eine Schätzung von sechs bis acht Millionen Pfund. Die Tafel war seit gut sechzig Jahren nicht mehr auf dem Markt, und sie weist zudem eine wirkliche Besonderheit auf: Bei der intensiven Prüfung für die Schau 2011/12 traten am unteren Rand, unter späteren Übermalungen und Lackschichten, zwei Daumenabdrücke zutage, die der Künstler in der noch feuchten Farbe hinterließ. Sie dürften mithin als die einzigen bisher bekannten, von Rembrandt hinterlassenen Fingerspuren gelten. Die Studie gehört in dieselbe Serie wie sein identisch großer „Christuskopf“ in der Berliner Gemäldegalerie. Rembrandt malte diese Bildnisse von Jesus in seiner Gestalt als Mensch nach dem Modell eines jungen jüdischen Mannes aus seiner Amsterdamer Nachbarschaft, das Werk jetzt bei Sotheby’s zeigt ihn mit zum Gebet geschlossenen Händen.

          Das am zweithöchsten taxierte Los bei Sotheby’s ist Anthonis van Dycks knapp 160 Zentimeter hohes Ganzporträt des Prinzen Karl von Wales, später König Karl II. Wahrscheinlich im Auftrag seines Vaters, des englischen Königs Karl I., entstand das Ölgemälde auf Leinwand im Sommer von van Dycks Todesjahr 1641. Es war seit Jahrzehnten nicht mehr im Handel; die Erwartung liegt bei zwei bis drei Millionen Pfund. Nicht ohne einen gewissen Charme ist die Losnummer vier, ein „Brustbildnis Christi“, wohl um 1510, aus dem Umkreis des Leonardo da Vinci und bisher keinem Schüler zugeschrieben (Taxe 250.000/350.000 Pfund). Wenngleich nicht von solcher Intensität, erinnert das Ölbild auf Holz natürlich an jenen „Salvator Mundi“, der – freilich als Werk Leonardos bezeichnet – vor einem Jahr bei Christie’s für die berühmten 450 Millionen Dollar an das Ministerium für Kultur und Tourismus Abu Dhabi verkauft wurde, seither aber leider nicht zu sehen ist.

          Bei Christie’s am 6. Dezember sind die beiden Porträts eines Mannes von 37 Jahren und einer Frau von 36 Jahren vom Niederländer Frans Hals am höchsten bewertet. Sie kommen jetzt, zusammen mit 39 weiteren Losen, aus der Sammlung Eric Albada Jelgersma. Bereits am Markt bekannt, gilt den je 93 Zentimeter hohen Dreiviertelporträts als Paar eine Taxe von acht bis zwölf Millionen Pfund.

          In der regulären Abendveranstaltung kann der Aufruf von van Dycks Porträt der Prinzessin Maria, der Tochter von König Karl I., interessant werden: Ebenfalls 1641 entstanden und mit identischen Maßen wie das Porträt ihres zwei Jahre älteren Bruders Prinz Karl bei Sotheby’s, nennt Christie’s als erste Provenienz den vermutlichen Auftrag des Statthalters der Vereinigten Niederlande, Prinz Wilhelm von Oranien, der seit Mai 1641 Marias Ehemann war. Zuletzt 1989 in London versteigert, ist die neun Jahre alte Prinzessin in ihrem prächtigen rosafarbenen Kleid mit einer Schätzung von fünf bis acht Millionen Pfund versehen.

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