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Auktionen bei Karl & Faber : Malerstamm-Kurt am Tatort

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Violetter Himmel, grüner See: Beim Auktionshaus Karl & Faber spielt der Expressionismus die Hauptrolle. Auch Gegenwartskunst wird in München geboten - wie etwa eine Stahlplastik John Chamberlains.

          In der dichtbesetzten Münchner Frühjahrsrunde versteigert Karl & Faber am 11. Juni zeitgenössische Werke, gefolgt von Moderner Kunst am 12. Juni, in je zwei Auktionen pro Tag. Das am höchsten bewertete Glanzstück wird Rupert Keim am zweiten Abend aufrufen: Hermann Max Pechsteins „Vor dem Bad“ zeigt seine erste Frau Lotte und beider Sohn Frank nackt am Strand von Nidden an der Kurischen Nehrung, wo die Familie den Sommer 1919 verlebte. Pechstein schuf in jenem Sommer viele Figurenbilder in einer, wie er es empfand, „noch nicht verfälschten Einheit von Mensch und Natur“; das jetzt angebotene Exempel zielt auf 600.000 bis 800.000 Euro.

          Hauptrollen in dieser Partie Klassischer Moderne spielen viele Werke mit einstiger Provenienz aus der Expressionismus-Sammlung des Herforder Textilfabrikanten Jan A. Ahlers. Die „Schauspielerin“ vor schillernder Kulisse, die Nolde in einer von Max Reinhardt spendierten Loge im Berliner Theater aquarellierte, gehört dazu (Taxe 90.000/100.000), ebenso ein mandeläugiges Frauengesicht aus Jawlenskys Werkreihe der „Mystischen Köpfe“ (80.000/100.000) oder die flinke Kompositionsskizze von Otto Dix für sein berühmtes Porträt des Kunsthändlers Flechtheim (30.000/35.000) - und nicht zuletzt Kandinskys selten angebotene Mappe „Kleine Welten“ (130.000/180.000).

          Auch ein Sonderkatalog exquisiter Druckgraphik des deutschen Expressionismus soll die Rolle des Hauses im Bereich von Arbeiten auf Papier unterstreichen; die Mehrzahl der rund siebzig Blätter befand sich ebenfalls in der Ahlers-Kollektion, so das Hauptstück, Kirchners Farbholzschnitt weißer Boote auf grünem „Müggelsee“ unter violettem Himmel von 1912: Der Künstler notierte „Eigendruck“ am Rand dieses einzigen Abzugs des ersten Zustands (100.000/120.000). Auch sein berühmtes Porträt vom vollbärtigen Frankfurter Kunsthändler Ludwig Schames als Exemplar, das als Erster der Hamburger Expressionismus-Förderer Gustav Schiefler besaß, zeichnet Ahlers-Herkunft aus (45.000/55.000), ebenso Heckels große „Stehende“, 1912 in Holz geschnitten und aquarelliert (60.000/70.000). Franz Marcs früher Lithographie „Pferde in der Sonne“ gilt eine Schätzung von 18.000 bis 24.000 Euro. Doch es gibt auch einige günstigere Blätter, die Taxen beginnen bei 500 Euro.

          Auf dem Katalog der Gegenwartskunst, bei der Karl & Faber erheblich zulegen konnte, kündigt John Chamberlains „Olympus Photo“ - eine teilweise bemalte Edelstahlplastik aus der Schrottpresse (200.000/300.000) - Skulptur und Objekt als Schwerpunkt des ersten Auktionstags an. Ueckers Nagelobjekt „Tatort“, entstanden 1981 anlässlich der Ausstellung „Schwarz“ in der Kunsthalle Düsseldorf, dürfte dabei bestens abschneiden (70.000/80.000). Hoch hinaus will mit 150.000 bis 200.000 Euro Chillidas „Oxido“, ein Kubus aus schamottiertem Steinzeugton mit Kupferoxid-Zeichnung. Nur vier Exemplare fertigte Roni Horn von ihrer Installation „Doubt by Water“, sechs Aluminiumstelen als variabel aufstellbare Träger großer Jünglingsporträt- und Landschaftsfotos (60.000/70.000). Aus ebenfalls kleinen Auflagen kommen Immendorffs Affenbronze „Malerstamm-Kurt“ (40.000/50.000) und Ólafur Elíassons interaktives Angebot „Your Orientation Maintenance“ (40.000/50.000).

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