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Londoner Auktionen : Es lässt sich doch einiges machen

  • -Aktualisiert am

Die Auktionen mit Alten Meistern bei Sotheby’s und Christie’s während der Londoner „Classic Week“ sehen vielversprechend aus. Eine Vorschau.

          Vor einigen Jahren machten die amerikanische Popsängerin Beyoncé und ihr Rapper-Ehemann Jay-Z Schlagzeilen, als sie sich vor der Mona Lisa fotografieren ließen. Mit dem Hauch eines Lächelns in ähnlicher Pose, wie die rätselhafte Frau des Leonardo da Vinci, beanspruchte Beyoncé den gleichen ikonischen Status. Jetzt hat das Paar seiner Phantasie freien Lauf im Louvre gelassen. Das Museum gewährte ihm Zugang für ein spektakuläres Video zu dem Lied „Apeshit“ aus dem kürzlich lancierten Album von Beyoncé und Jay-Z (F.A.Z. vom 23. Juni). Darin tanzen und rappen sie in beziehungsreicher Kostümierung vor einigen der berühmtesten Schöpfungen des westlichen Kanons wie der Nike von Samothrake, Géricaults „Floß der Medusa“ oder der Kaiserkrönung Napoleons von Jacques-Louis David. Jedes Werk ist gewählt und jede Einstellung gefilmt worden, um auch eine Botschaft weiblicher Selbstermächtigung zu vermitteln. „I can’t believe we made it“, lautet der Refrain des Songs.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Keine Werbeaktion für den Louvre könnte derart triftig vorführen, dass die Alte Kunst cool sein kann. Wie die Museumswelt ist auch der Altmeisterhandel darauf bedacht, der Wahrnehmung entgegenzuwirken, dass seine Ware die Domäne verstaubter Kunsthistoriker und Sammler wäre.

          Dafür sind bis 6. Juli mehr Bespiele denn jemals zuvor während der Londoner „Art Week“ zu sehen, in der Händler – unter Vereinnahmung von Museumskuratoren und Kunsthistorikern und mit anderen Attraktionen wie dem Einzelhandel und der Gastronomie – auf der „Masterpiece“-Messe in Chelsea und in den Galerien rund um St James’s immer neue Anstrengungen unternehmen, um ein breiteres Publikum für ihr Gebiet zu gewinnen. Die zum neunten Mal stattfindende „Masterpiece“, die ihre Besucher mit einer Installation der auf fünf Alabasterporträts ängstlich grimassierenden Marina Abramovic empfängt, hat ihr Konzept in diesem Jahr noch verfeinert – und damit auch die Qualität.

          „Schneeweiß, braunes Haar, ein kleines Näsel“

          Sotheby’s konnte sein Glück kaum fassen, als Victoria Beckham nach einem Bekehrungserlebnis in der New Yorker Frick Collection an das Auktionshaus herantrat, mit dem Vorschlag, eine Auswahl von Porträts aus der bevorstehenden Versteigerung von Werken Alter Meister in ihrem Londoner Kleiderladen auszustellen. Das ehemalige Spice Girl, das von der Popwelt auf die Modebranche umgesattelt hat, bekennt, vor dem Besuch der Frick Collection vor wenigen Monaten die Altmeister-Kunst nie beachtet zu haben. In ihrem Flagship-Store hat sie schon mehrere Installationen mit zeitgenössischer Kunst veranstaltet.

          Nun hängen zwischen den Kleiderstangen einige Tage lang sechzehn Bildnisse aus früheren Jahrhunderten an den weißen Wänden der ultramodernen Symphonie aus Beton und Spiegeln, geschaffen von der Architektin Farshid Moussavi. Offenbar hat Victoria Beckham mit ihrem ausgeprägten Geschäftssinn die selbstdarstellerischen Synergien zwischen Porträt und Mode erkannt.

          In dieser Auswahl finden sich einige der Spitzenlose der Abendauktion mit Alten Meistern am 4. Juli bei Sotheby’s: darunter das wohl postume Konterfei Marias von Burgund, der ob ihres Erbes begehrten Tochter Karls des Kühnen, die den Habsburger Kaiser Maximilian I. heiratete. Ihr Profil entspricht der berührenden Beschreibung ihres Ehemanns, dass sie schneeweiß sei, braunes Haar, ein „kleines Näsel“, ein „kleines Häuptel“ und braungrau melierte Augen habe. Die mitunter dem Tiroler Michael Pacher zugeschriebene Darstellung der jung Verstorbenen wird als Werk aus der niederländischen oder süddeutschen Schule mit einem oberen Schätzwert von 1,5 Millionen Pfund angeboten.

          Der Verkauf ist durch das Auktionhaus und eine dritte Person garantiert. Das gilt auch für das mit drei bis vier Millionen Pfund veranschlagte Bildnis eines venezianischen Edelmanns von Rubens, das einst in der Sammlung des Berliner Bankiers Leopold Koppel hing. Bei Victoria Beckham findet übrigens dieses, Tizian verhaftete Porträt, über dessen Datierung Uneinigkeit herrscht, besonderen Anklang.

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