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Antiquitäten in Bamberg : Aus sechs Jahrhunderten

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Bei Wenzel: Gamsweibchen, um 1520, 27,5 Zentimeter hoch (8600 Euro). Bild: Wenzel Kunsthandel

In der einzigartigen Bamberger Altstadt bleiben die 26. Kunst- und Antiquitätenwochen ihrem gewohnt hohen Anspruch treu und präsentieren ein exquisites Angebot aus Silber, Möbeln und Gemälden.

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          Das „Haus zum roten Hahn“ ist kaum wiederzuerkennen. Abgehängte Decken, Zwischenwände und alte Linoleumschichten verdeckten seine mittelalterliche Substanz, als Markus und Claudia Schmidt-Felderhoff das Gebäude in der Herrenstraße in Bambergs Altstadt kauften. Doch berufsbedingt hatten sie gleich eine Vision für dessen Potential. Jetzt, acht Jahre später, zeigt der Bau, der laut Inschrift 1307 errichtet wurde, wieder sein schönes Gesicht von einst, nachdem das Restauratoren- und Kunsthändlerpaar die Räume mit ihren schweren, sich biegenden Balkendecken und dicken Wänden aus den zahllosen späteren Schichten geschält hat. In dem Haus mit dem roten Hähnchen über der Tür, das Generationen von Krämern, Schuhmachern und viele Goldschmiede beherbergte, eröffneten Schmidt-Felderhoffs ihren Antiquitäten- und Altmeisterhandel jetzt wieder, punktgenau zu den 26. Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen; ins Schaufenster stellten sie eine Rokoko-Kommode mit intarsiertem Widderkopf-Wappen, die vom Bayreuther Hofbauschreiner Johann Spindler stammen könnte, Vater der berühmten Ebenistenbrüder (24.500 Euro).

          Ein weiteres Mal haben hier also Kunsthändler vorgemacht, wie denkmalgerechter Umgang mit Bauten der einzigartigen Bamberger Altstadt geht, die der Krieg zwar ungeschoren ließ, aber wo manches Hausinnere über die Zeiten hin entstellende Veränderungen erfuhr. Christian Eduard Franke-Landwers restaurierte bereits zwei stattliche Ensembles im Kern der UNESCO-geschützten Stadt, ein barockes sowie ein gotisches, in dem er und Christoph von Seckendorff ihren Kunsthandel konzentrieren. Über der immensen Auswahl an Objekten aus sechs Jahrhunderten lächelt in diesem Sommer Großherzogin Caroline Luise von Mecklenburg-Strelitz von der Wand. Ein unbekannter, in der Art von Johann Georg Ziesenis malender Künstler porträtierte sie um 1770 mit dem Bildnis ihrer ältesten Tochter Charlotte, einem pummeligen Kleinkind, in Händen (23.600 Euro). Aus dem umfangreichen Tafelservice von Carolines Sohn Großherzog Georg – er war das achte ihrer zehn Kinder – stammt eine Silberterrine vom Neustrelitzer Meister Petschler. Vollplastische Widder tragen das Stück von 1836, den Deckel krönt ein Löwe (56.000 Euro). Als Möbel-Highlights bietet Franke einen prächtig mit Schäferszenen dekorierten Graslitzer Aufsatzschreibschrank (325.000 Euro) an, dazu gleich drei Kommoden der von Friedrich dem Großen nach Berlin geholten Bayreuther Brüder Johann Heinrich und Heinrich Wilhelm Spindler (Preise von 136.000 bis 280.000 Euro).

          Bei Kunsthandel Franke: Silberterrine aus dem Tafelservice für Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz, Meister C. D. Petschler, Neustrelitz, 1836 (56.000 Euro).
          Bei Kunsthandel Franke: Silberterrine aus dem Tafelservice für Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz, Meister C. D. Petschler, Neustrelitz, 1836 (56.000 Euro). : Bild: Kunsthandlung Franke

          Als Generalist des Kunsthandels arbeitet auch Matthias Wenzel in seinem „Freyhaus auf dem Brand“: Ebenso wie Silber, Möbel und Alte Meister – auf Joost Cornelisz Droochsloots „Niederländischer Dorfszene“ von 1655 gibt es viele hübsche Details zu entdecken (19.800 Euro) – zeigt er ein volkstümliches „Gamsweibchen“, also ein Frauenfigürchen in Renaissancetracht als Wandschmuck mit Allianzwappen statt Rockschößen und Gamskrucken statt Beinen (8600). Schwerer Faltenwurf verhüllt die Füße einer ihr Kind bäuchlings haltenden Madonna; ein begabter Nachfolger des Südtirolers Hans Klocker schnitt sie um 1500 aus Zirbelholz und gab ihr den in sich gekehrten Ausdruck (168.000 Euro).

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