https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/vorschau-auf-die-auktion-seltener-buecher-bei-reiss-sohn-17976497.html

Auktion seltener Bücher : Fromm und expressiv

  • -Aktualisiert am

Batseba badet: Miniatur in einem Stundenbuch aus Nordwestfrankreich, um 1490, Taxe 30.000 Euro Bild: Reiss & Sohn

Lyrik von Georg Heym, illustriert von Ernst Ludwig Kircher, spätmittelalterliche Stundenbücher und frühe Wissenschaftsbände: Vorschau auf die Frühjahrsauktionen bei Reiss & Sohn in Königstein.

          2 Min.

          Ein grellgrüner Umschlag und das markante Profil einer hageren Frau: 1924 erschien im Münchner Kurt-Wolff-Verlag ein sorgfältig gestaltetes Buch: Die illus­trierte Ausgabe von „Umbra vitae“ sollte den zwölf Jahre zuvor verstorbenen Dichter Georg Heym berühmt machen. Für den Erfolg des Werks sorgten wesentlich auch die 47 enthaltenen Holzschnitte von Ernst Ludwig Kirchner, auf den die gesamte Buchgestaltung inklusive Vorgaben für Papier, Schrifttype und Satzspiegel zurückgeht. Das auf 510 Exemplare limitierte, bildkünstlerische Gesamtkunstwerk fand erst nur geringen Absatz, heute ist es auf Auktionen heiß begehrt. Die nächste Chance auf einen Zuschlag bietet sich auf der Frühjahrsauktion des Buchauktionshauses Reiss & Sohn, die vom 26. bis zum 29. April in Königstein stattfindet. Im Angebot befindet sich ein Set aus der nur auf zehn Exemplare limitierten, von Kirchner signierten Vorzugsausgabe, hier zusammen mit einer Normalausgabe und einer ersten Textausgabe aus dem Jahr 1912. Mit einer Taxe von 120.000 Euro versehen, sind die drei Bücher das teuerste Los der Auktion.

          Zuerst kommen 54 Objekte zum Aufruf, die aus dem Angebot von mehr als 2300 wertvollen Büchern, Grafiken und Landkarten herausstechen und in einem Sonderkatalog versammelt sind. Darunter befinden sich geschichtlich bedeutsame Werke wie das „Manifest der kommunistischen Partei“ von Karl Marx und Friedrich Engels als seltener Erstdruck, von dem nur 26 weitere Exemplare bekannt sind (Taxe 70.000 Euro).

          Vom Mittelalter bis zur Moderne

          Liebhaber kostbar illuminierten Pergaments können aus gleich fünf Stundenbüchern wählen: Die Handschriften aus dem Spätmittelalter sind mit Schätzungen zwischen 30.000 und 50.000 Euro versehen. Für Sammler von illustrierten Druckwerken ist der „Hortus sanitatis“ ein Höhepunkt, gilt er doch als Prototyp der botanisch-medizinischen Literatur des Mittelalters. Seine mehr als tausend Holzschnitte zeigen Darstellungen von Pflanzen, Tieren und Mineralien. Für die nicht später als 1497 erschienene zweite Ausgabe des Werks werden 40.000 Euro erwartet.

          Es folgt ein breites Angebot aus Büchern vom Mittelalter bis zur Moderne. Unter den Handschriften finden sich die schönen Studentenstammbücher von Clement du Voizy, der im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts in Marburg Rechtswissenschaften studierte. Neben Einträgen bedeutender Persönlichkeiten wie des russischen Gelehrten Michail Lomonossow, nach dem die Moskauer Universität benannt wurde, befinden sich darin auch einige Wappenmalereien, Aquarelle und Bleistiftzeichnungen (3000). Die Sektion Moderne Literatur kann mit zahlreichen illustrierten Büchern und Pressendrucken aufwarten. Eine erste Ausgabe von Stéphane Mallarmés „Pages“ enthält mit einer Radierung die einzige originale Buchillustration, die von Auguste Renoir geschaffen wurde. Das 1891 erschienene Buch soll zusammen mit einem eigenhändigen Brief des Dichters 8000 Euro erzielen.

          Zuletzt werden alte Landkarten, Fotografien und dekorative Grafiken versteigert. Drei Tafelbände enthalten mehr als zweihundert ethnologische, botanische und zoologische Zeichnungen, die auf der Forschungsreise nach Äthiopien von Théophile Lefebvre in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind (8000). Die kolorierten Kupferstich-Karten von Nordamerika (12.000) und Australien (4000) erschienen beide allein in der 1593 publizierten, letzten Ausgabe des Atlas „Speculum Orbit Terrae“ von Cornelis de Jode.

          Weitere Themen

          Finale

          FAZ Plus Artikel: FAS-Kolumne „Teletext“ : Finale

          Im neuen „Teletext“ erzählt Jochen Schmidt vom langen Wochenende allein mit Eltern und Kindern: Zum Glück konnten sie das Pokalfinale im Fernsehen schauen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Bildungsmarkt
          Alles rund um das Thema Bildung
          Sprachkurs
          Verbessern Sie Ihr Englisch
          Sprachkurs
          Lernen Sie Französisch