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Ahrenshooper Kunstauktion : Zur Sommerfrische an die Ostsee

Taxe 7000 bis 9000 Euro: Paul Müller-Kaempff, „Ein Sommertag“, Öl auf Leinwand, um 1913, 80 mal 120 Zentimeter Bild: Ahrenshooper Kunstauktionen GmbH

Zum 48. Mal findet in Ahrenshoop die jährliche Kunstauktion statt. Sammler maritimer Motive und von Kunst aus der DDR werden wieder auf ihre Kosten kommen.

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          Sammler maritimer Motive können sich freuen: Am 6. August findet in der Strandhalle von Ahrenshoop zum 48. Mal die Kunstauktion des Ostseebades statt. In alphabetischer Reihenfolge kommen Haupt- und Nebenwerke von mehr als hundert Künstlern zum Aufruf, unter ihnen zahlreiche Ostdeutsche, die in DDR-Zeiten abseits des staatlich verordneten Leitbildes vom „Helden der Arbeit“ Urlaub außerhalb ihres Ateliers machen konnten. Was im Freilicht des Nordens entstand, fand teils sogar im Kunsthandel der DDR aufgeschlossene Abnehmer.

          Camilla Blechen
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Überregionale Aufmerksamkeit verschaffte den Ahrenshooper Kunstauktionen traditionell ihr Angebot qualitätvoller Kunst der Jahrhundertwende. Vor allem Werke der lokalen Künstlerkolonie, die 1891 der gebürtige Oldenburger Paul Müller-Kaempff gründete, waren kommerziell gefragt. Dieses Mal ist Paul Müller-Kaempffs um 1913 entstandenes Gemälde „Ein Sommertag“ dabei (Taxe 7000 bis 9000 Euro). Die dem 19. Jahrhundert verhaftete Darstellung der Boddenlandschaft stillt ebenso wie Carl Malchins Hochformat „Kühe an der Tränke“ von 1906 (7500/11.000) nostalgische Sehnsüchte nach dem bäuerlichen Leben in vermeintlich guter alter Zeit.

          Taxe 17.500 bis 20.000 Euro: Erich Heckel, „Zwei weibliche Akte am Strand“, Aquarell und Kohle auf Papier, 1932, 62,5 mal 48,0 Zentimeter
          Taxe 17.500 bis 20.000 Euro: Erich Heckel, „Zwei weibliche Akte am Strand“, Aquarell und Kohle auf Papier, 1932, 62,5 mal 48,0 Zentimeter : Bild: Ahrenshooper Kunstauktionen GmbH

          Lyonel Feininger hatte kein Interesse mehr an solchen Idyllen: Seine Aufmerksamkeit galt konstruktiven Details von Fischerbooten. Eine zwischen 1901 und 1904 gefertigte Bleistiftzeichnung aus der Privatsammlung des Hallenser Museumsdirektors Alois Schardt ist für 22 000 bis 24 000 Euro abrufbar. Erich Heckels leicht verwaschenes Aquarell „Zwei weibliche Akte am Strand“ von 1932 ist auf 17.500 bis 20.000 Euro taxiert. Ebenfalls aus den Dreißigerjahren stammt Edmund Kestings Collage „Lohnarbeit und Kapital“ mit Bezügen zur Inflation von 1923. Sie erinnert bei einer Schätzung von 12.000 bis 15.000 Euro an die erfolgreichen frühen Jahre des einstigen „Sturm“-Mitgliedes, das die DDR-Funktionäre als „Formalisten“ kaltstellten. Mit der Offerte von zwölf überwiegend moderat taxierten Impressionen der Spätzeit erinnert das Auktionshaus an den 130. Geburtstag des in der DDR gefragten, eigenwilligen Porträtfotografen.

          Die unter Eis und Schnee brodelnden Wasserwelten von Otto Niemeyer-Holstein haben längst verdiente Plätze in öffentlichen und privaten Sammlungen gefunden. Sein „Niedergedrücktes Rohr“, eine Kühnheit in Öl von 1974, tritt mit einer Taxe von 3600 bis 4500 Euro an. Max Uhligs gröber strukturiertes „Gebüsch“ von 2001 verharrt mit 4800 bis 6500 Euro in vergleichbarer Preisklasse. Einen verständnisvollen Käufer sollte Ernst Schroeders verzehrbereit präsentierter „Lobster“ (2800/3800) finden. Das Aquarell des von Bernard Buffets Existenzialismus berührten Künstlers entstand 1960, kurz vor dem Erlöschen seiner Schaffenskraft. Schroeder starb 1989 in Hamburg; sein Nachlass gelangte postum in die Obhut des Greifswalder Landesmuseums.

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