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Versteigerung bei Sotheby’s : Der Hundertmorgen-Wald kostet eine halbe Million Euro

E.H. Shepard war nicht nur ein meisterhafter Karikaturist, sondern auch ein populärer Kinderbuchautor des 20. Jahrhunderts. Seine Vorsatzzeichnung für „Pu der Bär“ wurde vor kurzem bei Sotheby’s teuer versteigert.

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          Es handelt sich wohl nicht um einen anonymen Sammler von sehr geringem Geschmack, der für die oben abgebildete Zeichnung des englischen Illustrators E.H.Shepard in dieser Woche bei Sotheby’s in London die Rekordsumme von 350.000 Pfund bewilligt hat; mit Aufgeld sind das 430.000 Pfund – fast eine halbe Million Euro. Shepard, der 1976 im Alter von 96 Jahren starb, war nicht nur ein meisterhafter Karikaturist, sondern auch einer der populärsten Kinderbuchillustratoren des 20.Jahrhunderts. Verantwortlich dafür waren vor allem zwei berühmte Bücher, die er mit ihren heute ikonischen Bildern ausstattete: 1931 Kenneth Grahams „Der Wind in den Weiden“ und schon fünf Jahre früher das weltweit womöglich noch beliebtere „Pu der Bär“ von A.A.Milne.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Aus Letzterem stammt die nun auktionierte Zeichnung. Angesichts ihres Preises ist es bemerkenswert, dass die Figuren des Buchs darauf nur winzig zu sehen sind. Aber es handelt sich um die Vorsatzzeichnung, und in gewisser Weise sind alle Akteure aus „Pu der Bär“ darin doch ganz groß präsent, denn sie zeigt den Hundertmorgen-Wald, den Schauplatz des Geschehens, mitsamt allen Behausungen der munteren Menagerie rund um „den Bären von sehr geringem Verstand“, wie Pu sich selbst charakterisiert. Da konnte selbst Shepards Zeichnung, die Pu beim nach ihm benannten Stöckchen-Spiel auf einer Brücke zeigt, also in einer der bekanntesten Szenen des Buchs, nicht mithalten, die 2014 auch bei Sotheby’s für 314.000 Pfund verkauft wurde. Sie war allerdings auch deutlich kleiner im Format.

          Der Blick auf den Schauplatz aus der Vogelperspektive ist auch deshalb eine berühmte Zeichnung Shepards, weil sie zum Auftakt der Disney-Verfilmung des Buchs aus dem Jahr 1966 zu sehen ist: als Ausgangspunkt für eine Kamerafahrt in den Hundertmorgen-Wald hinein. Ansonsten orientierte sich die Disney-Version zwar am Aussehen von Shepards Figuren, übernahm aber keine andere seiner Illustrationen direkt.

          Die Tuschezeichnung selbst war seit den sechziger Jahren nicht mehr gezeigt worden und befand sich zuletzt in ungenanntem Privatbesitz. Shepard hatte schon zu Lebzeiten etliche seiner Illustrationen verkauft oder verschenkt. Vier weitere Pu-Zeichnungen von seiner Hand wurden nun in derselben Auktion versteigert: für insgesamt mit Aufgeld weitere 490.000 Pfund.

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