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Vorbericht : Auf Geheiß einer Prinzessin

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Die turbulente Szene „Joseph und die Frau des Potiphar“ wird dem Bologneser Cignani zugeschrieben. Marco Riccis Ruinenlandschaft stahlt dagegen Ruhe aus. Die Vorschau auf Kunst und Antiquitäten bei Nagel in Stuttgart gibt einen Überblick.

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          Die Dramatik der biblischen Geschichte von „Joseph und der Frau des Potiphars“ lässt sich auf Carlo Cignanis Darstellung in der Dresdner Gemäldegalerie an einer einzigen Geste ablesen: Joseph auf der Flucht vor der aufdringlichen Verführerin windet sich aus ihrer Umarmung und reckt seine verkrampfte Hand verzweifelt und bittend gen Himmel. Eine Variation dieses so berühmten Sujets bildet den Höhepunkt bei der Kunst- und Antiquitäten-Auktion am 19. und 20. September bei Nagel in Stuttgart. Es soll sich bei dem zu versteigernden Gemälde um eine dritte, bisher unbekannte Variante von der Hand des Bologneser Malers Cignani handeln. Diese Komposition kulminiert in einer sanfteren Geste: Der Zeigefinger der nackten Verführerin berührt fordernd die Handmulde des keuschen Jünglings. Nach Angaben des Einlieferers stammt das Werk aus der Könglich Württembergischen Sammlung. Die damalige Königin von Württemberg, Mathilde - eine englische, sehr fromme Prinzessin -, ließ das ihr unsittlich erscheinende Bild aus der Sammlung entfernen und verkaufen. Nagel schätzt den Wert des Gemäldes aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf 15.000 Euro.

          Idyllische Landschaften

          Aus einer Tübinger Privatsammlung kommen zwei nennenswerte Bilder zum Aufruf: Auf sechzig mal 72 Zentimetern öffnet sich eine kleinteilige, elegische Ruinenlandschaft mit Soldaten, die dem Italiener Marco Ricci zugeschrieben ist, Neffe und Schüler des bekannteren Sebastiano Ricci (Taxe 6000 Euro). Charles François La Croix, genannt Lacroix de Marseille, malte die feine Küstenlandschaft mit einem auf den Felsklippen thronenden Kastell im Jahr 1754 (8000). Im Vordergrund rasten zwei Soldaten, ein Fischer arbeitet an einer Reuse. Unter den mehreren hundert Gemälden in der Auktion findet sich allzu oft der enttäuschende Hinweis, dass die Werke aus dem „Kreis“ des berühmten Namens stammen.

          Russische Namen

          Bei der Graphik fällt eine stimmungsvolle Zeichnung auf, die entweder Marco oder Sebastiano Ricci mit der Feder auf das 26 mal 33 Zentimeter kleine Papier brachte (3000). In der Sektion mit Gemälden des 19. Jahrhunderts kommt eine Sammlung von Porträtbildern zum Aufruf, darunter eine im Jahr 1878 aquarellierte junge Dame in zerfließendem blauen Kleid. Das Werk des italienischen Malers Daniele Ranzoni soll 6000 Euro einspielen. Julius Klever ist mit einer Winterlandschaft für geschätzte 9000 Euro vertreten. Russisch klingen viele Namen hier: Ilja Repin malte das Bildnis eines hohen Militärs im Jahr 1907, jetzt ist es auf 4000 Euro beziffert. Die Skulpturen-Sparte umfasst eine rund 33 Zentimeter hohe „Thronende Muttergottes mit Kind“ aus Frankreich, die im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts entstand (28.000). Beim Kunsthandwerk liegt das Augenmerk auf einem barocken Deckelhumpen aus Riga. Auf der Wandung des Gefäßes aus dem Jahr 1671 sind in drei Ovalmedaillons Herrscher zu Pferd als Sieger in der Schlacht dargestellt. Das Meisterzeichen gehört Heinrich Meyer (15.000).

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