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Vincent Van Gogh : Heute hängen sie in Museen

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Vincent van Gogh, „Ein Paar Schuhe“, Paris, Frühjahr 1887. Bild: The Baltimore Museum of Art

In Paris wurden vor 125 Jahren zum ersten Mal Gemälde von Vincent van Gogh versteigert. Der Erfolg bei der Auktion war äußerst bescheiden.

          So dankbar sie für die Solidarität auch war, mit dem Ergebnis der Auktion konnte Renée Julienne Tanguy nicht zufrieden sein. Nur 14.261 Francs seien am Nachmittag des 2. Juni 1894 im Hôtel Drouot zusammengekommen, ließ die Analphabetin zehn Tage nach der Auktion ihre Tochter in einem Brief schreiben: weit weniger, als die Witwe für ihre 98 Kunstwerke erwartet hatte. Dabei wurde das Geld dringend benötigt. Vier Monate zuvor war ihr Mann, Julien-François Tanguy, gestorben. In seinem Ladengeschäft in der Rue Clauzel am Montmartre hatte er den Künstlern der Pariser Impressionisten-Szene Farben und Leinwände verkauft – und als Bezahlung oft genug ihre Werke statt Geld akzeptiert. Als einzige Altersabsicherung für seine Witwe stapelten sich deshalb nun in den Hinterzimmern Gemälde von Cézanne und Gauguin, Alfred Sisley und Camille Pissarro, Émile Bernard und Mary Cassatt. Heute wäre jedes von ihnen ein kleines Vermögen wert. Damals aber wussten nur wenige Sammler diese Kunst so zu schätzen, dass sie dafür auch Geld riskieren wollten. So wurden die Cézanne-Gemälde schließlich zwischen 95 und 215 Francs, Gauguins frühe Bilder für um die hundert Francs, die zwei angebotenen Sisley-Werke für je 185 und das Renoir-Pastel „Le Bain“ für 190 Francs abgegeben. Zu den höchsten Zuschlägen zählten die 3000 Francs für eine signierte Bordighera-Ansicht von Claude Monet.

          Organisiert hatte die Versteigerung der Schriftsteller und Kunstsammler Octave Mirbeau – ein Freund der Familie, von dem auch der Nachruf auf „Père Tanguy“ in „L’Écho de Paris“ stammte. Er bat dafür verschiedene Künstler um zusätzliche Arbeiten, unter ihnen Auguste Rodin. Dessen Kleinbronze „Hippocrate“ erlöste 220Francs. Wahrscheinlich, so mutmaßte die enttäuschte Witwe Tanguy in ihrem Brief, hätten sich verschiedene anwesende Kunsthändler vor der Auktion abgesprochen, keine zu hohen Gebote abzugeben.

          Vincent van Gogh, „Fabriken bei Clichy“, Paris, Sommer 1887.

          Dass die Versteigerung „au profit de Mme Vve Tanguy“ – wie auf dem Titel des kleinen, seltenen Katalogs stand – trotzdem Kunsthandelsgeschichte schreiben sollte, konnte damals niemand ahnen: An diesem Tag Anfang Juni 1894 wurden zum ersten Mal auch Bilder von Vincent van Gogh auf einer Auktion angeboten – und verkauft. Zwar ist die hartnäckige Legende, der Maler habe zu Lebzeiten nur ein einziges Werk verkaufen können, längst widerlegt; es gab vor seinem Tod im Juli 1890 verschiedene private Verkäufe. Renée Julienne Tanguy allerdings war die Erste, die Bilder zu einer öffentlichen Auktion einlieferte, knapp vier Jahre nach seinem Tod.

          Ihre Korrespondenz mit der Familie Van Goghs zeigt, dass sie dabei offenbar genau zwischen eigenem Besitz und solchen Werken unterschied, die Vincent van Gogh ihrem Mann nur zur Einlagerung oder als mögliche Kommissionsware zurückgelassen hatte, als er im Frühjahr 1887 von Paris nach Arles in der Provence umgezogen war. Verschiedene Künstler – unter ihnen Gauguin – hatten Julien Tanguy gebeten, wenn möglich, Bilder von ihnen zu verkaufen.

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