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Viennafair : Sie wünschen sich die Russen herbei

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Jetzt oder nie: Die Wiener Kunstmesse Viennafair findet erstmals im Herbst und unter der Führung eines Investors aus Moskau statt. Kann das gutgehen?

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          Es ist keine russische Messe geworden. So kommentierte eine Wiener Galeristin die diesjährige Viennafair erleichtert. Der im Schatten des Riesenrads veranstaltete Verkaufsschau findet erstmals unter neuen Besitzern statt. Im März erwarben der russische Investor Sergey Skaterschikov und sein Partner Dmitrij Aksenov die Wiener Kunstmesse, die bis Sonntag zum achten Mal über die Bühne geht. Noch 2011 hatte das Kuratorenteam Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer der auf Ostkunst spezialisierten Messe einen inhaltlich anspruchsvollen Relaunch verpasst. Sie sprangen jedoch kurz nach der Übernahme ab und wurden durch das junge Leitungsduo Christina Steinbrecher und Vita Zaman ersetzt.

          Ein frisches, glamouröses Image sollen die Werbeplakate verströmen, auf denen die Messeleiterinnen als blonde Models posieren - eine „selbstironische Geste“, betont Steinbrecher. Nicht nur das Viennafair-Marketing, auch Skaterschikovs dezidiert kommerzieller Kurs sorgte im Vorfeld für Stirnrunzeln.

          Als Profithoffnung für die Galeristen wirkt indes der von ihm initiierte Kunstfonds „Art Vectors Investment Partnership“, der bis 2017 Kunst für jeweils mindestens eine Million Euro erwerben wird. Bei kolportierten 2,4 bis vier Millionen Euro Umsatz der Viennafair 2011 wahrlich keine geringe Summe. Zur Ankaufsjury zählen unter anderen Nicolaus Schafhausen von der Kunsthalle Wien und Joseph Backstein vom Institute of Contemporary Art Moscow. Begleitend zur Messe veranstaltet Skaterschikov mit seiner Firma „Skate’s Art Market Research“ die Konferenz „International Art Industry Forum“, die Kulturwirtschaft als weites Feld beackert.

          Einhellige Zustimmung der Galeristen findet die verstärkte internationale Ausrichtung. „Endlich hat man begriffen, dass das Potential der Sammler für diese Messe herbeigeholt werden muss“, lobt die Galeristin Gabriele Senn das VIP-Engagement der Messemacher. Seit Beginn der Viennafair wurden immer wieder Hoffnungen in den „russischen Sammler“ gesetzt. Jetzt oder nie scheint der Zeitpunkt für das Auftauchen dieses ewigen Phantoms gekommen.

          Kein Hindernis diesbezüglich dürfte die zeitgleich abgehaltene Art Moscow sein. Skaterschikov hat der Messe mit Steinbrecher nicht nur die künstlerische Leiterin abgeworben, sondern die Viennafair auch von April auf denselben Termin im Herbst verlegt. Hans Knoll, der sich auf beiden Messen Stände leistet, ist hoffnungsvoll: „Russische Sammler kaufen Kunst am liebsten im Ausland. Beim Moskauer VIP-Empfang haben mir etliche angekündigt, auch nach Wien zu kommen.“ Denn der russische Kunstmarkt ist seit Beginn der Wirtschaftskrise geschwächt, konstatiert Knoll, der im Beirat der Art Moscow sitzt.

          Mit fehlendem Rückhalt bei Sammlern und Staat begründeten die langgedienten Moskauer Galerien Aidan, Guelman und XL ihr Schließen im April 2012. Dieser tristen Diagnose widersprechen die sieben zur Viennafair angereisten russischen Galerien. „Die Darstellung war schlecht für uns“, wehrt sich etwa Natalya Nusinova von der Triumph Gallery gegen das von den Pionieren transportierte Negativbild. XL würde weiter als kommerzielle Galerie bestehen, und sowohl Guelman als auch Aidan setzen ihr Engagement als Institutionen fort. Auf diese Weise könnten die Ex-Galeristen leichter Subventionen kassieren, hieß es am Stand von Anna Nova. Regina, die letzte bestehende der großen Moskauer Galerien, begründete ihre kurzfristige Absage in Wien mit anderen Verpflichtungen.

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