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New Yorker Ergebnisse : Viel Heu ganz oben

Die Woche in New York mit den Auktionen zur Moderne und Nachkriegskunst bei Sotheby’s, Christie’s und Phillips schaffte ein paar respektable Ergebnisse.

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          Natürlich schwebte auch über der New Yorker Auktionswoche die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten. Dass sich aber die Spitzenpreise im Rahmen hielten, lag vor allem an den Einlieferern, die zögerten mit höchstkarätigen Werken. Diese Zurückhaltung wiederum hing mit der Verunsicherung erstens durch den Brexit und zweitens durch die Lage vor den Wahlen in Amerika zusammen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das am höchsten taxierte Los der gesamten Woche war Edvard Munchs Gemälde „Mädchen auf der Brücke“ von 1902 gewesen. Am Abend mit Impressionismus und Moderne bei Sotheby’s am 14. November kam es auf genau fünfzig Millionen Dollar; erwartet wurde „in excess of“, also eher mehr als diese glatte Summe. Mit Aufgeld bezahlt der Käufer, der wohl zuvor die Garantie für das Bild übernommen hatte, 54,5 Millionen Dollar dafür. Der Gesamtumsatz des Abends liegt bei 157,7 Millionen, gegenüber geschätzten 145,8 bis 186,5 Millionen Dollar. (Erwähnt sei hier einmal mehr, dass bei allen Auktionsfirmen die Angaben für die Umsatzerwartung an den unteren und oberen Taxen orientiert sind, während dann die Angaben des Gesamtumsatzes die Hammerpreise samt dem beträchtlichen Käuferaufgeld wiedergeben.)

          So hoch stieg Richters Flieger nicht

          Am 15. November hielt Christie’s seine Prestigeauktion mit Nachkriegs- und Gegenwartskunst ab. Dort trug Willem de Koonings „Untitled XXV“ auf Anfrage eine Schätzung von rund vierzig Millionen Dollar. Der Hammerpreis von 59 Millionen, inklusive Aufgeld 66,32 Millionen Dollar, katapultierte das Großformat von 1977 - vorübergehend - an die Spitze, zugleich ein Auktionsrekord für ein Werk de Koonings. Das erste der teuren Gemälde in der Gerhard-Richter-Rallye dieses New Yorker Herbsts war von Eric Clapton eingereicht und mit achtzehn bis 25 Millionen Dollar bewertet: Sein „Abstraktes Bild (809-2)“ legte eine gute Performance hin mit dem Zuschlag von 19,5 Millionen, inklusive Aufgeld 22,08 Millionen Dollar - ob wegen Clapton-Provenienz oder Richter-Allzeithoch, das würden die folgenden Veranstaltungen noch zeigen. Insgesamt 276,9 Millionen Dollar, deutlich oberhalb der unteren Gesamttaxe von 216,6 Millionen, schaffte Christie’s an diesem Abend.

          Am 16. November ging Phillips in die Arena, im Angebot den hochfliegend auf 25 bis 35 Millionen Dollar geschätzten „Düsenjäger“ von Richter aus dem Jahr 1963; zur Erinnerung, umgerechnet 35 Millionen Dollar sind bis heute der Auktionsrekord für Richter. Ganz so hoch stieg der Flieger nicht, auch er abgesichert durch einen Garantor. Schon bei 24 Millionen Dollar fiel der Hammer, mit Aufgeld sind das 25,56 Millionen. Und am Abend dieses Mittwochs gelang Christie’s bei Impressionismus und Moderne der Knaller dieser fünf Tage: Claude Monets stimmungsvoll beleuchteter „Heuhaufen“ von 1891, der für 45 Millionen gut sein sollte, schaffte bemerkenswerte 72,5 Millionen, mit Aufgeld also 81,44 Millionen Dollar - ein neuer Auktionsrekord für Monet obendrauf. Insgesamt kamen 246,34 Millionen zusammen, gegenüber einer Erwartung von 200,77 bis 270,25 Millionen Dollar.

          Zum Ende der dichtgedrängten Woche hin war am Donnerstagabend bei der Gegenwart Sotheby’s dran. Die Sammlung von Steven und Ann Ames stellte durchaus einen Trumpf dar. Alle Ames-Lose wurden abgesetzt - was nicht verwundert, weil sie sämtlich mit Garantien versehen waren. Hinzu kam der höchste Preis für einen Gerhard Richter in dieser Woche. Das Los mit der Nummer 13, sein abstraktes Großformat „A B, Still“ von 1986, schaffte die Obertaxe - mit starken dreißig Millionen Dollar; samt Aufgeld sind das 33,98 Millionen. Damit war der „Düsenjäger“ abgehängt. Übrigens hatten die Ames das Bild vor 25 Jahren bei Sotheby’s für 264 000 Dollar ersteigert. Für David Hockneys Riesenbild „Woldgate Woods, 24, 25, and 26 October 2006“ gab es noch den erwarteten Rekord, mit dem Hammer 10,2 Millionen Dollar. Insgesamt spielte der Zeitgenossen-Abend bei Sotheby’s 276,56 Millionen ein, bequem oberhalb der Mindestschätzung von 208,55 Millionen (bis 302,35 Millionen) Dollar. Das macht den eher trüben Beginn mit Impressionismus und Moderne doch etwas wett.

          Eine Frage lässt sich mit einiger Sicherheit beantworten: Die Auktionspreise für Gerhard Richter sind, auch unter Bedingungen des Sammelpacks, nicht ins Wanken geraten, seine Sammler wohl kaum zu beeindrucken. Das hat dann wieder etwas Beruhigendes, in diesen unruhigen Zeiten.

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