https://www.faz.net/-gqz-8nagj

Versteigerung bei Sotheby’s : Rekordergebnisse für Bowies Kunstsammlung

Die Versteigerung von David Bowies Kunstsammlung sorgte in London für einen regelrechten Massenauftrieb. Extravaganzen und große Namen waren rar. Doch der Bowie-Faktor sorgte für Rekordergebnisse.

          4 Min.

          Das alles ist eine bemerkenswerte Angelegenheit. Schon bei der Vorbesichtigung der etwa 350 Kunstwerke und Designobjekte, die unter der Flagge „Bowie/Collector“ seit Wochen Furore machen, kam man ein bisschen ins Grübeln. Angesichts des Publikums, das in hellen Scharen strömte; allein für die knapp zehn Besichtigungstage in London zählte das Auktionshaus Sotheby’s etwa 40.000 Besucher. Wer zu ihnen gehörte, durfte über all die bestens gekleideten älteren Herren staunen - gern mit den in England derzeit allgegenwärtigen Poppies im Knopfloch -, die in den Ausstellungsräumen umherwanderten, und über all die bestens gekleideten Damen, die allerdings ganz offensichtlich in der Minderzahl waren. Zuvor waren sie einem schon in der New Bond Street entgegengekommen, ein wenig verschämt die schwarzen „Bowie/Collector“-Stofftaschen unter die Arme geklemmt, vorsorglich, denn man weiß in London ja nie, ob es gleich regnet, und dann würde der teure Katalog nass. Es drängte sich zwingend eine Frage auf: Wo waren diese Männer, die so alt sind wie der im Januar verstorbene Superstar oder etwas jünger, als David Bowie wenngleich nicht wirklich exklusiven Geschmack, so doch den Grundkonsens des guten Geschmacks so scharf provozierte wie kaum ein anderer Zeitgenosse. Ob diese heute so entschlossen bourgeoisen Herren einst am Bühnenrand standen, um „Ziggy Stardust“ zu huldigen? Oder ob sie wenigstens vor dreißig Jahren bei „Let’s dance“ mitschwangen?

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Allerdings war David Bowie beinah nie ein Popstar, dafür war er zu fremdartig, zu unberührbar. Bowie war ein Gesamtkünstler, mit nicht nur musikalischer Ausnahmebegabung. Er war auch Schreiber, Maler, und er war eben Sammler von Kunst. Wobei die Mischung, die zur Preview über acht Galerien verteilt war, mitunter merkwürdig anmutete. Ohne das Bindemittel „Bowie“ war es über Strecken ein ziemliches Sammelsurium. Er selbst fand wohl erst in den neunziger Jahren zu einem kompakteren, eigenständigen Geschmack.

          Multiplizierte Erwartungen

          Die Auktion am Donnerstagabend dann wurde, trotzdem und erwartungsgemäß, zum grandiosen Erfolg. Und es war eine sehr ungewöhnliche Auktion; denn sie dauerte mehr als zwei Stunden für grade einmal 47 Lose; die sämtlich verkauft wurden, das passiert selten genug. Es waren aber auch keine besonders teuren Kunstwerke, die zum Aufruf kamen, jedenfalls gemessen an den Üblichkeiten des Londoner Auktionsmarkts. Der vorweihnachtliche Hochglanz in Mayfair stand, als es dunkel war, im seltsamen Gegensatz zur Bescheidenheit der meisten Werke, die vor allem von britischen Künstlern kamen. Auf sie hatte sich Bowie am Ende konzentriert.

          David Bowie : Persönliche Kunstsammlung enthüllt

          Für eine prestigereiche Veranstaltung lagen die Schätzungen nachgerade absurd niedrig, sie begannen bei fünftausend Pfund; das reicht normalerweise kaum für eine Routineauktion tagsüber. Dort werden allerdings nicht schließlich 21.000 Pfund für eine sehr schräge Zeichnung von Jacob Epstein mit dem Titel „Les Fleurs du Mal. Hymne à la Beauté“ erzielt, auf der eine Art Minotaurus schlecht mit unbekleideten Frauen umzugehen scheint. Bowie hat das Blatt 1994 in einer Auktion erworben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Afroamerikaner Jaques DeGraff lässt sich im Februar in New York gegen das Corona-Virus impfen.

          Impfung gegen Corona : Die alte Angst der Afroamerikaner

          In den Vereinigten Staaten lassen sich deutlich weniger Afroamerikaner impfen als Weiße. Das liegt auch an Erfahrungen, die Schwarze mit Gesundheitsbehörden gemacht haben. Viele kennen noch das Verbrechen von „Tuskegee“.
          Robert Lewandowski (links) schießt noch ein Tor mehr als Erling Haaland.

          FC Bayern besiegt Dortmund : Die große Show des Robert Lewandowski

          Das Topspiel der Bundesliga wird zur Bühne der Torjäger. Haaland trifft früh doppelt für den BVB, doch die Bayern sind am Ende wieder stärker. Denn Lewandowski schießt noch mehr Tore als Haaland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.