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Rockefeller-Auktion : 5000 Prozent

Bei den Rockefeller-Auktionen hat das kleinste Objekt für die größte Verblüffung gesorgt: Der „Rockefeller Money Clip“ wurde für das Fünfzigfache seines Schätzwertes verkauft. Was hat es damit auf sich?

          Auktionen folgen ihren eigenen Gesetzen, Milchmädchen-Hochrechnungen funktionieren nie. Schätzungen sind Nebelbomben, Lockrufe oder Verführungen, das kann amüsant werden. Als nun der Nachlass von David und Peggy Rockefeller versteigert wurde, machte uns ein guter Freund auf eine Winzigkeit im riesigen Konvolut aufmerksam; das Los mit der Nummer 1129 wurde online versteigert. Es ist der „Rockefeller Money Clip“, ein 4,2 mal vier Zentimeter kleines Dingelchen, aus vierzehnkarätigem Gold. In einem Kreis ragt der Rockefeller Tower aus den anderen Häusern New Yorks mächtig hervor. Die Gravierung lautet „L.S.R. 1954“. Der Freund rekonstruierte, dass dies die Initialen von David Rockefellers Bruder Laurence Spielman Rockefeller sein müssen, der 2004 verstarb, so dass wohl David den Clip erbte – wirklich berührte Historie.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Die Taxe lautete auf 800 bis 1200 Dollar, wir schauten über die Tage immer mal wieder auf den Stand der Gebote. Die stiegen in den letzten elf Minuten noch mal von 40.000 – auf sagenhafte 60.000 Dollar, die knapp drei Minuten vor Schluss geboten wurden. Dabei blieb es dann, kann ja reichen, kann man finden. Von der oberen Taxe aus gerechnet, ist das eine Steigerung – um das Fünfzigfache. Wobei das fällige Aufgeld in Höhe von 15.000 Dollar noch nicht eingerechnet ist. Irgendeiner muss es da sehr wichtig gehabt haben. Heißt das jetzt „Mehrwert“, also die Differenz zum Herstellungswert der „Ware“?

          Dem Kollegen vom Ressort Marxismus sträuben sich die Nackenhaare bei dieser Erwägung. Onein, nicht gemäß der Marxschen Ökonomie! Das ist eine andere Baustelle der globalen Wirtschaft, nennen wir sie die fröhliche Ökonomie des Habenwollens, mithin eher ein Fall für die Tiefenpsychologie, Schublade Narzissmus. Aber wem lässt sich so eine Klammer für Banknoten, noch dazu mit fremdem Monogramm, denn vorführen? Kein Mann von Welt und Geschmack – gibt es überhaupt Frauen mit Money Clips? – wird sichtbar daran nesteln; das wäre ohne Ende peinlich. Zumal der, nun ja, phallische Turm in der Mitte nicht eigener Potenz entsprang.

          Deshalb einmal anders gefragt: Vielleicht liegt die Pointe dieser 60.000 Dollar, die das Klämmerchen gar nicht fassen könnte, woanders? Womöglich ist das die höchste Steigerungsrate, die, zumindest in der gesamten aktuellen New Yorker Auktions-Bonanza, überhaupt erreicht wurde – nämlich auf 5000 Prozent. Auf Anfrage der F.A.Z. rechnet Christie’s in New York noch immer, bisher ergebnislos. Nein, der Ersteigerer des Rockefeller Money Clip ist nicht unser guter Freund, der ist irgendwann ausgestiegen. Ob sich der neue Besitzer, bitte, meldet, damit wir ihm gratulieren können? Schließlich hat er für karitative Zwecke gehandelt. Nun ja, von den 15.000 Dollar Käuferaufgeld mal abgesehen.

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