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Rekordverkauf bei Sotheby’s : Die Vase im Schuhkarton

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Seltene Schönheit: Die 28 Zentimeter hohe Vase der Qing-Dynastie wurde bei Sotheby’s für 14,2 Millionen Euro in Paris zugeschlagen Bild: AFP

Als die chinesische Vase auf einem französischen Dachboden auftauchte, wusste noch niemand um ihren Wert: Nun hat das Porzellan aus der Qing-Dynastie Sotheby’s in Paris einen Rekord beschert.

          Es ist eine von diesen Geschichten, die man eher im Reich der Fiktion ansiedeln würde. Ausgerechnet auf dem staubigen Dachboden eines alten Hauses irgendwo in der französischen province wurde sie gefunden: eine hauchfeine, mit extremer Finesse bemalte chinesische Vase, sorgsam verpackt in einem Schuhkarton der Pfälzer Marke Josef Seibel. Im Schuhkarton wurde sie dann auch bei Sotheby’s in Paris eingeliefert und stellte sich als Meisterstück aus dem kaiserlichen China der Qing-Dynastie heraus. Seit Jahrzehnten soll die seltene Schönheit auf dem Dachboden geschlummert haben. Eine ebenfalls dort gefundene Rechnung für andere Asiatika weist darauf hin, dass sie wahrscheinlich am Ende des 19.Jahrhunderts erworben wurde, als „Chinoiserien“ in Frankreich hoch in Mode standen.

          Die Vase wurde im 18.Jahrhundert von Kaiser Qianlong (1735 bis 1796) in Auftrag gegeben und stammt aus der Blütezeit der klassischen chinesischen Kultur. In der Porzellankunst wurde die Farbpalette verändert und erweitert, Fauna und Flora besonders fein und detailreich dargestellt. Das elegant geformte Gefäß zeigt eine paradiesische Landschaft mit knorrigen Kiefern, in der sich an einem Flusslauf auf zartgrüner Wiese Rehe, Hirsche und Kraniche tummeln. Im Hintergrund erheben sich anmutig die Berge.

          Solche Stücke wie diese Vase im Yangcai-Stil – der auch Famille-Rose-Stil genannt wird – gehören zu den Meisterwerken der kaiserlichen Werkstätten und wurden als Unikate geschaffen oder als Paar in Auftrag gegeben. In den kaiserlichen Inventarlisten werden nur zwei Paare solcher Vasen beschrieben, die 1765 und 1769 hergestellt wurden. Heute existiert noch ein einziges vergleichbares Stück, das im Pariser Musée Guimet für asiatische Kunst aufbewahrt wird.

          In ihrer ganzen Schönheit: Die 28 Zentimeter hohe Vase entstammt der Qing-Dynastie, die die Blütezeit der klassischen chinesischen Kultur war.

          Die äußerst zierlich und lebendig gemalten Darstellungen haben auch symbolische Bedeutung. Die Landschaft soll an den kaiserlichen Jagd-Park erinnern, Rehe und Hirsche versinnbildlichen Glück und Wohlstand, während Kraniche als Symbole für das Alter gelten und Kiefern für ewiges Leben.

          Obwohl erst am 3.April ein seltenes Famille-Rose-Schälchen aus der Qing-Dynastie bei Sotheby’s in Hongkong für 21,7 Millionen Euro unter den Hammer gekommen war, blieb die Taxe für die außergewöhnliche Qianlong-Vase ein Understatement. Sie ging mit 500.000 bis 700.000 Euro in die Auktion – und reizte durch die extrem maßvolle Schätzung gerade die asiatischen Sammler. In einem vollen Saal stritten sich 25 Bieter zwanzig Minuten lang um das kaiserliche Gefäß und trieben seinen Preis auf 14,2 Millionen Euro.

          Der Sammler aus Asien, der schließlich den Zuschlag bekam, bezahlt mit Aufgeld 16,2 Millionen Euro dafür. Sotheby’s in Paris erreichte damit nicht nur einen Rekord für chinesisches Porzellan in Frankreich, es ist auch der höchste Zuschlag, den das Auktionshaus bislang hier erzielen konnte. Mit fast dreißig Millionen Euro Umsatz für die Asiatika-Auktionen des ersten Halbjahrs verdreifacht Sotheby’s sein Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr.

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