https://www.faz.net/-gqz-aaa54

Sotheby’s Paris : Ein Picabia in der Arena, zwei Hammerschläge für Van Gogh

  • -Aktualisiert am

Auktionshöhepunkt mit einem Zuschlag von 2,6 Millionen Euro: Francis Picabia, „La Corrida“, 1940/41, Öl auf Karton, 105,2 mal 76,6 Zentimeter. Bild: Sotheby’s/VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Inmitten der Versteigerung wurde der Verkauf eines Gemäldes von Vincent van Gogh für ungültig erklärt. Ein Irrtum und zwei besondere Ergebnisse sorgen bei Sotheby’s in Paris für Herzklopfen.

          3 Min.

          Sotheby’s Paris hatte für seine Impressionismus- und Moderne-Offerte mehrere Meisterwerke mit besonderer Provenienz und Geschichte im Programm. Das Spitzenlos, „Scène de rue à Montmartre“ von Vincent van Gogh, war mehr als ein Jahrhundert lang im Besitz einer französischen Familie verblieben und nur durch Abbildungen in Schwarzweiß bekannt. Die Erben des einstigen Käufers vertrauten das Gemälde dem am Drouot agierenden Pariser Auktionshaus Mirabaud Mercier zum Verkauf an. Um dem Ereignis eine internationale Reichweite zu garantieren, assoziierte sich der Auktionator mit Sotheby’s. Die Taxe wurde zwischen vorsichtigen fünf bis acht Millionen Euro angesetzt.

          Heftiges Bietergefecht

          Als Aurélie Vandevoorde, die Leiterin des Departements für Impressionismus und Moderne bei Sotheby’s Paris, Van Goghs Montmartre-Szene bei vier Millionen Euro aufrief, stand zu erwarten, dass ein heftiges Bietergefecht ausbrechen würde. Wegen der pandemiebedingten Einschränkungen saß nur wenig Publikum im Pariser Saal. Die Auktion spielte sich vornehmlich an Telefonen und übers Internet mit Live-Zuschaltungen der Büros in New York, London und Hongkong ab. Mehrere Bieter ließen die Zahlen an der Preistafel wirbeln, bis zuletzt drei Interessenten an Telefonen in Hongkong, London und via Internet um den Zuschlag kämpften. Der Hammer fiel schließlich bei 13,05 Millionen Euro: „Scène de rue à Montmartre“ wurde dem Online-Bieter zugesprochen. Die Veranstaltung ging weiter, plötzlich unterbrach jedoch die Auktionatorin den Verlauf, erklärte die Versteigerung von Vincent van Goghs Gemälde für ungültig und setzte eine Wiederholung für das Ende der Auktion an.

          Vincent Van Gogh: „Scene de rue a Montmartre“, 1887, Zuschlag: 11,25 Millionen Euro.
          Vincent Van Gogh: „Scene de rue a Montmartre“, 1887, Zuschlag: 11,25 Millionen Euro. : Bild: dpa

          Bietergefechte sind einzigartige Geschehnisse. Dass sie sich niemals identisch wiederholen, zeigt dieses Ereignis: Als das Spitzenlos zum zweiten Mal unter den Hammer kam, wurde der Preis zwar ebenfalls weit über die obere Taxe getrieben. Das abschließende Duell zwischen zwei Telefonbietern in London und Hongkong endete nun jedoch bei 11,25 Millionen Euro, zugunsten des britischen Käufers. Sotheby’s gibt derzeit keine weitere Erklärung dazu ab, warum der erste Zuschlag widerrufen wurde, und bezeichnet den Vorfall als „Auktionsirrtum“.

          Der Hammer war beim ersten Mal schon beinah für den Londoner Telefonbieter gefallen, als – anscheinend im gleichen Moment – ein höheres Gebot des Internetkunden einging. Um einen technischen Fehler soll es sich nicht gehandelt haben. Inzwischen wurde auch der letztendlich erfolgreiche Käufer bekannt, der zwischen den beiden Durchgängen nahezu zwei Millionen Euro gespart hat. Laut „Art Market Monitor“ handelt es sich um die Londoner Kunstsammlerfamilie Reuben, deren Kollektion Künstler der frühen Moderne bis zur Gegenwart vereint.

          Enttäuschung für Degas

          Ein besonderes Ergebnis spielte auch Camille Pissarros Gouache-Gemälde „La récolte des pois“ mit wundervoll frisch schillernden Grüntönen ein. Es entstand 1887, im selben Jahr wie Vincent van Goghs Montmartre-Szene, und war von dessen Bruder Theo in Auftrag gegeben worden. Später gehörte es zur Sammlung von Simon Bauer, die während des Zweiten Weltkriegs mit vielen anderen jüdischen Sammlungen konfisziert und zerstreut wurde – ausnahmsweise nicht von den deutschen Besatzern, sondern dem kollaborierenden Vichy-Regime. Per Zufall entdeckten Simon Bauers Nachfahren das Gemälde vor einigen Jahren in einer Pariser Ausstellung und erwirkten die Rückerstattung. Die Taxe von 1,2 bis 1,8 Millionen Euro wurde weit überrundet, als der Hammer schließlich bei 2,8 Millionen Euro fiel. Etwas enttäuschend ist hingegen das Ergebnis für Edgar Degas’ spontan graziöse „Danseuse au tutu vert“. Das Pastell in vornehmlich rötlich-grünen Komplementärfarben war immerhin seit 1954 in der Sammlung von Marie-Blanche de Polignac verblieben, der Tochter der Modeschöpferin Jeanne Lanvin. Es reichte dafür ein Gebot von 2,2 Millionen Euro (Taxe 2/3 Millionen).

          Einen Auktionshöhepunkt im Bereich Moderne bot Francis Picabias Gemälde „La Corrida“, eines der wichtigsten Spätwerke des französischen Künstlers. Zwei Telefonbieter in London und Paris wetteiferten zuletzt um das 1941 entstandene Gemälde. Der Zuschlag bei 2,6 Millionen Euro fiel für den Klienten am Londoner Telefon. Insgesamt spielte die Auktion fast 37 Millionen Euro für 33 Lose ein und übertrumpfte damit die Erwartungen von 19 bis 28 Millionen. Es ist das beste Ergebnis, das Sotheby’s für eine Impressionismus- und Moderne-Offerte in den vergangenen zwanzig Jahren in Frankreich einspielen konnte. Van Goghs Gemälde, das sich Sotheby’s mit Mirabaud Mercier teilt, hat dabei einen entschieden großen Anteil.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Arzt impft eine Frau in einer Hausarztpraxis mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech.

          Bürokratische Hürden : Warum Privatärzte noch nicht mitimpfen können

          Immer mehr Hausärzte impfen ihre Patienten gegen Covid-19 – wenn sie eine Kassenzulassung haben. Privatärzte werden bislang nicht an der Impfkampagne beteiligt. Ihnen fehlt die nötige Authentifizierung.
          In Flensburg zu Hause: Andrea Paluch, Schriftstellerin, Musikerin, Dozentin, Sängerin, geht ihren eigenen Weg.

          Andrea Paluch : Sie geht ihren eigenen Weg

          Andrea Paluch, die Frau von Robert Habeck, hat ein Buch geschrieben. Liest man darin die Zukunft ihres Mannes? Eher nicht – denn Männer sind in dem Buch mit Absicht abwesend.
          Börsenplakat von Siemens Energy: Der Dax-Neuling will sein Geschäft mit Wasserstoff massiv ausbauen.

          Scherbaums Börse : Und ewig lockt der Wasserstoff

          Viele Anleger sehen den sauberen Energieträger als heißes Investmentthema. Diese Ansicht ist zum Teil berechtigt, zum Teil aber auch nicht. Das zeigt der Blick auf ausgewählte Wasserstoff-Aktien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.