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Van Gogh in New York : Einst in der Provence

  • -Aktualisiert am

Vincent Van Gogh: „La Mousmé“, 1888, Schreibrohr und braune Tusche über Stift auf Papier, 31,3 mal 23,9 Zentimeter, Schätzung 7 bis 10 Millionen Dollar. Bild: Christies's

Christie’s versteigert acht Arbeiten auf Papier aus der Sammlung des Kunsthändlers Thomas Gibson. Für das Spitzenlos von Vincent van Gogh werden bis zu zehn Millionen Dollar erwartet. Das soll Steuern sparen.

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          Von Thomas Gibson ist überliefert, dass er am Anfang seiner Karriere als Kunsthändler im Begriff war, nach Amerika zu fliegen, als er am Flughafen Ernst Beyeler in der Schlange für einen anderen Flug sah. Daraufhin soll Gibson sein Ticket zerrissen und sich zu dem Schweizer Galeristen und Sammler gesellt haben, um ihn in ein Gespräch zu verwickeln. So sei der bald erfolgreich ausgeführte Auftrag entstanden, mehrere Bilder für Beyeler zu verkaufen.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Dieser Blick für die Chance, verbunden mit einem ausgeprägten Qualitätssinn und einer sehr guten Vernetzung, wird durch acht Arbeiten auf Papier belegt, die Christie’s am 1. März in New York aus Gibsons Sammlung anbietet. Zeitlich umspannen die mit einem Gesamtwert von 23 Millionen Dollar veranschlagten Werke das 20. Jahrhundert von dem Impressionisten Jean-Louis Forain bis hin zu Lucian Freud. Dessen mit Aquarell und Gouache gemaltes Selbstbildnis von 1974 ist bis auf 2,5 Millionen Dollar taxiert. Im Wesen verbindet die Blätter, dass sie sämtlich gegenständlich und von musealer Qualität sind.

          Erhöhung der Kapitalertragssteuer zuvorkommen

          Das Spitzenlos ist die japanisch angehauchte Rohrfederzeichnung, die Vincent van Gogh in Arles nach seinem jetzt in Washington befindlichen Porträt einer jungen „La Mousmé“ genannten Provenzalin anfertigte. Mit einer Erwartung von bis zu zehn Millionen Dollar könnte das – den Nachfahren des zunächst nach Holland emigrierten Essener Bankiers Kurt Hirschland restitutierte – Blatt den Rekord für eine Van-Gogh-Zeichnung brechen, der 1999 bei Sotheby’s in London für die von Ronald Lauder erworbenen, dem New Yorker Museum of Modern Art gestifteten „Olivenbäume vor dem Alpillengebirge“ erzielt wurde. Dieses Blatt, das der Schwiegertochter des Breslauer Unternehmers Max Silberman von der Preußenstiftung restitutiert worden war, erzielte damals mit Aufgeld 8,5 Millionen Dollar.

          Gibson, der sich mit seiner 1969 gegründeten Firma auch als Spezialist für Giacometti hervorgetan hat, und seine drei Söhne, denen die Zeichnungen gehören, erklären, dass sie mit dem Verkauf der vom britischen Schatzkanzler zur Abfederung der Pandemie-Kosten erwogenen Erhöhung der Kapitalertragssteuer zuvorkommen wollen.

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