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Kunst-Betrüger Philbrick : „Für das Geld, Euer Ehren“

  • -Aktualisiert am

Catch me if you can: Philbrick mit Begleiterin Francesca Mancini, 2016 in London Bild: Getty

Eine spektakuläre Kriminalgeschichte findet ihren Abschluss: Der einstige Shooting-Star des Kunsthandels Inigo Philbrick erschwindelte sich mehr als 86 Millionen Dollar. Dafür bleibt er nun hinter Gittern.

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          86 Millionen verschwundene Dollar, ein charmant gutaussehender Kunsthändler, gefälschte Dokumente und eine Flucht in die Südsee: Die Kriminalgeschichte von Inigo Philbrick, deren Filmrechte sich zu sichern eine gute Investition sein könnte, hat ihr vorläufiges Ende gefunden. Auf sieben Jahre Gefängnis lautet das Urteil des Richters am Bundesgericht von Manhattan im Prozess des wegen Serienbetrugs angeklagten und nun schuldig gesprochenen Kunsthändler.

          Der Fall Philbrick steht exemplarisch für die Versuchungen und Risiken des Kunstmarkts, auf dem enorm hohe Summen im Spiel sind, der aber im Gegensatz zu anderen Märkten kaum reguliert ist. Der vierunddreißigjährige Amerikaner wusste das auszunutzen und spezialisierte sich auf den Spekulationshandel mit Kunst, bei dem Werke auf dem Sekundärmarkt gekauft und mit möglichst hohen Gewinnmargen weiterverkauft werden.

          Im Alter von 23 Jahren startete Philbrick als Praktikant der angesehenen Londoner Galerie White Cube seine Karriere. Innerhalb kürzester Zeit gelang ihm dort der Sprung zum Leiter des Sekundärmarkt-Geschäfts. 2013 eröffnete er seine eigene Kunsthandlung in London. Eine Galerie in Miami sollte dazukommen. Der Umsatz schoss durch die Decke. Im Nachhinein ist das wenig verwunderlich, denn Philbrick handelte auch mit Bildern, die ihm gar nicht gehörten oder verkaufte Anteile eines Kunstwerks an verschiedene Parteien, die zusammen mehr als hundert Prozent ergaben. So jonglierte er Werke namhafter Künstler wie Jean-Michel Basquiat, Christopher Wool oder Wade Guyton mithilfe gefälschter Dokumenten zwischen Investoren, Briefkastenfirmen und Strohmännern im Ausland umher.

          Zusammenbruch eines Lügengebäudes

          Sechs Jahre und 86 verschwundene Millionen Dollar später brach Philbricks Lügengebilde im Herbst 2019 spektakulär zusammen, als er ein Gemälde von Rudolf Stingel bei einer Abendauktion von Christie's verkaufte. Er hatte das Bild im Auftrag der deutschen Firma Fine Art Partners für 7,1 Millionen Dollar gekauft und mit einem Garantievertrag von Christie's für einen Weiterverkaufspreis von über neun Millionen Dollar gelockt. Als das Bild für 5,7 Millionen Dollar den Besitzer wechselte, war klar: Die Dokumente waren gefälscht. Nicht nur das: Vor der Auktion hatte Philbrick das Gemälde bereits an eine andere Firma verkauft. Auf die Klage der deutschen Firma folgten zahlreiche Enthüllungen und Klagen von Philbricks Betrugsopfern. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte der betrügerische Dealer schon den Maßanzug gegen Badeshorts getauscht und tauchte auf einer kleinen Südseeinsel nördlich von Neuseeland unter.

          Im Juni 2020 wurde er dort verhaftet und an die Vereinigten Staaten ausgeliefert. Philbrick habe die Intransparenz des Kunstmarkts genutzt, „um Sammler, Investoren und Kreditgeber um mehr als 86 Millionen Dollar zu betrügen“, sagte die Staatsanwaltschaft. Womöglich hat Inigo Philbrick nach knapp 24 Monaten Untersuchungshaft die Ehrlichkeit doch für sich entdeckt: Als der Bezirksrichter ihn im Gerichtssaal nach dem Motiv seiner Taten fragte, antwortete Philbrick: „das Geld, euer Ehren“.

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