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Urheberrecht und Identität : Banksys merkantile Muse

Wenn der britische Graffitikünstler, der noch immer anonym ist, das Urheberrecht für seine Werke geltend machen will, muss er dem Gericht seinen wirklichen Namen enthüllen.

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          Der britische Graffitikünstler Banksy bleibt Thema. Wo er es will, ohnehin; wo er es nicht will, aber auch. Noch in Erinnerung ist die Luftnummer mit dem halbgeschredderten „Girl with Balloon“, 2018 während einer Auktion bei Sotheby’s in London. Die Käuferin zahlte trotzdem den Preis von 1,04 Millionen Pfund für das ausgefranste Teil, das unter dem neuen Namen „Love is in the Bin“ dann monatelang als Leihgabe in der Stuttgarter Staatsgalerie Besucher anzog. Im Herbst 2019 brachte Banksys viktorianisch angehauchtes Großformat „Devolved Parliament“ voller Affen, wieder bei Sotheby’s, den Rekordzuschlag von 8,5 Millionen Pfund, als Großbritannien in der Schockstarre des Brexits lag. Ob Banksy selbst aus dem Hintergrund die Fäden zog, ist unbekannt. Vor kurzem dann wollte eine Berliner Galerie damit auffallen, dass sie das Gemälde eines nackten Mannes mit Brille samt Spraydose und Künstlermappe unter dem Arm als „Porträt“ der Person Banksy bezeichnete; geschenkt. Und zum Valentinstag tauchte an einer Hauswand in seiner vermutlichen Heimatstadt Bristol ein Graffito auf mit einem kleinen Mädchen, das Rosen von seiner Schleuder abfeuert (nein, nicht auf die Blumen schießt), das der Künstler auf Instagram als sein Werk beglaubigte. Das freundliche Bild wurde umgehend von Unbekannten in rosa Farbe mit „BCC Wankers“ (BCC-Wichser) übersprayt, wobei nicht klar ist, ob BCC „Bristol City Council“ bedeutet.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Kaum interessiert an Öffentlichkeit wird der noch immer anonyme Straßenartist in einer anderen Angelegenheit sein, die ausgerechnet sein Urheberrecht betrifft. Anfang Februar erschien in der „New York Times“ ein Artikel des in London lebenden Kunstjournalisten Scott Reyburn unter dem Titel „Banksy Is a Control Freak – But He Can’t Control His Legacy“. Reyburn verbindet dort zwei Fragestellungen: die Meisterschaft Banksys bei der Manipulation der Medien, zuvörderst mittels der sozialen Medien, und die Überlegung, ob Banksy als „significant artist“ in Erinnerung bleiben werde, will heißen: wichtig für die Museen ist. Letzteres, so lässt sich sagen, wird die Zeit zeigen; reif ist sie für Banksy wohl trotz seiner Popularität – noch – nicht.

          Rekapituliert ist noch einmal Banksys Karriere als Provokateur von Beginn an, inklusive gewagter Unternehmungen wie dem temporären dystopischen Vergnügungspark „Dismaland“ in Weston-super-Mare in Somerset und dem „Walled Off Hotel“ in Bethlehem. Inwieweit private Verkäufe von Banksys Werken zur Finanzierung solcher Projekte beitrugen, liegt im Dunkeln. Die Situation verändert sich wirklich entscheidend, das schreibt auch Reyburn, seitdem Banksy nicht mehr von einer Galerie vertreten wird. Nachdem er und sein Galerist Steve Lazarides sich getrennt hatten, startete Banksy im Jahr 2008, wie bekannt, seine Website „Pest Control“ (Schädlingsbekämpfung): als Agentur zur Authentifizierung seiner Werke und zur Abwehr von Fälschungen. Auch wenn sich an die Zertifikate von „Pest Control“ seriöse Händler und Auktionshäuser halten, sind die unzähligen Falsifikate und Nachahmungen – die Banksy übrigens die längste Zeit aus Überzeugung laufen ließ – praktisch nicht mehr in den Griff zu bekommen. Das könnte aber, sehr bald, richtig problematisch werden: wenn nämlich Banksy an die Grenzen des Rechts des geistigen Eigentums stößt bei dem Versuch, nun doch wirkungsvoll gegen die billigen Imitate vorzugehen. Reyburn zitiert dazu Enrico Bonadio, der Dozent an der City Law School in London ist.

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