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Porzellansammlung „Twinight“ : Adieu, Weißes Gold des Königs

Sein seit Ende der 1990er Jahre gesammeltes Porzellan lässt der New Yorker Makler Richard Baron Cohen im November bei Lempertz in Berlin versteigern.

          Gerade einmal zwei Jahrzehnte gönnte sich der New Yorker Makler Richard Baron Cohen den Genuss einer Sammlung klassizistischen Porzellans aus den drei imperial geführten Manufakturen in Berlin, Wien und Sèvres, die er vornehmlich über namhafte Auktionshäuser zusammengetragen hatte. Inzwischen auf den Erwerb von Porträt-Miniaturen umgestiegen, übergibt der vormals Spitzenstücken des Weißen Goldes verschworene Amerikaner einen großen Teil seiner PorzellanKollektion der Berliner Dependance des Kölner Kunsthauses Lempertz zum Verkauf. Am 7.November kehren Cohens Kostbarkeiten aus der „Twinight Collection“, die zwischen 2006 und 2007 als Botschafter von „Raffinesse&Eleganz“ durch museale Stationen in Berlin, Wien und New York tourten, in den Kunstmarkt zurück. Die erste Auktion bei Lempertz, der im April kommenden Jahres eine zweite folgen soll, konzentriert sich auf die Produkte der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), die mit Prunkvasen, Servicen, Porzellanbildern, Tellern und Tassen glanzvoll vertreten ist.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Herausragend erscheint eine mit 200000 bis 250000 Euro bezifferte „Münchner“ Vase, deren reiche Ornamentierung von acht auf den Maler Carl Daniel Freydanck zurückgehenden Architekturdenkmälern unterbrochen wird, unter ihnen das Alte Museum, die Friedrichswerdersche Kirche, die Bauakademie und das Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt. Im Oktober 2011 bei Christie’s erworben, soll ein antikisierendes Service in der aufwendigen Mikromosaiktechnik 60000 bis 80000 Euro bringen. Als Ehrengeschenk für dem preußischen General Friedrich Wilhelm von Jagow entstand 1836 eine in schrillem Blau bemalte Vase mit Darstellungen teils salutierender, teil säbelrasselnder Soldaten (Taxe 40000/60000 Euro).

          Königliche Porzellan-Manufaktur, „Porzellanbild mit Ansicht des Teesalons“
 Theophron Kjellberg 1843,15,9 x 23,5 cm
Taxe 20.000/30.000 Euro

          Einblicke in Interieurs des Berliner Stadtschlosses vermitteln drei Porzellanbilder des Rittersaals, des Wohnzimmers der Königin Elisabeth und des nach Vorschlägen von Karl Friedrich Schinkel mit Exedra und Zeltdach ausgestatteten Teesalons (20000/30000). Die kühl realistische Blumenmalerei der KPM belegen elf Teller zu Preisen zwischen 1500 und 3000 Euro sowie eine Schale mit Blüten, die eine voll entfaltete „Königin der Nacht“ rahmen (30000/40000).

          Ganz und gar ortsbezogen sind sechs Teller mit „Lebenden Bildern“ exotisch gekleideter Personen aus dem von Friedrich WilhelmIII. anlässlich eines Besuchs des russischen Thronfolgerpaares am 27.Januar 1821 veranstalteten Festzugs nach Motiven des Versepos „Lalla Rookh“ von Thomas Moore (je 4000/6000). Mit Einzelexemplaren aus einem neunteiligen Tellersatz beschenkte der Monarch die auswärtigen Teilnehmer der legendären Preußen-Party im Stadtschloss: Vergegenwärtigen lässt sich das Fest über den Erwerb einer Porzellanmalerei im Spiegel der Schmuckteller, deren Preise zwischen 4000 und 6000 Euro liegen.

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